Der Tierpark-Kindergarten im Natur- und Tierpark Goldau hat Anfang September Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sieben Ländern empfangen. Die Teilnehmenden kamen im Rahmen einer von der PH Zürich organisierten Scientific Week, die sich dem Thema «Advancing Outdoor Education» widmete. Der Besuch machte sichtbar, wie ein naturnahes Lernangebot in der Praxis umgesetzt wird und welche Effekte es auf die kindliche Entwicklung haben kann.
Ein aussergewöhnliches Bildungsmodell in der Zentralschweiz
Seit Beginn des Schuljahres 2023 verbringen eine Gruppe von Kindergartenkindern der Schule Lauerz den Grossteil ihres Schulalltags im Tierpark. Konkret: An vier Tagen pro Woche findet der Unterricht in und mit der Umgebung des Parks statt; an einem Tag pro Woche sind die Kinder in der regulären Kindergartenklasse. Die Initiative ist als Kooperation zwischen der Schule Lauerz, der Pädagogischen Hochschule Schwyz und dem Natur- und Tierpark Goldau konzipiert.
Im Zentrum steht das Lernen mit allen Sinnen: Beobachtungen, praktische Arbeit mit Naturmaterialien, viel Bewegung und selbständige Erkundungen. Ziel ist es, kognitive, soziale, emotionale und motorische Fähigkeiten in einem natürlichen Umfeld zu verknüpfen und gleichzeitig das Umweltbewusstsein zu fördern.
«Die naturnahe Umgebung bietet vielfältige Lerngelegenheiten. Kinder können hier Zusammenhänge begreifen und erleben sie unmittelbar, statt sie nur aus Büchern vermittelt zu bekommen», sagte Prof. Dr. Dr. Jürgen Kühnis, Dozent für Umweltbildung an der Pädagogischen Hochschule Schwyz.
Warum das Modell auf Interesse stösst
Das Interesse der internationalen Fachleute lässt sich an mehreren Punkten festmachen: Erstens geht es um die Praxisnähe eines Programms, das direkt zeigt, wie Lehrplan 21-Inhalte im Freien umgesetzt werden können. Zweitens demonstriert der Kindergarten, wie eine Schule Kooperationen mit externen Institutionen – in diesem Fall einem Naturpark – ausgestalten kann. Drittens ist das Modell für Forschende interessant, weil es Möglichkeiten bietet, pädagogische Wirkungen von Naturerfahrungen empirisch zu untersuchen.
Solche Beobachtungs- und Forschungszugänge sind für die Weiterentwicklung von Outdoor Education relevant, weil sie helfen, didaktische Konzepte zu verfeinern und politische Entscheide zur Förderung naturnaher Bildungsangebote zu untermauern.
Praktische Eckdaten des Angebots
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Beginn des Modells | Schuljahr 2023 |
| Trägerschaft | Kooperation: Schule Lauerz, PH Schwyz, Natur- und Tierpark Goldau |
| Lernort | Mehrheitlich im Natur- und Tierpark Goldau |
| Wöchentliche Struktur | 4 Tage im Park, 1 Tag in der Schule |
Chancen und Herausforderungen
Das Projekt bietet mehrere Chancen: Kinder erfahren Lernen als unmittelbares, sinnlich geprägtes Tun; Lehrpersonen gewinnen Erfahrungen mit alternativen Lernräumen; Forschungsteams erhalten ein praxisnahes Feld für Studien. Zugleich stellen sich Fragen zur Skalierbarkeit und zu Ressourcen: Welchen zusätzlichen Aufwand bedeuten Transporte, Materialbeschaffung und begleitende Ausbildungen für Lehrpersonen? Wie lassen sich Sicherheits- und Aufsichtsfragen in einem offenen Parkumfeld regeln? Die Antworten darauf sind entscheidend, wenn ähnliche Angebote andernorts eingeführt werden sollen.
Die Zusammenarbeit mit einer Pädagogischen Hochschule ermöglicht, solche Fragen systematisch anzugehen und zugleich wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zurückfliessen zu lassen. Dies stärkt die Evidenzbasis für naturnahe Bildungsansätze in der Schweiz.
Ausstrahlung über den Kanton hinaus
Dass Forschende aus Norwegen, Schweden, Luxemburg, Deutschland, Italien, den USA und der Schweiz nach Goldau reisten, zeigt die internationale Wahrnehmung des Projekts. Für den Kanton Schwyz bedeutet dies eine positive Sichtbarkeit im Bereich Bildungsinnovationen. Für Eltern und Gemeinden in der Region kann das Modell als Impuls dienen, über die Möglichkeiten naturnaher Angebote im lokalen Schulsystem nachzudenken.
- Das Modell verbindet Lehrplan 21 mit praktischen Naturerfahrungen.
- Die Kooperation zwischen Schule, Hochschule und Park sichert fachliche Begleitung.
- Internationale Aufmerksamkeit eröffnet Potenzial für Forschung und Austausch.
Der Tierpark-Kindergarten in Goldau bleibt ein beobachtungswürdiges Beispiel dafür, wie Schule und Natur verknüpft werden können. Weitere Evaluationsdaten würden helfen, die langfristigen Effekte auf Lernentwicklung und Umweltkompetenz präziser zu belegen.