Lars Mulle, 31 Jahre alt und in Merlischachen (Kanton Schwyz) aufgewachsen, präsentiert seinen Kurzfilm «zrugg» am renommierten Filmfestival in Locarno. Der knapp 14 Minuten lange Spielfilm erzählt vom Konflikt zwischen einem Wildhüter und einem Wolf nach einem Angriff auf eine Rinderherde. Für Mulle stellt die Einladung nach Locarno einen wichtigen Schritt in seiner filmischen Laufbahn dar.
Heimat als Drehort und Thema
Der Film wurde, wie der Regisseur betont, in der Region gedreht, in der er aufgewachsen ist. Die ländliche Umgebung und die dort kursierenden Erzählungen über Wölfe bildeten für ihn den Ausgangspunkt. Der Wolf habe ihn schon lange fasziniert, sagt Mulle; als Kind habe er Nachrichten über streifende Wölfe besonders verfolgt und jeweils gespannt auf die weiteren Entwicklungen gewartet.
«Ich bin ziemlich nervös», sagt Lars Mulle. «Locarno ist eines meiner Lieblingsfestivals.»
Reales Konfliktfeld, fiktionale Annäherung
Im Zentrum von «zrugg» steht ein Wildhüter, der einen Wolf aufspürt, um das Tier zu töten, nachdem es eine Rinderherde angegriffen hat. Der Film verzichtet darauf, einfache Antworten zu liefern; statt eines eindeutigen Urteils interessiert Mulle, was dieser Konflikt über die beteiligten Menschen aussagt. Dabei zeigt sich der Mensch in der Figur des Wildhüters als technisch ausgerüsteter Jäger.
Dialog mit der lokalen Bevölkerung
Für die Produktion arbeitete Mulle eng mit Anwohnerinnen und Anwohnern zusammen. Mehrere Szenen entstanden auf dem Hof eines lokalen Bauern, der auch als Laiendarsteller mitwirkte. Seine Improvisation habe eine Passage hervorgebracht, die in Ton und Haltung eher an einen Dokumentarfilm erinnert und die Berührtheit und die Sorgen der bäuerlichen Bevölkerung authentisch transportiert.
- Regisseur: Lars Mulle
- Dauer: knapp 14 Minuten
- Festival: Locarno (Kurzfilmprogramm)
- Drehort: Kanton Schwyz
Widersprüchliche Perspektiven
Während der Dreharbeiten habe Mulle mehr Verständnis für die Existenzängste der Landwirte entwickelt, sagt er. Gleichzeitig bleibe er jedoch in der Sympathie eher auf der Seite des Wolfs. Diese Zweidimensionalität sei bewusst gewählt: Der Film frage weniger danach, wer recht habe, als vielmehr danach, wie sich Ängste, Technologien und Traditionen in ländlichen Gemeinschaften gegenseitig bedingen.
Bedeutung für die regionale Filmförderung
Der Erfolg von «zrugg» in Locarno rückt die Filmszene im Kanton Schwyz kurz ins öffentliche Scheinwerferlicht. Mulle studierte an der Zürcher Hochschule der Künste; seine Arbeit zeigt, wie regionale Themen und lokale Beteiligung in einem kurzen, aber prägnanten Fiction‑Format aufgearbeitet werden können. Für lokale Filmschaffende kann eine Festivalpräsenz als Türöffner für weitere Projekte und Kooperationen dienen.
Kontext: Wolf und Gesellschaft
Das Motiv des Wolfs bleibt in der Schweiz ein politisch und gesellschaftlich diskutiertes Thema. In ländlichen Gebieten werden Rückkehr und Präsenz von Grossraubtieren seit Jahren kontrovers diskutiert. Mulle macht diese Debatte nicht zum Gegenstand einer politischen Stellungnahme, sondern lotet in erzählerischer Form die sozialen und emotionalen Dimensionen dieser Auseinandersetzung aus.
Praktische Hinweise und Ausblick
Der Kurzfilm wird derzeit am Festival in Locarno präsentiert. Konkrete Angaben zu weiteren Vorführungen oder einer möglichen Veröffentlichung sind vom Filmemacher oder vom Festivalprogramm abhängig und wurden nicht genannt. Für Interessierte an regionaler Filmkunst bleibt die Festivalteilnahme jedoch ein Zeichen, dass lokale Geschichten auch im internationalen Kontext Beachtung finden können.
Wesentliche Daten auf einen Blick:
| Film | «zrugg» |
|---|---|
| Regie | Lars Mulle |
| Dauer | knapp 14 Minuten |
| Drehort | Kanton Schwyz |
| Festival | Locarno |
Die Einladung nach Locarno ist ein Achtungszeichen für den jungen Regisseur und zugleich ein Hinweis darauf, dass lokale Themen – hier die Begegnung von Mensch, Tier und Technik – in filmischen Erzählungen weiterhin Aktualität besitzen.