Frauenfeld. Zwei Mitglieder des Gemeinderats haben den Stadtrat gebeten, die Situation der familienergänzenden Kinderbetreuung in Frauenfeld zu prüfen und Bericht zu erstatten. Die SP-Gemeinderätin Alessandra Biondi und der CH-Gemeinderat Fabio Bergamin reichten Mitte Juni eine Einfache Anfrage ein. Sie verlangen aktuelle Zahlen und eine Einschätzung, ob das bestehende Angebot den Bedürfnissen der Familien entspricht.
Ausgangslage: Viele Kinder, lange letzte Erhebung
Zum Start des neuen Schuljahrs am 9. August 2026 besuchen im Kanton Thurgau laut Angaben 33'700 Kinder den Kindergarten bis zur Sekundarschule. Für Frauenfeld selbst liegt keine aktuelle, umfassende Studie zur familienergänzenden Betreuung vor: Die Stadt hat nach eigenen Angaben zuletzt 2005 eine umfassende Untersuchung erstellt und seitdem vornehmlich auf Wartelisten der einzelnen Angebote zurückgegriffen.
Im städtischen Grundkonzept familien- und schulergänzende Kinderbetreuung Frauenfeld sind verschiedene Zielsetzungen formuliert, darunter die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Förderung der Erwerbstätigkeit. Einige dieser Ziele sind zudem in die Legislaturziele 2023–2027 aufgenommen worden. Die Gemeinderäte wollen nun wissen, wie weit die Stadt bei der Umsetzung ist und ob die Angebote noch dem Bedarf entsprechen.
Die zentralen Fragen der Einfache Anfrage
Biondi und Bergamin stellen dem Stadtrat mehrere konkrete Fragen. Sie zielen darauf ab, Transparenz über Angebot, Nachfrage und Entwicklungsschritte herzustellen:
- Existieren genügend Betreuungsplätze für alle Schulen und Kindergärten in Frauenfeld?
- Welche Veränderungen haben sich in den letzten Jahren bei Angebot und Nachfrage gezeigt (z. B. Altersgruppen mit grösster Nachfrage)?
- Entspricht das heutige Angebot den Bedürfnissen und Erwartungen der Familien?
- Welche Schritte plant der Stadtrat, um die Ziele des Grundkonzepts und der Legislatur umzusetzen?
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2005 | Letzte umfassende Studie zur Kinderbetreuung in Frauenfeld |
| 9. August 2026 | Beginn Schuljahr im Kanton Thurgau (33'700 Schülerinnen und Schüler) |
| Mitte Juni 2026 | Einreichung der Einfache Anfrage durch Biondi und Bergamin |
Warum die Anfrage Bedeutung hat
Die Fragen der beiden Gemeinderäte betreffen zentrale Alltagsfragen vieler Familien: Arbeitszeiten, Betreuungsqualität, Erreichbarkeit der Angebote und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Ohne aktuelle Daten lassen sich weder punktgenaue Massnahmen planen noch Entscheide über bedarfsorientierte Ausweitungen treffen. Die Mehrjahresplanung der Stadt beruht derzeit auf einem Konzept, das teilweise mehr als zwanzig Jahre alt ist; seither haben sich Familienstrukturen, Erwerbsquoten und Betreuungsbedarfe verändert.
Für Eltern sind verlässliche Angebote wichtig: Sie ermöglichen Erwerbstätigkeit, reduzieren Stress im Alltag und schaffen Beständigkeit für Kinder. Für die Stadt sind verlässliche Zahlen die Grundlage, um Ressourcen zielgerichtet einzusetzen, Träger zu unterstützen und gegebenenfalls neue Angebote zu fördern.
Mögliche Folgen und offene Punkte
Kommt der Stadtrat der Bitte um Auskunft nach, könnte dies zu einer aktuellen Bestandesaufnahme führen – mit folgenden möglichen Konsequenzen:
- Auftrag für eine neue Bedarfs- und Qualitätsstudie
- Anpassung von Betreuungsangeboten an alters- und quartierspezifische Bedarfe
- Massnahmen zur besseren Koordination zwischen Schulen und Betreuungsanbietern
Welche Schritte konkret erfolgen, bleibt abzuwarten. Der Stadtrat muss auf die Einfache Anfrage antworten; üblicherweise erfolgt dies schriftlich im Rahmen der Gemeinderatssitzungen. Die Antwort wird Hinweise liefern, ob und wann Frauenfeld eine aktualisierte Strategie zur familienergänzenden Betreuung erarbeiten will.
Was Eltern jetzt wissen sollten
Bis eine allfällige Überprüfung abgeschlossen ist, bleibt für Familien wichtig, die bestehenden Angebote zu kennen und sich frühzeitig auf Wartelisten einzutragen. Eltern, die Schwierigkeiten haben, eine geeignete Betreuung zu finden, können sich an die Schulverwaltung oder die für Kinderbetreuung zuständige Abteilung der Stadt wenden. Dort liegen in der Regel Informationen zu freien Plätzen, Anmeldefristen und unterstützenden Angeboten vor.
Die Einfache Anfrage von Alessandra Biondi und Fabio Bergamin setzt den Prozess in Gang, um Licht in die aktuelle Versorgungslage zu bringen. Für viele Familien in Frauenfeld könnte eine aktualisierte Bestandesaufnahme den Alltag erleichtern und Planungssicherheit schaffen.