Fünf Kreuzlinger Gemeinderäte aus unterschiedlichen Fraktionen haben eine Motion eingereicht, die die Stadt verpflichtet, bis Ende 2035 netto 1000 zusätzliche Bäume im Stadtgebiet zu verankern. Mit dem Vorstoss soll der Stadtrat beauftragt werden, dem Gemeinderat ein Umsetzungskonzept und die nötigen Anträge für ein entsprechendes städtisches Programm vorzulegen und die Umsetzung möglichst rasch in Angriff zu nehmen.
Begründung und Ziel des Programms
Die Motionärinnen und Motionäre – Judith Ricklin (SVP), Christian Brändli (FDP), Thomas Leuch (Mitte/EVP), Katrin Wittgen (SP/Gew/Juso) und Edgar Käslin (FL/Grüne/GLP) – führen als Hauptargumente die zunehmenden Folgen des Klimawandels an: stärkere Hitzebelastung, längere Trockenphasen, häufigere und heftigere Starkregenereignisse sowie der Verlust ökologisch wertvoller Lebensräume. Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Baumbestand werde als langfristige Antwort auf diese Herausforderungen bezeichnet.
„Ein vielfältiger und widerstandsfähiger Baumbestand sei eine wirksame, langfristige Antwort auf diese Herausforderungen.“
Die Motionäre betonen, dass mit dem Begriff „netto“ keine bloße Ersatzpflanzung nach Fällungen gemeint ist. Stattdessen soll der Gesamtbestand an dauerhaften Bäumen tatsächlich erhöht werden. Ersatzpflanzungen nach Abgängen zählen demnach nicht zum Ziel.
Konkrete Vorteile für die Stadt
In der Eingabe werden die vielfältigen Effekte eines grösseren Baumbestands aufgeführt. Bäume würden das Stadtklima verbessern, Schatten spenden und Strassen, Plätze sowie das Gebäudeumfeld kühlen. Sie könnten Regenwasser zurückhalten, die Luftqualität verbessern und Lebensräume für Tiere schaffen. Besonders in dicht bebauten und stark versiegelten Gebieten seien gesunde, grosse Bäume wichtig, um Aufenthalts- und Wohnqualität zu steigern.
- Klimaregulation: Abschwächung von Hitzeinseln durch Schatten und Verdunstung.
- Wasserhaushalt: Rückhalt von Regenwasser und Reduktion von Oberflächenabfluss bei Starkregen.
- Biodiversität: Schaffung und Vernetzung von Lebensräumen für Vögel und Insekten.
- Lebensqualität: Mehr Aufenthaltsqualität in Quartieren und an Plätzen.
Umsetzung: Stadtgärtnerei, Inventar und Kooperation
Die Motion weist darauf hin, dass Kreuzlingen auf bestehendes Fachwissen in der Stadtgärtnerei, auf ein Bauminventar sowie auf bereits vorhandene Förderinstrumente für Biodiversitätsmassnahmen zurückgreifen könne. Vorgeschlagen wird eine breite Mitwirkung: Öffentliche und private Standorte sollen einbezogen werden, wodurch das Vorhaben zu einem gemeinschaftlichen Projekt von Stadt, Bevölkerung, Grundeigentümern, Unternehmen und Bildungseinrichtungen werden könnte.
| Zielgrösse | Frist |
|---|---|
| 1000 zusätzliche Bäume (netto) | bis Ende 2035 |
Die Motionärinnen und Motionäre fordern, dass der Stadtrat rasch ein Umsetzungs- und Finanzierungskonzept vorlegt. Details zur Finanzierung, zu Pflanzstandorten, zur Auswahl klimaresistenter Baumarten und zu langfristigen Pflegekonzepten sollen Teil dieses Konzepts sein. Auch Prüfungen zur Einbindung privater Flächen und Fördermechanismen für Grundeigentümer sind angelegt.
Ausblick und lokale Bedeutung
Für Kreuzlingen hat die Motion eine Reihe praktischer Folgen: Die Stadtverwaltung muss bald Prioritäten setzen, Flächen identifizieren und mit Grundeigentümern und Quartierinitiativen verhandeln. Die Stadtgärtnerei steht vor zusätzlicher Arbeit bei Pflanzung, Pflege und Dokumentation. Langfristig kann ein grösserer Baumbestand die Stadt widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Starkregen machen und gleichzeitig das Ortsbild aufwerten.
Ob und in welchem Umfang der Gemeinderat dem Vorstoss Folge gibt, wird im weiteren politischen Verfahren entschieden. Die Motion schafft jedoch erstmals ein klar messbares Ziel für die Weiterentwicklung des Kreuzlinger Baumbestands – ein konkreter Schritt in Richtung einer klimaangepassten Stadt.