Im Kanton Thurgau laufen aktuell Arbeiten zur Wiedervernässung ehemaliger Feuchtgebiete. Das sichtbarste Beispiel ist das Gebiet Gampen in der Gemeinde Berg, wo der Kanton seit 2022 gezielt Wasser zurückführt. Ziel ist es, Funktionen wiederherzustellen, die in Jahrhunderten verloren gingen, und so sowohl dem Hochwasser- als auch dem Trockenrisiko entgegenzuwirken.
Warum Feuchtgebiete wieder wichtig werden
Fast 90 Prozent der Schweizer Moore sind verschwunden. Das hat Folgen: Ehemalige Feuchtgebiete können Wasser wie Schwämme speichern und bei Starkniederschlägen das Abfliessen dämpfen. Gleichzeitig geben sie Wasser nach und nach an die Umgebung ab – ein Effekt, der in längeren Trockenperioden wertvoll ist.
Das Gampen-Gebiet zeigt diese Wirkung eindrücklich: Während andernorts im Kanton bereits Gelbfärbung an Bäumen und grosse Trockenheit sichtbar sind, bleibt der Boden im Gampen feucht. Förster Ruedi Lengweiler vom Thurgauer Forstamt beschreibt die Situation vor der Wiedervernässung: Ende des 19. Jahrhunderts sei der Boden so nass gewesen, dass Holz kaum produziert werden konnte. Man entwässerte und forstete auf; die Folgen der damaligen Entwässerung sorgen nun dafür, dass verbliebene Feuchtbereiche oft regelmässig austrocknen und ihre Funktionen verlieren.
«Damit hatte es eine seiner wichtigsten Funktionen verloren», sagte Tobias Schmid, Teamleiter in der Abteilung Natur und Landschaft.
Was im Gampen konkret gemacht wurde
Die Entscheidung, dem Gampen das Wasser zurückzugeben, fiel 2022. Der Kanton setzte dabei auf eine Kombination aus ingenieurtechnischen Massnahmen und Kooperation mit Grundeigentümern und Bewirtschaftern. In einem ersten Schritt wurde der Kernbereich des Gebiets mittels zweier Absperrschieber aufgestaut. Die Zustimmung und Zusammenarbeit der lokalen Grundeigentümer erwies sich als entscheidend für die Umsetzung.
- Projektstart: 2022 (Wiedervernässungs-Entscheid)
- Standmassnahme: Einbau von zwei Absperrschiebern im Kernbereich
- Partner: Kanton Thurgau, Thurgauer Forstamt, Grundeigentümer/Bewirtschafter
Nutzen für Mensch und Natur
Die Effekte sind vielschichtig: Feuchtwiesen und aufgewertete Vernässungsflächen speichern Wasser, reduzieren Hochwasserpegel und verbessern die Wasserabgabe in Trockenzeiten. Aus ökologischer Sicht schaffen feuchte Lebensräume Raum für spezialisierte Pflanzen und Tierarten, die auf nasse Bedingungen angewiesen sind. Ausserdem kann die Wiedervernässung zur CO2-Speicherung beitragen, indem die Zersetzungsraten von organischem Material verringert werden.
Lokale Akzeptanz und Herausforderungen
Die Wiedervernässung gelingt nur, wenn Grundeigentümer mitmachen. Im Fall Gampen konnten Lösungen mit den betroffenen Parzellen gefunden werden. Das Projekt unterstreicht, dass Umweltmassnahmen auf kommunaler Ebene oft ein Abwägen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, forstwirtschaftlichen Interessen und Naturschutz erfordern.
Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie viele weitere Standorte sich im Kanton Thurgau analog aufwerten lassen, und wie sich solche Projekte auf lokale Nutzungsrechte und Bewirtschaftung auswirken. Langfristige Pflege und Monitoring werden wichtig sein, um die gewünschten Effekte sicherzustellen.
Einordnung in die kantonale Strategie
Die Arbeiten im Gampen sind Teil eines grösseren kantonalen Ansatzes, Feuchtflächen als Element der Klima- und Landschaftsanpassung zu nutzen. Gerade in Zeiten mit erhöhter Waldbrandgefahr und häufigeren Hitzephasen zeigen wiedervernässte Flächen ihre doppelte Funktion: Sie nehmen Wasser auf und spenden in trockenen Perioden Feuchte für das Umfeld.
| Aspekt | Situation Gampen |
|---|---|
| Historie | Entwässerung und Aufforstung Ende 19. Jahrhundert |
| Projektstart Wiedervernässung | 2022 |
| Technische Massnahme | 2 Absperrschieber zur Aufstauung |
| Wirkung | Feuchter Boden trotz Hitze, verbesserte Wasserhaltung |
Was bedeutet das für die Bevölkerung?
Für Anwohnende und Bewirtschafter heisst das: Verbesserter Schutz gegen Starkniederschläge und zugleich eine erhöhte Standortresilienz in trockenen Sommern. Wer Land besitzt oder bewirtschaftet, sollte solche Projekte als Chance sehen, ökologische Funktionen mit landwirtschaftlichen Interessen abzustimmen. Für die Bevölkerung insgesamt bedeutet es mehr Schutz vor Extremwetterereignissen und eine Aufwertung der lokalen Naturräume.
Das Gampen-Projekt ist ein konkretes Beispiel dafür, wie kantonale Massnahmen, technische Eingriffe und lokale Kooperation zusammenwirken können. Ob und wie schnell ähnliche Projekte andernorts im Thurgau folgen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Andreas Keller, KI-Regionalkorrespondent Kanton Thurgau – WE NEWS