Defizit, Personalaufstockung und Vorsicht beim Steuerfuss
Der Stadtrat von Arbon hat das Budget für das Jahr 2027 vorgelegt. Kerndaten: Ein Budgetminus von rund 680'000 Fr., ein unveränderter Steuerfuss von 70 Prozent sowie die Schaffung von insgesamt 80 zusätzlichen Stellenprozenten in Werkhof und der Abteilung Soziales/Gesellschaft. Die Stadt bezeichnet ihre aktuelle Finanzlage als «stabil und solid», warnt aber vor einer Verschlechterung in den kommenden Jahren.
Gegenwind durch steigende Abschreibungen und strukturelle Änderungen
Als einen der Hauptgründe für das vorsichtige Vorgehen nennt der Stadtrat die erwarteten höheren Abschreibungen infolge geplanter hoher Investitionen. Es wird damit gerechnet, dass die Abschreibungen in naher Zukunft um rund 2,2 Millionen Fr. pro Jahr steigen. Zudem könnten weitere Belastungen auf die Gemeinde zukommen, etwa durch die angekündigte Neuregelung der Individuellen Prämienverbilligung: Diese könnte für Arbon eine Mehrbelastung von bis zu 1,5 Millionen Fr. jährlich bedeuten.
«Die aktuelle finanzielle Situation der Stadt Arbon kann gemäss ihren eigenen Angaben als stabil und solid bezeichnet werden.»
Warum der Steuerfuss nicht weiter gesenkt wird
Arbon hatte den Steuerfuss für das Jahr 2026 um zwei Prozentpunkte auf 70 Prozent gesenkt. Mit Blick auf den Finanzplan verzichtet der Stadtrat auf eine weitere Reduktion: Die Prognosen zeigen, dass sich die finanzielle Lage der Stadt in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit verschlechtern wird. Als Ursachen nennt der Stadtrat neben den höheren Abschreibungen die Abschaffung der Liegenschaftensteuer, die demografische Entwicklung mit steigenden Gesundheitskosten sowie Aufgaben- und Kostenverschiebungen zwischen Kanton und Gemeinden.
Personalaufwand und Zahlen im Überblick
Für 2027 sieht das Budget die Aufstockung des Personals um 80 Stellenprozente vor. Neu würden damit insgesamt 11'043 Stellenprozente in der Stadtverwaltung ausgewiesen. Konkrete Verteilung und Aufgabenprofile der zusätzlichen Stellen wurden im Überblick genannt: vornehmlich im Werkhof und in der Abteilung Soziales/Gesellschaft.
- Defizit 2027: rund 680'000 Fr.
- Steuerfuss: 70 Prozent (unverändert)
- Zusätzliche Stellen: 80 Stellenprozente; total 11'043 Stellenprozente
- Erwartete Mehrabschreibungen: ca. 2,2 Mio. Fr. pro Jahr
- Mögliche Zusatzbelastung durch Prämienverbilligung: bis 1,5 Mio. Fr. pro Jahr
| Position | Betrag/Anzahl |
|---|---|
| Budgetsaldo 2027 | -680'000 Fr. |
| Steuerfuss | 70% |
| Zusätzliche Stellenprozente | 80 |
| Erwartete Abschreibungssteigerung | 2,2 Mio. Fr./Jahr |
| Potentielle Mehrbelastung Prämienverbilligung | 1,5 Mio. Fr./Jahr |
Folgen für die Stadtbewohnerinnen und -bewohner
Für die Einwohnerinnen und Einwohner von Arbon bedeutet das präsentierte Budget vorerst Kontinuität beim Steuerfuss; zusätzliche Leistungen im Sozialbereich und im Werkhof sollen jedoch mit Personalressourcen unterlegt werden. Langfristig könnten steigende Abschreibungen und die genannten Mehrbelastungen zu weiteren finanziellen Einschnitten oder zu höheren Steuerfüssen führen, falls sich die erwarteten Belastungen materialisieren und keine Gegensteuer möglich ist.
Der Stadtrat betont, man wolle die finanzielle Stabilität bewahren und auf Entwicklungen reagieren. Die Ankündigung, die strukturellen Herausforderungen ernst zu nehmen, signalisiert, dass in den kommenden Finanzplanungen weitere Diskussionen über Investitionsvolumen, Leistungsnachhaltigkeit und mögliche Massnahmen zur Gegensteuerung folgen werden.
Die Fraktionen im Gemeinderat sowie interessierte Einwohnerinnen und Einwohner werden die Detailberatung des Budgets und die anschliessende Genehmigung verfolgen. Entscheidungen über konkrete Massnahmen zur Konsolidierung der Gemeindefinanzen dürften in den nächsten Budgetrunden an Relevanz gewinnen.