Eine spätgotische Heiligenfigur ist am Montag nach mehr als einem Jahrhundert an ihren vermuteten Ursprungsort im Baltschiedertal im Oberwallis zurückgekehrt. Das ALPS Alpine Museum der Schweiz übergab die Statue an die Gemeinde Baltschieder (VS). Die Figur wurde am Morgen aus einem Lager in Zollikofen (BE) abgeholt und per Helikopter ins Oberwallis transportiert.
Vom Museumslager zurück in die Kapelle
Die Statue, die nach Angaben des Museums aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammt, wurde zunächst im Gemeindehaus von Baltschieder empfangen. Am Nachmittag soll die Heiligenfigur wieder an ihren ursprünglichen Ort in einer Kapelle im Baltschiedertal geflogen werden. Dort werde sie künftig wieder öffentlich zugänglich sein, heisst es in Mitteilungen zum Anlass.
Die Rückführung folgt einem jahrelangen Wechsel der Standorte: Nach dem Neubau der betreffenden Kapelle gelangte die Statue über den Alpinisten und Mitbegründer des Alpinen Museums, Paul Montandon, in die Sammlung des ALPS. Nun kam das Museum dem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde nach einer Rückgabe nach.
Symbolik und Musealpraxis
Das ALPS beschreibt die Rückgabe als ein Beispiel für einen veränderten Umgang mit Kulturgütern aus den Alpenregionen. Während früher viele Objekte in Sammlungen urbaner Museen landeten, rücke heute die regionale Herkunft stärker in den Vordergrund. Die Übergabe an Baltschieder wird daher nicht nur als Rückkehr eines einzelnen Objekts verstanden, sondern als Teil einer grösseren Debatte um Provenienz, Zugänglichkeit und lokale Identität.
Für Gemeinden wie Baltschieder hat die Rückkehr eines historischen Sakralobjekts mehrere Dimensionen: Die Figur ist ein religiöses und kulturelles Zeugnis der lokalen Geschichte, sie kann das Interesse an regionalem Brauchtum und kirchlicher Baugeschichte beleben und sie schafft einen konkreten Bezugspunkt für die Dorfgemeinschaft.
Praktischer Ablauf der Rückführung
| Datum/Uhrzeit | Massnahme |
|---|---|
| Vormittag | Abholung der Statue im Lager in Zollikofen (BE) |
| Nachmittag | Helikoptertransport ins Oberwallis; offizieller Empfang im Gemeindehaus Baltschieder |
| Später Nachmittag | Rückführung in die Kapelle im Baltschiedertal |
Der Transport mit dem Helikopter unterstreicht die logistischen Herausforderungen, die mit der Rückführung von Kulturgütern in gebirgigen Regionen verbunden sind. Die Auswahl der Transportmittel richtet sich nach Zugänglichkeit und dem Ziel, die Objekte sicher und würdig zu bewegen.
Bedeutung für das Baltschiedertal
Für Baltschieder ist die Rückkehr der Statue ein Ereignis von lokalem Gewicht. Es bietet die Gelegenheit, die Geschichte der Kapelle und der religiösen Praxis im Tal zu thematisieren und die Zugänglichkeit für Bewohnerinnen und Besucher wiederherzustellen. Zudem kann die Rückgabe Impulse für eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem lokalen Kulturerbe geben.
Solche Rückführungen werfen auch Fragen auf: Wer entscheidet, welche Objekte das Eigentum lokaler Gemeinschaften stärken? Welche Rolle spielen Museen künftig als Bewahrer versus Rückgabestellen? Die Aktion des ALPS kann als Beispiel dienen, wie Institutionen und Gemeinden im Alpenraum diese Fragen verhandeln.
Konkrete Folgen und offene Punkte
- Die Figur wird künftig in der Kapelle im Baltschiedertal öffentlich zugänglich sein.
- Die Gemeinde feierte die Rückkehr mit einem offiziellen Empfang im Gemeindehaus.
- Das ALPS betont die Rückgabe als Zeichen eines veränderten musealen Umgangs mit regionalem Kulturgut.
Unklar bleibt, ob und in welcher Form die Statue konservatorische Nachbehandlungen benötigt oder ob konservatorische Massnahmen bereits vor der Übergabe vorgenommen wurden. Solche Fragen sind üblich bei Objekten dieses Alters und betreffen sowohl die langfristige Erhaltung als auch die Präsentation vor Ort.
Die Rückführung zeigt, wie historische Objekte in der Schweiz zunehmend dort verankert werden, wo ihre Geschichte gewachsen ist. Für das Baltschiedertal bedeutet dies die Wiederannäherung an ein greifbares Stück eigener Vergangenheit — und für Museen wie das ALPS die Anerkennung, dass Provenienz und lokale Verwurzelung an Gewicht gewinnen.