Teile der Uferbefestigung in Arbon sind stark beschädigt. An mehreren Stellen haben Unterspülung und Erosion Hohlräume entstehen lassen, die teils bis zu 80 Zentimeter tief sind. Ein besonders betroffener Abschnitt von rund 70 Metern ist deshalb seit vier Jahren gesperrt.
Warum eine naturnahe Lösung nötig ist
Die Stadtplanung sieht keine Möglichkeit, die Verbauung einfach mit neuen Blocksteinen zu stabilisieren. Gemäss den präsentierten Abklärungen verlangt das geltende Recht eine naturnahe Umgestaltung des Ufers. An einer Informationsveranstaltung stellte Stadtrat Daniel Bachofen (SP) die Pläne vor und machte deutlich, dass der Beschluss nicht aufschiebbar sei: «Wir haben die Pflicht zur Renaturierung.»
«Das Projekt ist extrem positiv für Arbon», sagte Bachofen und betonte, dass früher oder später Investitionen nötig würden.
Was das Projekt umfasst
Gegenstand der Vorlage ist die Umgestaltung eines 550 Meter langen Uferabschnitts im Bereich Schwimmbad und Seepark. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 6,35 Millionen Franken. Das Projekt wurde vom Planer Kenneth Dietsche (OePlan) erläutert und anschliessend vom Stadtrat an die Bevölkerung weitergereicht.
- Uferabschnitt: 550 m
- Bereich: Schwimmbad / Seepark
- Gesamtkosten: 6,35 Mio. Fr.
- Sperrung: betroffene 70 m seit vier Jahren
Winterweg separat zur Abstimmung
Der geplante Winterweg war an der Veranstaltung und in den Vorberatungen der Stadt das kontroverseste Thema. Stadtrat Bachofen entschied, den dafür notwendigen Kredit von 160'000 Franken in einer eigenen Vorlage an die Urne zu bringen. Der Kanton übernimmt dabei die Hälfte der Kosten, damit die gesamte Uferrevitalisierung nicht an der Diskussion um den Weg scheitert.
| Position | Betrag (Fr.) |
|---|---|
| Gesamtkosten Ufersanierung | 6'350'000 |
| Kredit Winterweg | 160'000 |
| Kantonaler Anteil Winterweg | 50% |
Die Trennung der Winterweg-Vorlage soll verhindern, dass eine kleinere, umstrittene Massnahme das gesamte Projekt gefährdet. Das Parlament hatte im Frühling die Hauptvorlage einstimmig verabschiedet; keine Stimme widersprach der Sanierungsabsicht.
Politische Reaktionen und Widerstand
Trotz des parlamentarischen Rückhalts formierte sich Widerstand gegen den Winterweg: Ein überparteiliches Komitee mit Vertretern von BFA, Die Mitte, EVP, FDP, SVP sowie dem Verein Natur- und Vogelschutz Meise bekämpft speziell diesen Bestandteil. Die Initianten argumentieren, der Weg schade dem naturnahen Konzept.
Die Arboner Stimmberechtigten entscheiden am 27. September über die Vorlage zur Ufersanierung und separat über den Winterweg. Gelingt die Annahme, würden die Arbeiten gestaffelt umgesetzt, wobei dringende Sicherungsmassnahmen Priorität haben sollen.
Für Arbon geht es um mehr als um bauliche Eingriffe: Die Uferzone ist ein dicht genutzter Erholungsraum am Bodensee und zugleich ein sensibler Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die anstehenden Entscheide verbinden Fragen der Sicherheit, der Naherholung und des Naturschutzes – und sie haben spürbare finanzielle Folgen für die Gemeindehaushalte.