Die Vollmondbar am Seemuseum in Kreuzlingen hat am Sonntagabend ihren letzten Anlass durchgeführt. Nach einer Dekade, in der ein siebenköpfiges Frauen-Team regelmässig als Gastgeberinnen aufgetreten ist, beendete die Präsidentin der Vollmondbar, Annemarie Bär, die Veranstaltungsreihe mit den Worten: «Zehn Jahre sind genug. Nun muss etwas Neues kommen.»
Beliebter Treffpunkt zwischen Seeufer und Seeburgpark
Der Platz vor dem Seemuseum füllte sich rasch. Die Atmosphäre zwischen Seeufer, Seeburgpark und der alten Kornschütte zog auch beim Abschied zahlreiche Besucherinnen und Besucher an. Dass nicht alle einen Sitzplatz fanden, löste die Veranstalterinnen pragmatisch: «Wer keinen Sitzplatz hat, kann einfach tanzen», sagte Bär, als die Musik der «One-Man-Band» Silvio Fantauzzi zum Verweilen und Tanzen einlud.
Ein Ehrenamtliches Projekt mit Alltagsarbeit
Das Team, das seit 2016 die Vollmondbar betrieben hat, schwankt nach eigenen Aussagen zwischen Erleichterung und Wehmut. An der Bar zog Ursi Eggenberger ein lachendes Fazit: Sie werde vielleicht das Bowle-Trinken vermissen, das Bowle-Zubereiten aber nicht unbedingt. Denn der Aufwand für die monatliche Festwirtschaft sei jeweils beträchtlich gewesen.
Das Gelingen der Vollmondbar war eng mit dem Seemuseum verknüpft. Museumsleiter Christian Hunziker nannte das Team ein «Spin-off des Café-Teams» und sagte, die Frauen hätten das Haus mit Leben erfüllt. Er bezeichnete die Vollmondbar als einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen konnten, und bedankte sich ausdrücklich bei den Ehrenamtlichen.
«Ihr habt das Haus mit Leben erfüllt und einen Ort geschaffen, an dem Menschen zusammensitzen können.» — Christian Hunziker
Zukunft des Seemuseums und Suche nach Helfenden
Das Ergebnis der jüngsten Abstimmung hat dem Seemuseum zusätzliche Mittel beschert: 75'000 Franken mehr pro Jahr. Hunziker zeigte sich optimistisch, dass das Seemuseum weitergeführt werde. Gleichzeitig betonte er, dass man bis kommenden Mai noch eine Lösung finden müsse, um den abendlichen Treffpunkt im Museum zu erhalten. Dazu würden aber «viele helfende Hände» gebraucht.
Hunziker und sein Vorgänger wiesen darauf hin, dass es nicht einfach sei, Freiwillige zu finden, die einerseits eine Verbindung zum Museum hätten und andererseits den nötigen Generationenwechsel mittragen könnten. Der früher anwesende Vor-Vorgänger Walo Abegglen sagte dazu, er beneide Hunziker nicht um diese Aufgabe.
Folgen für Kreuzlingen
Das Ende der Vollmondbar lässt mehrere Fragen offen für das kulturelle Angebot in Kreuzlingen:
- Wie lässt sich der abendliche Treffpunkt am Seemuseum neu organisieren?
- Wer übernimmt künftig die Aufgaben, die das siebenköpfige Team getragen hat?
- Wie werden die zusätzlichen 75'000 Fr. im Jahresbudget des Museums genutzt, um Veranstaltungen und Treffpunkte zu sichern?
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2016 | Beginn der Vollmondbar durch das siebenköpfige Frauen-Team |
| 2026 | Letzter Anlass; Team erklärt das Ende nach zehn Jahren |
| 2026 | Seemuseum erhält +75'000 Fr. pro Jahr durch Abstimmung |
Die Diskussionen um die künftige Nutzung des Museums und die Sicherstellung von Begegnungsräumen werden die kommenden Monate in Kreuzlingen prägen. Das Beispiel der Vollmondbar zeigt, wie stark kulturelle Projekte vom Engagement weniger Personen abhängen. Ohne Ersatz- oder Nachfolge-Teams drohen Lücken im öffentlichen Leben am See.
Für die Stadt bedeutet dies auch eine Chance: Das zusätzliche Budget und das starke lokale Interesse könnten Anlass für neue Formen von ehrenamtlichem Engagement und partizipativen Konzepten sein. Hunziker hofft, dass bis Mai eine Lösung gefunden wird, die den Abendtreff im Seemuseum erhält — und damit einen weiteren «Dritten Ort» in Kreuzlingen bewahrt.
Für die vielen Gäste bleibt die Erinnerung an zehn Jahre Vollmondbar: an Bowle, Musik und an einen Ort, an dem Menschen zusammengefunden haben. Ob und wie dieses Format in anderer Form wiederkehrt, werden die nächsten Monate zeigen.