Kultur Speicher Appenzell Ausserrhoden (AR)

Wie private Kulturprojekte dauerhaft funktionieren können: Gespräch in Speicher mit Binswanger und Hummler

In der Krone Speicher diskutieren Ökonom Mathias Binswanger, Moderator Christoph Lanter und Mäzen Konrad Hummler am 29. September, unter welchen Bedingungen private Kulturproduktion gesellschaftlich relevant und wirtschaftlich tragfähig sein kann.

Wie private Kulturprojekte dauerhaft funktionieren können: Gespräch in Speicher mit Binswanger und Hummler
©Illustration KI Andrea Steiner / we-news.com

Kultur gilt als zentrale Ressource für Gemeinschaft und Identität, doch ihre Finanzierung bleibt vielfach fragil. Unter dem Titel «Passionen, die sich lohnen? Zur Ökonomie privater Kulturproduktion» lädt die Veranstaltungsreihe «Wirtschaft in der Wirtschaft» am Dienstag, 29. September 2026 in die Krone in Speicher ein. Gastgeber ist der Moderator Christoph Lanter, Gesprächspartner sind der Ökonom und Glücksforscher Mathias Binswanger sowie der frühere Privatbankier und Mäzen Konrad Hummler.

Zwischen Leidenschaft und Markt

Diskutiert wird die Frage, wie sich private kulturelle Projekte auf eine nachhaltige Basis stellen lassen. Der Anlass nimmt die Spannung zwischen persönlicher Begeisterung, gesellschaftlichem Auftrag und ökonomischer Realität in den Blick. Kultur habe für die Gesellschaft einen hohen Nutzwert, zugleich lasse sich dieser Nutzen nicht immer in Marktpreisen messen, lautet ein zentraler Gedanke der Ankündigung.

Die Debatte richtet sich an Kulturschaffende, Mäzene, Wirtschaftsinteressierte und die Öffentlichkeit. Sie will klären, welche Rollen Idealismus und unternehmerisches Denken jeweils spielen und ob sich kultureller Mehrwert mit wirtschaftlichen Kriterien erfassen lasse.

Praktische Erfahrung trifft wirtschaftliche Perspektive

Die Gesprächspartner ergänzen sich in ihren Perspektiven: Binswanger bringt die volkswirtschaftliche und theoretische Sicht ein und ist bekannt für seine pointierten Einordnungen, die über gängige Denkmuster hinausgehen. Hummler steuert operative Erfahrung an der Schnittstelle von Finanzen und Kultur bei. Er war 1999 zusammen mit dem Musiker Rudolf Lutz Initiant der J. S. Bach-Stiftung St.Gallen, einer privat finanzierten Stiftung mit dem Ziel, das gesamte Vokalwerk Johann Sebastian Bachs aufzuführen, audiovisuell zu dokumentieren und weltweit zugänglich zu machen. Hummler ist Präsident des Stiftungsrats und hat damit über Jahre praktische Erfahrungen mit Mäzenatentum und professioneller Kulturproduktion gesammelt.

Die Krise vieler Kulturinstitutionen hat in den vergangenen Jahren die Frage nach alternativen Finanzierungsmodelln verschärft: Öffentliche Mittel reichen nicht immer, Sponsoring ist oft projektspezifisch, und Marktmechanismen greifen nur begrenzt. Die Veranstaltung zielt darauf ab, diese Herausforderungen offen zu diskutieren und mögliche Wege aufzuzeigen.

Was das für die Region bedeutet

Für den Kanton Appenzell Ausserrhoden und die Ostschweiz hat die Debatte direkte Relevanz. Lokale Initiativen, kleine Theaterensembles, Konzertreihen oder Museen stehen häufig vor der Aufgabe, Finanzierung, Publikum und Qualitätsanspruch auszubalancieren. Ein besseres Verständnis der Ökonomie privater Kulturproduktion kann den Akteuren helfen, tragfähige Modelle zu entwickeln — etwa durch Mischfinanzierung, langfristiges Mäzenatentum oder strategische Partnerschaften mit wirtschaftlichen Akteuren.

  • Datum: 29. September 2026
  • Ort: Krone, Speicher
  • Moderation: Christoph Lanter
  • Gäste: Mathias Binswanger, Konrad Hummler

Erfahrungswerte aus der Praxis

Die Bach-Stiftung St.Gallen dient als konkretes Beispiel dafür, wie langfristig angelegte private Initiativen kulturelle Lücken füllen können. Die Stiftung verfolgt ein klares, ambitioniertes Ziel und verbindet musikalische Expertise mit finanzieller Unterstützung. Solche Modelle zeigen, dass private Finanzierung dann besonders erfolgreich sein kann, wenn klare Ziele, professionelle Umsetzung und nachhaltiges Fundraising kombiniert werden.

Gleichzeitig bleibt offen, wie generalisierbar solche Beispiele sind. Nicht jede Nische lässt sich mit derselben Strategie bedienen, und nicht alle kulturellen Angebote haben die gleiche Aussicht auf internationale Resonanz oder audiovisuelle Verwertbarkeit.

Ein Angebot für Debatte und Vernetzung

Die Veranstaltung in Speicher versteht sich als Forum: Sie soll nicht nur Thesen austauschen, sondern Kontakte zwischen Kulturschaffenden, Förderern und Wissenschaft herstellen. Solche Vernetzungsplattformen sind in regionalen Kulturökosystemen wichtig, weil sie Wissen transferieren und gemeinsam neue Finanzierungsansätze testen helfen.

Wer die Diskussion verfolgen will, findet in der Krone in Speicher am 29. September Gelegenheit, die Gedankengänge von Binswanger und die praktischen Erfahrungen Hummlers unmittelbar zu verfolgen. Die Organisatoren versprechen eine analytische, aber zugängliche Auseinandersetzung mit einem Thema, das sowohl kulturell Verantwortliche wie auch wirtschaftlich interessierte Bürgerinnen und Bürger berührt.

Andrea Steiner
Andrea KI KI-Ressortleiterin Kultur – WE NEWS online

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