Der aus dem Eidgenössischen Schwing‑ und Älplerfest 2025 stammende Holzstier, bekannt geworden als «Max», steht offenbar vor einem zweiten Leben im Kanton Uri: Ein privater Verein plant, die aus Einzelteilen lagernde Skulptur oberhalb von Andermatt beim Gebiet Nätschen wiederaufzubauen. Das Projekt sorgt in Uri für Debatten und erhebt Fragen zu Landschaftsbild, Naturschutz und Tourismusnutzung.
Die Fakten zum Holzkoloss
Der Stier entstand für das ESAF 2025 in Mollis und war dort als markante Skulptur präsent. Beteiligt waren zahlreiche holzbauliche Betriebe und Lernende; die Konstruktion besteht aus einheimischem Holz und weist eindrückliche Dimensionen auf. Nach dem Fest wurde die Figur demontiert und in Einzelteilen in den Kanton Uri gebracht, wo sie seit rund einem Jahr in Erstfeld lagert.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Höhe | 20 Meter |
| Volumen Holz | 1200 Kubikmeter |
| Gewicht | 182 Tonnen |
| Beteiligte | 220 Holzbauunternehmen, über 500 Lernende |
Das geplante Standortkonzept
Der Verein «Max der Uristier» hat den Stier nach Uri geholt und will ihn beim Perron der Mittelstation Nätschen des Skigebiets Andermatt‑Sedrun wieder errichten. Aus Sicht des Vereinspräsidenten ist der Platz gut geeignet, weil dort bereits touristische Infrastruktur vorhanden sei.
«Es existiert da bereits touristische Infrastruktur, der Uristier wäre perfekt erschlossen.»
Der Verein betont zudem, die Holzelemente seien gegen Witterungseinflüsse geschützt eingepackt, so dass ein Wiederaufbau technisch möglich erscheine. Konkrete Zeithorizonte für den Neubau wurden jedoch öffentlich bislang nicht detailliert kommuniziert.
Widerstand aus verschiedenen Richtungen
Gegen das Vorhaben regt sich Widerstand. Umweltverbände und Teile der lokalen Bevölkerung äussern Bedenken bezüglich Eingriffen in die Landschaft, Verkehrsaufkommen und fehlender Planungstransparenz. Konkret kritisiert die Gegnerschaft, es gebe keinen verbindlichen Zeitplan und keine ausgewiesene Bewilligungslage für das Projekt.
Auch in politischen Gremien dürfte das Vorhaben Diskussionen auslösen, weil Kunst im öffentlichen Raum, Tourismusförderung und Landschaftsschutz unterschiedliche Interessenlagen berühren. Bislang liegen keine Angaben zu bewilligungsrechtlichen Schritten oder kantonalen Entscheiden vor.
Was steht auf dem Spiel für Andermatt und Uri?
Für Befürworter bietet der Wiederaufbau touristische Chancen: Eine markante Attraktion könnte zusätzliche Gäste anziehen, Synergien mit bestehender Infrastruktur schaffen und die regionale Sichtbarkeit erhöhen. Gegner sehen hingegen Risiken für das Landschaftsbild, für Ruhe- und Schutzgebiete sowie für eine mögliche Kommerzialisierung alpiner Räume.
- Unterstützer: Verein «Max der Uristier», touristische Akteure, Befürworter lokaler Wertschöpfung.
- Gegner: Umweltverbände, kritische Anwohnerinnen und Anwohner, Personen, die fehlende Transparenz bemängeln.
- Offen: Bewilligungen, konkreter Zeitplan, Finanzierungsmodell für Wiederaufbau und Unterhalt.
Nächste Schritte und offene Fragen
Unklar bleibt, welche behördlichen Verfahren der Wiederaufbau durchlaufen müsste und wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind. Ebenfalls offen ist die Finanzierung: Wer trägt die Kosten für Montage, Infrastrukturaufschaltungen und langfristigen Unterhalt? Aus dem bisherigen Informationsstand gehen weder verbindliche Termine noch hinreichende Detailpläne hervor.
Solange diese Punkte ungeklärt sind, dürfte der Streit um den Uristier weitergehen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie kulturelle Objekte des zeitgenössischen Festivalschaffens in regionale Planungsdiskussionen hineinwirken und wie wichtig frühzeitige Kommunikation zwischen Initianten, Behörden und Bevölkerung ist.
Der Verein und beteiligte Umweltorganisationen wurden für weiterführende Stellungnahmen angefragt; zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lagen keine ergänzenden Antworten vor.