Der Kanton Thurgau setzt verstärkt auf die Wiedervernässung ehemaliger Moore, um die Landschaft widerstandsfähiger gegen längere Trockenperioden zu machen und verloren gegangene Lebensräume zurückzugewinnen. Das Projekt im Gebiet Gampen in der Gemeinde Berg dient als Beispiel, wie naturnahe Wasserzyklen in der Kulturlandschaft erhalten werden können.
Wiedervernässung statt Entwässerung
Viele Feuchtgebiete, die heute nur noch als kleine Restflächen existieren, wurden in früheren Jahrhunderten entwässert, um Holzproduktion oder landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Im Gampen begann der Kanton 2022 mit Massnahmen, um die Wasserstände wieder anzuheben. Seitdem bleibt der Boden in diesem Gebiet auch in heissen, trockenen Sommern deutlich feuchter als in der Umgebung.
Der Grundgedanke: Moore und Feuchtwiesen wirken wie natürliche Wasserspeicher. Nach starken Niederschlagsereignissen nehmen sie Wasser auf, halten es zurück und geben es nach und nach wieder an die Umgebung ab. Das verbessert die Wasserversorgung für Pflanzen und Tiere in Trockenzeiten und kann gleichzeitig die Gefahr von kurzfristigen Hochwasserereignissen reduzieren.
Ökologie und Nutzen für die Region
Die Massnahmen im Gampen verfolgen zwei Ziele: erstens die Wiederherstellung verlorener Lebensräume für Amphibien, Libellen und andere Feuchtgebietsspezialisten; zweitens die Erhöhung der Landschaftsresilienz gegenüber klimatischen Schwankungen. Matthias Künzler, Leiter Natur und Landschaft beim Thurgauer Amt für Raumentwicklung, betont den Nutzen:
«Nichts hält das Wasser in der Landschaft so gut zurück wie das Moor.»
Die Veränderung im Gampen zeigt sich konkret: Während andernorts Bäume unter Wassermangel litten, blieb der Boden im wiedervernässten Gebiet feucht. Das ist ein praxisnahes Beispiel dafür, welche Rolle intakte Feuchtgebiete in einer von Extremen geprägten Klimazukunft spielen können.
Wie die Wiedervernässung funktioniert
Im Gampen kamen einfache technische Massnahmen zum Einsatz, etwa Absperrschieber, mit denen Wasser gezielt gehalten werden kann. Solche Eingriffe sind reversibel und lassen sich lokal steuern, sodass Wasserstände an naturräumliche Bedingungen angepasst werden können.
- Wasser zurückhalten: Absperrschieber und ähnliche Vorrichtungen erhöhen den Grundwasserpegel.
- Lebensräume fördern: Amphibien-Laichplätze und Libellenhabitate werden wieder nutzbar.
- Hochwasser reduzieren: Durch verzögerte Abgabe von Niederschlagswasser sinkt die akute Hochwasserbelastung.
Partner und Folgen
Das Projekt verbindet Fachstellen des Kantons, Försterinnen und Förster sowie Akteure aus dem Natur- und Landschaftsschutz. Auch Tiere leisten einen Beitrag: Die Arbeiten im Gampen wurden nach Angaben vor Ort durch das Zutun von Tieren wie dem Biber unterstützt, der bei der Stauwirkung von Gewässern hilft.
Die Wiedervernässung ist Teil der Thurgauer Biodiversitätsstrategie und steht in Zusammenhang mit übergeordneten Zielen, die Artenvielfalt zu stärken und ökologische Leistungen der Landschaft zu sichern. Solche Projekte sind langfristig angelegt und verlangen Monitoring, damit Wirkung und mögliche Konflikte — etwa mit landwirtschaftlicher Nutzung — ausgewogen beurteilt werden können.
| Leistung | Erwarteter Effekt |
|---|---|
| Wasserspeicherung | Reduktion von Trockenstress in angrenzenden Flächen |
| Biodiversität | Wiederbesiedlung durch Amphibien, Libellen und wassernaher Flora |
| Hochwasserschutz | Verzögerte Abgabe nach Starkniederschlägen |
Konsequenzen für den Kanton
Für den Thurgau bedeutet die Rückgabe von Wasser an ehemalige Moore eine Anpassung an die durch den Klimawandel verstärkten Extremwetterlagen. Solche Massnahmen ergänzen andere Ansätze wie Aufforstung oder attraktive Heckenstrukturen, die ebenfalls zur Wasserhaushaltsstabilisierung beitragen.
Praktisch heisst das: Wo Wiedervernässung möglich und sinnvoll ist, entsteht ein vielfältiger Nutzen — sowohl für die Natur als auch indirekt für Land- und Forstwirtschaft sowie Siedlungen. Entscheidend bleibt eine abgestimmte Planung, die ökologische Chancen und lokale Nutzungsinteressen in Balance hält.
Das Beispiel Gampen zeigt, dass schon vergleichsweise kleine Eingriffe spürbare Effekte auf den Wasserhaushalt haben können. In einer Landschaft zwischen Obstgärten und See ist dies ein Weg, die Lebensgrundlagen zu sichern und die Region auf längere Dürreperioden vorzubereiten.