Die Dachorganisation Dialog Nordquartier hat sich in einem Positionspapier deutlich gegen ein vorgesehenes unterirdisches Parkhaus auf den städtischen Allmenden ausgesprochen und den Gemeinderat zu einer Richtigstellung aufgefordert. Die Auseinandersetzung zeigt, wie sensibel die Debatte um die Nutzung jener Freiflächen ist, die im Stadtbild von Bern eine besondere Rolle spielen.
Stellungnahme und Kernforderung
In ihrem Papier präzisiert die Organisation, dass sie eine solche Einstellhalle in der als Schutzzone ausgewiesenen Allmendfläche grundsätzlich ablehnt. Sie betont, dass der bisherige Eindruck, das Nordquartier beurteile das Projekt «kritisch», nicht ihrer offiziellen Haltung entspreche. Vielmehr lehne die Dachorganisation die unterirdische Parkierung klar ab.
«Wir lehnen eine unterirdische Einstellhalle in der Schutzzone klar ab»
Mit dieser klaren Formulierung grenzt sich Dialog Nordquartier von einzelnen Mitgliedsorganisationen ab, die das Projekt unterstützen. Der Verein Leist Bern Nord befürworte zwar das Parkhaus, doch er sei nur eines von insgesamt 25 Mitgliedsorganisationen, wie das Positionspapier festhält. Die übrigen Mitglieder stünden einer unterirdischen Parkierung mehrheitlich ablehnend gegenüber.
Begründungen und Verweise
Als Argumentationslinie verweist Dialog Nordquartier auf ein Gutachten zum Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. Dieses Gutachten setze bei der Suche nach Parkplätzen Prioritäten ausserhalb der Allmenden, so die Organisation. Aus Sicht der Dachorganisation sollen die Allmenden als zusammenhängende Grünfläche erhalten bleiben, ohne exklusive Nutzungsrechte einzelner Gruppen.
Für die Verbindung zwischen Grosser und Kleiner Allmend fordert die Organisation technische und gestalterische Lösungen: entweder eine Überdachung der Autobahn oder eine deutlich breitere Brücke, die die beiden Flächen städtebaulich sinnvoll verbindet. Zudem verlangt sie eine «spürbare Verbesserung der Aufenthaltsqualität» durch gezielte Massnahmen.
- Begrünung und Beschattung zur Hitzereduktion
- Ausbau des Baumbestands
- Förderung von Magerwiesen und Ruderalflächen
Konflikt mit Darstellung des Gemeinderats
Der Gemeinderat hatte Mitte Juni in einem Vortrag an den Stadtrat geschrieben, Dialog Nordquartier beurteile die Einstellhalle kritisch. Diese Darstellung hat die Dachorganisation jetzt als unzutreffend bezeichnet und eine Richtigstellung verlangt. Die unterschiedlichen Darstellungen offenbaren, dass innerhalb der lokalen Interessenvertretungen kein einheitliches Meinungsbild herrscht.
| Akteur | Gestellte Position |
|---|---|
| Dialog Nordquartier | Klare Ablehnung einer unterirdischen Einstellhalle in der Schutzzone |
| Leist Bern Nord (Mitgliedorganisation) | Unterstützt das Parkhaus |
| Gemeinderat (Schriftlicher Vortrag) | Formulierte, Dialog Nordquartier beurteile die Einstellhalle kritisch |
Folgen für die Stadtplanung
Die Debatte hat Relevanz für laufende Planungsprozesse: Die Allmenden sind als öffentliche Grünflächen Teil des städtischen Erbes und stehen zugleich unter Schutz, weshalb Eingriffe dort besonders geprüft werden. Die Forderung, Parkraum nicht in der Schutzzone zu schaffen, stellt die Projektverantwortlichen vor die Aufgabe, alternative Standorte und Konzepte zu prüfen.
Dialog Nordquartier plädiert dafür, die Aufenthaltsqualität der Allmenden systematisch zu steigern und ökologische Aspekte stärker zu gewichten. Dazu zählen nicht nur kosmetische Bepflanzungen, sondern eine nachhaltige Aufwertung des Biotops und die Reduktion städtischer Hitzeinseln.
Was nun zu erwarten ist
Unklar bleibt, wie der Gemeinderat auf die geforderte Richtigstellung reagieren wird und ob er seine Formulierungen anpasst. Offizielle Stellungnahmen von Seiten der Stadtverwaltung oder des Stadtrats zu den konkreten Planungsabsichten liegen im vorliegenden Material nicht vor.
Für Anwohnende und Nutzerinnen der Allmenden bleibt das Thema von unmittelbarem Interesse: Entscheidungen, die unter Schutz stehende Freiräume betreffen, beeinflussen Nutzung, Erholung und ökologische Qualität. Sollte die Stadt an konkreten Planungen für ein unterirdisches Parkhaus festhalten, ist mit weiteren Diskussionen in Quartierorganisationen, politischen Gremien und gegebenenfalls mit Stellungnahmen aus Fachkreisen zu rechnen.
Insgesamt zeigt der Vorgang, wie wichtig eine transparente Kommunikation zwischen Behörden und lokalen Organisationen ist, wenn es um die Zukunft städtischer Grünräume geht. Die Allmenden stehen nicht nur als Flächen zur Debatte, sondern als Teil des öffentlichen Gemeinguts, dessen Schutz bei Planvorhaben sorgfältig abzuwägen ist.