In Chur hat der Neubau des Kantonsspitals Graubünden seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet. Der Bau zeigt, wie moderne Spitalkonzepte räumlich und technisch zusammengeführt werden: Statt vieler separater Zugänge empfängt künftig eine helle, grosse Notfallhalle die Patienten, drei Empfänge regeln den Erstkontakt, und ein neu gestalteter Schockraum erlaubt rasche, multimodale Diagnostik.
Eine Halle für alle Notfälle
Die zentrale Halle ersetzt den früheren Haupteingang und fungiert als «eine Tür für alle Notfälle». Von dort verzweigen Wege in den Kinder-Notfall und den Erwachsenen-Notfall. Ein Empfang ist speziell für Rollstuhlnutzende vorgesehen. Die Halle bietet ausreichend Sitzgelegenheiten und drei Triage-Stationen, die für mehr Privatsphäre sorgen sollen. Gynäkologische Notfälle werden weiterhin im Fontana behandelt. Ansonsten gilt nach Angaben der Klinik: «Von der Wiege bis zur Bahre alles an einem Ort.»
«Es ist im Prinzip ein Computer», sagte Dajan Roman, Leiter der Unternehmenskommunikation.
Bei der Eröffnung zeigte sich, dass der Neubau noch nicht in allen Details fertig ist: Sitzbänke sind teilweise abgesperrt, und vereinzelt arbeitet die Elektronik noch nicht routiniert. Trotzdem ist die neue räumliche Struktur bereits sichtbar und gibt einen Ausblick auf die künftige Arbeitsweise.
Hightech im Schockraum und kurze Diagnosewege
Besonderes Augenmerk gilt dem neuen Schockraum: Ein Computertomograph (CT) ist auf einer Schiene montiert und lässt sich von einer Liege zur anderen fahren. Damit will das Spital zu den schnellsten Diagnostikern der Schweiz zählen. In sehr dringenden Fällen können Patientinnen und Patienten zudem direkt auf der CT-Liege operiert werden.
Der Chefarzt der klinischen Notfallchirurgie, Thomas S. Müller, erklärt, dass bei Grossereignissen die Patienten gestaffelt eintreffen. Die neue Infrastruktur zielt auf schnelle Abläufe und hohe Diagnosesicherheit. Gleichzeitig weist Müller darauf hin, dass die Topographie des Kantons die Wege mitunter verlängern kann.
Räume für Sterben und Erholen
Mit Blick auf die verschiedenen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten bietet das Spital spezielle neue Räume: Für Sterbende gibt es ein Spezialzimmer, das wohnlich gestaltet ist und Geborgenheit vermitteln soll. Operierte erhalten künftig eine Art Patienten-Spa mit Aussicht auf den Calanda, das die Zeit nach Eingriffen angenehmer gestalten soll.
- Neue zentrale Notfallhalle mit drei Empfängen
- Schockraum mit verschiebbarem CT für rasche Diagnostik
- Spezialzimmer für Sterbende und patientenorientierte Erholungsbereiche
Offene Fragen und Übergangssituation
Obwohl die Öffnung für die Bevölkerung ein sichtbares Zeichen des Projektfortschritts ist, besteht weiterhin Bedarf an Feinabstimmungen: Elektronische Systeme sind an manchen Stellen noch nicht voll funktionsfähig, und einzelne Sitzbereiche bleiben vorläufig gesperrt. Solche Restarbeiten sind bei Grossbauten üblich, beeinflussen aber die Erfahrung für Besucherinnen, Patienten und Personal während der Anfangsphase.
| Merkmal | Neuer Zustand |
|---|---|
| Notfallzugang | Zentrale Halle, «eine Tür für alle Notfälle» |
| Diagnostik | CT auf Schiene im Schockraum; direkte Operation auf CT-Liege möglich |
| Spezialräume | Wohnlich gestaltetes Sterbezimmer; Patienten-Spa mit Bergsicht |
| Gynäkologische Notfälle | Werden weiter im Fontana behandelt |
Für die Bevölkerung bedeutet der Neubau einen umfassenden Modernisierungsschub: kürzere Wege innerhalb des Hauses, mehr Privatsphäre bei der Erstaufnahme und technisch erweiterte Möglichkeiten in der Notfallversorgung. Für das Personal entstehen andere Abläufe und neue Anforderungen an die Koordination.
Der Neubau soll nicht nur medizinische Leistungsfähigkeit bündeln, sondern auch die Patientenerfahrung verändern. In einer Region, in der Distanzen und Topografie oft eine Rolle spielen, setzt das Kantonsspital Graubünden mit diesem Schritt auf zentrale Infrastruktur und hohe technische Ausstattung. Die offizielle Inbetriebnahme wird von weiteren Tests und Anpassungen begleitet werden, bis alle Systeme vollständig einsatzbereit sind.
Das Projekt zeigt, wie Gesundheitsinfrastruktur in Graubünden auf die Bedürfnisse von Bevölkerung und Notfallversorgung ausgerichtet wird: technisch modern, räumlich grosszügig und patientenorientiert – auch wenn in den ersten Tagen noch handwerkliche Nacharbeiten nötig sind.