Gesundheit Klosters Graubünden (GR)

Klosters genehmigt 500'000 Franken Unterstützung für Medizinisches Zentrum nach kritischer Debatte

Der Gemeinderat Klosters hat einen Unterstützungsbeitrag von CHF 500'000 an das Medizinische Zentrum Klosters bewilligt. Hintergrund sind ausserordentliche Belastungen durch doppelte Miet- und Investitionskosten nach Verzögerungen beim Bezug des neuen Standorts.

Klosters genehmigt 500'000 Franken Unterstützung für Medizinisches Zentrum nach kritischer Debatte
©Illustration KI Seraina Cadonau / we-news.com

Der Gemeinderat von Klosters hat am 17. August einem Unterstützungsbeitrag von CHF 500'000 an das Medizinische Zentrum Klosters (MZK) zugestimmt. Damit folgt die Gemeinde einem Antrag der Flury Stiftung, die ursprünglich um einen Beitrag von CHF 700'000 ersucht hatte. Die Zustimmung fiel nicht einstimmig und war Ergebnis einer kritischen Sitzung, in der Grundsatzfragen und die Höhe der Unterstützung intensiv diskutiert wurden.

Hintergrund: Verzögerungen und doppelte Belastungen

Das MZK konnte den heutigen Standort an der Talbachstrasse 2 erst am 22. April 2025 beziehen. Zuvor hatte eine bis vor das Bundesgericht reichende Baueinsprache den Neubau verzögert. In der Zwischenzeit war das Zentrum temporär an der Talstrasse 10 untergebracht. Dort musste ein langfristiger Mietvertrag abgeschlossen werden. Das führte zu einer zeitlichen Überschneidung der Mietverhältnisse und damit zu einer doppelten finanziellen Belastung.

Die Gemeinde nennt als Folgen dieser Situation ausserordentliche Belastungen der Betriebskosten, negative Jahresergebnisse und zum Teil doppelte Grundinvestitionen. Diese finanziellen Belastungen waren der Hauptgrund für das Gesuch der Flury Stiftung um eine kommunale Beteiligung an den Einrichtungs- und Investitionskosten.

Politische Diskussion im Gemeinderat

Die Debatte im Gemeinderat war gemäss Protokoll lebhaft. Die Fraktion von FDP - GLP hat sich, wie Gemeinderat Roman Hirzel berichtete, «zähneknirschend» für die Unterstützung ausgesprochen. Auch Gemeinderätin Anja Bisaz (FDP) bezeichnete den Entscheid als schwierig, verwies aber auf den konkreten Gegenwert: Die Gemeinde würde mit dem Beitrag Investitionen unterstützen, deren Ertrag beziehungsweise Nutzung dem Ort zugutekommt.

Entscheidend war für viele Rätinnen und Räte die Frage, in welchem Umfang die Gemeinde Verantwortung übernehmen soll, wenn ein privater Stiftungsträger eine öffentliche Leistung betreibt. Der Gemeindevorstand begründete das reduzierte Ansinnen von CHF 500'000 gegenüber dem ursprünglich beantragten Betrag von CHF 700'000 mit dem Ziel, eine Teilung der Verantwortung zwischen Stiftung und Gemeinde vorzunehmen.

Konkrete Auswirkungen für die Gesundheitsversorgung

Das Medizinische Zentrum ist ein wichtiger Versorger im Tal. Die finanzielle Stabilität des Hauses beeinflusst die Verfügbarkeit ambulanter Leistungen vor Ort, die Zusammenarbeit mit Hausärzten sowie die Infrastruktur für medizinische Geräte und Mobiliar. Im Falle einer Übernahme des MZK durch ein selbständiges Hausarztteam würde gemäss Diskussion das Mobiliar und die Geräte der Gemeinde gehören, abzüglich der Abschreibungen. Damit bleibt die Gemeinde faktisch in die Struktur der Versorgung eingebunden.

  • Beantragter Beitrag der Flury Stiftung: CHF 700'000
  • Beantragter Beitrag der Gemeinde Klosters (gewählt): CHF 500'000
  • Bezogener neuer Standort: Talbachstrasse 2 (seit 22. April 2025)
  • Temporärer Standort: Talstrasse 10 (mit langfristigem Mietvertrag)

Finanzielle Transparenz und Folgefragen

Die Zustimmung bedeutet nicht das Ende der Diskussionen. Gemeinderat und Stiftung tragen nun die Verantwortung, die Verwendung der Mittel transparent zu dokumentieren und gegenüber der Bevölkerung zu begründen. Offene Fragen betreffen die genauen Buchungen der Doppelbelastung, mögliche Rückforderungsmodalitäten und die Strategie, wie künftige strukturelle Risiken für die lokale Gesundheitsversorgung minimiert werden können.

PositionBetrag / Datum
Ursprüngliches Gesuch Flury StiftungCHF 700'000
Beantragter Gemeindebeitrag (entschieden)CHF 500'000
Bezug neuer Standort22. April 2025

Was das für Einwohnerinnen und Einwohner bedeutet

Für die Bevölkerung in Klosters und Umgebung steht die Frage im Vordergrund, ob dadurch die ambulante Grundversorgung stabiler wird. Kurzfristig sorgt der Zuschuss dafür, dass Investitionen in Infrastruktur und Geräte gesichert sind. Mittelfristig bleibt jedoch wichtig, wie die Trägerschaft und laufenden Kosten des MZK nachhaltig organisiert werden, damit zusätzliche Belastungen der Gemeindefinanzen und Leistungseinschränkungen vermieden werden.

Der Entscheid im Gemeinderat zeigt die Balance, die Gemeinden zunehmend finden müssen: Sie unterstützen wichtige öffentliche Leistungen, ohne allein die volle Verantwortung für privat initiierte Einrichtungen zu übernehmen. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die Flury Stiftung, das MZK und die Gemeinde zusammenarbeiten, um die Versorgung in den Tälern langfristig zu sichern.

Seraina Cadonau
Seraina KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Graubünden – WE NEWS online

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