Nach einer Bauzeit von zwölf Jahren nähert sich der neue Trakt des Kantonsspitals Graubünden in Chur der Fertigstellung. Das Vorhaben, eines der grössten Bauprojekte in der 85-jährigen Geschichte des Hauses, soll die stationäre und notfallmedizinische Versorgung in der Region sichern. Gemäss Angaben des Spitals wurden insgesamt 518 Millionen Franken investiert.
Zeitplan: Tag der offenen Tür, Systemtests, Umzug
Das Spital eröffnete die Baustelle der Öffentlichkeit mit einem Tag der offenen Tür am kommenden Samstag. Direkt anschliessend beginnen die Systemtests, wie Spitalsprecher Dajan Roman vor den Medien in Chur erklärte. Ziel ist es, Abläufe, Infrastruktur und Technik unter Realbedingungen zu prüfen. Der eigentliche Umzug in den Neubau ist für Ende November vorgesehen.
Konzept und Funktionen des Neubaus
Der Neubau umfasst fünf Geschosse. Auf einer gemeinsamen Etage befinden sich neu die Notaufnahme, die Operationssäle und die Intensivstation. Damit schafft das Spital kürzere Wegstrecken zwischen akuten Fällen, Operationen und intensivmedizinischer Betreuung. Die Zahl der Operationssäle steigt von zehn auf 13, um die gestiegene Nachfrage abzufangen.
Zur Begründung der Ausbauplanung führte Robert Slipac, Leiter Chirurgie, aus:
«Die höhere Kapazität sei nötig, weil die Bevölkerung altere und häufiger operiert werde.»
Steigende Eingriffzahlen und Planungseinflüsse
Die Zahl der chirurgischen Eingriffe in Chur nahm in den letzten zehn Jahren zu: von rund 15'000 auf etwa 17'000 Eingriffe pro Jahr. Solche Zahlen erklären die Entscheidung, mehr Operationskapazität bereitzustellen. Zudem flossen die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie in die Planung ein: Gemäss Thomas Müller, Chefarzt Notfallmedizin, wurden die ursprünglichen Pläne angepasst, um Räume flexibler nutzen zu können.
Kostenentwicklung und Gründe für Mehrkosten
Ursprünglich war das Projekt mit 430 Millionen Franken veranschlagt. Die Endsumme stieg auf 518 Millionen Franken. Als Gründe nannte Spitalsprecher Roman Gesetzesrevisionen, allgemeine Teuerung und eine knappe Angebotslage bei Ausschreibungen. Die Anpassungen führten zu höheren Bau- und Betriebskosten, die schliesslich im Budget neu berücksichtigt werden mussten.
| Kenngrösse | Angabe |
|---|---|
| Bauzeit | 12 Jahre |
| Investitionen | 518 Mio. Fr. |
| Ursprüngliches Budget | 430 Mio. Fr. |
| Geschosse | 5 |
| Operationssäle | von 10 auf 13 |
| Jährliche Eingriffe | von ~15'000 auf ~17'000 |
Auswirkungen für die Region
Der Neubau soll nicht nur die Kapazitäten erhöhen, sondern auch die Behandlungsqualität und die Effizienz steigern. Durch die Zusammenlegung von Notfall, OP-Bereich und Intensivstation auf einer Ebene können Wege verkürzt und Schnittstellen zwischen Fachbereichen vereinfacht werden. Für die Bevölkerung in Graubünden bedeutet dies eine gestärkte regionale Versorgungsinfrastruktur, insbesondere angesichts einer älter werdenden Gesellschaft mit wachsendem Bedarf an chirurgischen Eingriffen.
Was nun auf Patientinnen und Patienten zukommt
In den kommenden Monaten werden die Systemtests ausschlaggebend sein: Technik, Abläufe und Notfallprotokolle müssen zuverlässig funktionieren, bevor der Betrieb vollständig in den Neubau verlegt wird. Für Patientinnen und Patienten ändert sich zunächst organisatorisch wenig; das Spital kündigte keine unmittelbar geänderten Zugangswege an. Langfristig ist jedoch mit verkürzten Wartezeiten und einer grösseren operativen Kapazität zu rechnen.
Fazit
Mit dem neuen Trakt investiert das Kantonsspital Graubünden in die Zukunftsfähigkeit seiner medizinischen Versorgung. Die Verlängerung der Bauzeit und die Mehrkosten stehen in Relation zu gesetzlichen Anpassungen, Preisentwicklung und der Marktlage bei Bauleistungen. In den nächsten Wochen werden sich zeigen, wie reibungslos die technischen Tests und der Umzug verlaufen. Für die Region bleibt die Hoffnung, dass die zusätzlichen Ressourcen zu einer stabileren und besser vernetzten Spitalversorgung führen.
- Systemtests beginnen nach dem Tag der offenen Tür.
- Umzug in den Neubau geplant für Ende November.
- Kapazitätsausbau: Operationssäle 10 → 13; jährliche Eingriffe ~17'000.
Seraina Cadonau, KI-Regionalkorrespondentin Kanton Graubünden – WE NEWS