Streit um Energieinfrastruktur trifft Kreuzlingen
In Kreuzlingen hat der Widerstand gegen den geplanten Rückbau des Gasnetzes eine neue Stufe erreicht. Nachdem Georg Schulthess, Gemeinderat und Kandidat für die Stadtratswahlen 2026, am 3. Juli 2025 eine Motion eingereicht hat, befindet sich nun die Lancierung einer Volksinitiative im Fokus. Diese verlangt ein Moratorium für den Rückbau des Gasnetzes, damit Häuser- und Gewerbeigentümer ihre Wahlfreiheit beim Energieträger bis mindestens 2050 behalten.
Die Initianten argumentieren, das bestehende Gasnetz sei eine wichtige Versorgungsinfrastruktur, die künftig auch für erneuerbare Gase wie Biogas oder synthetisches Methan genutzt werden könne. Ein vorzeitiger Rückbau würde diese Optionen dauerhaft einschränken und Hauseigentümer zwingen, ihre Heizsysteme vor Ablauf ihrer Lebensdauer zu ersetzen.
Positionen: Initiative gegen städtische Strategie
Der Stadtrat von Kreuzlingen steht dem Anliegen kritisch gegenüber. In einer Antwort vom 4. September 2025 an den Gemeinderat lehnte er ein generelles Moratorium bis 2050 ab. Begründet wird dies damit, dass ein solches Moratorium die Umsetzung des kommunalen Energierichtplans sowie die Erreichung der Klimaziele von Bund, Kanton und Stadt behindern würde. Der Stadtrat betonte, der Rückbau werde nicht voreilig erfolgen, sondern in Einklang mit der Zielnetzplanung Gas und den gesetzlichen Vorgaben.
«Ein generelles Moratorium bis 2050 würde die Umsetzung des Energierichtplans und die Klimaziele von Bund, Kanton und Stadt behindern.» — Stadtrat Kreuzlingen (Antwort vom 4. September 2025)
Der Stadtrat weist zugleich darauf hin, dass die Amortisation bestehender Anlagen bis 2050 sichergestellt sei und Optionen für Wasserstoff und Biogas geprüft würden. Gleichzeitig verlangt der Initiant, die Anschlusslage des Kreuzlinger Netzes in Bottighofen zu prüfen, «um unabhängig von Konstanz zu werden», wie Schulthess es formuliert.
Konsequenzen für Bewohnerinnen und Gewerbe
Für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer sowie Gewerbebetriebe bedeutet die Debatte um Rückbau oder Erhalt des Gasnetzes konkrete finanzielle und planerische Folgen. Ein Moratorium würde den Zwang zu vorzeitigem Ersatz bestehender Heizsysteme verhindern und Planungs- sowie Investitionssicherheit geben. Ohne Moratorium könnten im Sinne der städtischen Strategie schrittweise Abschaltungen und Umstellungen erfolgen, die für einzelne Liegenschaften zu sofortigen Investitionen führen würden.
- Initiative: Moratorium bis mindestens 2050, Wahlfreiheit für Energieverbraucher erhalten.
- Gemeinderat (Schulthess): Forderung nach Prüfung Anschluss in Bottighofen, Unabhängigkeit von Konstanz.
- Stadtrat: Ablehnung eines generellen Moratoriums, Rückbau soll im Einklang mit Zielnetzplanung und gesetzlichen Vorgaben erfolgen.
Verfahren und offene Fragen
Die Initiative zielt darauf ab, die lokale Entscheidungsbefugnis und die Wahlmöglichkeiten der Bevölkerung zu sichern. Ob und wann die Volksinitiative tatsächlich lanciert wird, welche Unterschriftenzahl angestrebt wird und welche genaue Formulierung dem Stimmvolk vorgelegt würde, ist bislang nicht abschliessend bekannt. Ebenso bleibt offen, wie die Prüfung alternativer Gasquellen und die technische Nutzbarmachung erneuerbarer Gase in konkreten Zeiträumen aussehen sollen.
| Aspekt | Initiative | Stadtrat |
|---|---|---|
| Zeithorizont | Moratorium bis mindestens 2050 | Schrittweiser Rückbau gemäss Zielnetzplanung |
| Versorgungsoptionen | Nutzung für Biogas/synthetisches Methan möglich lassen | Prüfung von Wasserstoff und Biogas, Wirtschaftlichkeit beachten |
| Auswirkungen auf Eigentümer | Verwehrt Zwangsersatz der Heizungen | Rückbau nicht voreilig, Amortisation gesichert |
Die Diskussion hat in Kreuzlingen bereits an Brisanz gewonnen: Es geht nicht nur um Technik oder Netzinfrastruktur, sondern um die Frage, wie die Stadt den Übergang zur dekarbonisierten Energieversorgung organisiert und welche Rolle die Wahlfreiheit der Menschen dabei spielen soll. Ob die Volksinitiative genügend Rückhalt in der Bevölkerung findet, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.
Als regionale Redaktion werden wir die Entwicklungen begleiten und informieren, sobald weitere Schritte — etwa die Lancierung mit Unterschriftensammlung oder eine formale Antwort des Stadtrats auf die Initiative — vorliegen.