Initiative zeigt konkrete Orte und Massnahmen
Die Naturgruppe Salix hat zusammen mit dem Verein Grünes Gallustal Visionen vorgestellt, wie Wil in Zukunft städtischer Natur mehr Raum geben könnte. Vorgestellt wurden mehrere konkrete Orte im Stadtgebiet, darunter der Stadtmarkt mit der Idee eines offengelegten Krebsbachs, und die stark versiegelte Fürstenlandstrasse, die mit Baumreihen und Grünstreifen im Sommermehr Schatten bieten könnte.
Bei der Präsentation betonten Patricia Zuber (Präsidentin der Naturgruppe Salix), Vorstandsmitglied Sebastian Koller sowie Christoph Inhelder von Grünes Gallustal, dass es nicht bloss darum gehe, möglichst viele Bäume zu pflanzen. Vielmehr verfolge man einen interdisziplinären, ganzheitlichen Ansatz und stelle drei zentrale Zielsetzungen in den Mittelpunkt:
- Lebensqualität — Aufenthaltsräume und Stadtoasen schaffen;
- Biodiversität — Lebensräume für Pflanzen und Tiere fördern;
- Klimaadaption — Hitze reduzieren und Wasserhaushalt berücksichtigen.
«Die Schweiz ist überdurchschnittlich vom Klimawandel betroffen», erklärte Christoph Inhelder.
Hitzesommer 2026 macht Dringlichkeit sichtbar
Die Initianten wiesen darauf hin, dass der Sommer 2026 die Dringlichkeit solcher Massnahmen noch einmal verdeutlicht habe. Neben der allgemeinen Klimaentwicklung stelle die angespannte Wassersituation in der Region eine zusätzliche Herausforderung dar. Parallel dazu habe sich die Stadt Wil in den vergangenen Jahren nach innen verdichtet und eine intensive Bautätigkeit erlebt, was den Druck auf bestehende Grünflächen erhöhe.
Als Modellprojekt nannten die Referenten ein Beispiel aus St. Gallen: Beim Bahnhof St. Fiden sei gemeinsam mit einem Quartierverein eine frühere Brachfläche in eine Stadtoase mit Aufenthalts- und Gastronomiebereich umgewandelt worden. Dieses Beispiel diene als Hinweis darauf, dass aus konzeptionellen Ideen auch realisierbare Projekte entstehen könnten.
Konkrete Ideen für Wil — Chancen und Fragen
Zu den vorgeschlagenen Eingriffen gehören mehr Baumreihen entlang stark befahrener Achsen, die Entsiegelung von Plätzen und Randflächen sowie das Offenlegen und Renaturieren von Gewässern wie dem Krebsbach im Stadtzentrum. Solche Eingriffe hätten mehrere Effekte:
- mehr Schatten und niedrigere Oberflächentemperaturen an Hitzeperioden,
- verbesserte Aufenthaltsqualität im Zentrum,
- erhöhte Vielfalt von Pflanzen und Insekten.
Offen bleibt, wie sich diese Visionen mit bestehenden Nutzungen, Verkehr und Eigentumsverhältnissen vereinbaren lassen. Die Initianten fordern deshalb eine integrative Planung, die Fachexpertise aus Ökologie, Stadtplanung und Nachbarschaften zusammenbringt.
| Aspekt | Ziel |
|---|---|
| Lebensqualität | Aufenthaltsflächen, Sitzgelegenheiten, Stadtoasen |
| Biodiversität | Renaturierung, vielfältigere Grünstrukturen |
| Klimaadaption | Mehr Schatten, geringere Hitzeinseln, Wassermanagement |
Was bedeutet das für die Stadt Wil?
Für Wil stellen die Vorschläge sowohl eine Chance wie auch eine Herausforderung dar. Chancen bestehen in einer höheren Aufenthaltsqualität im Zentrum, in besserer Anpassung an Hitzewellen und in einem Beitrag zum Schutz der Artenvielfalt. Die Herausforderung liegt in der Umsetzung: Raum für Grün muss gegen Nutzungsansprüche, Verkehrsbedürfnisse und Bauinteressen abgewogen werden. Zudem erfordert die Umsetzung politische Entscheidungen und finanzielle Mittel.
Die Diskussion, die nun mit den Visionen angestossen wurde, dürfte in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen. Entscheidend wird sein, in welchem Umfang Stadtplanung, Gemeinderat und lokale Akteure solche Vorschläge aufnehmen, priorisieren und anschliessend konkretisieren. Die vorgestellten Beispiele zeigen jedenfalls, dass ein Mehr an Natur in Wil nicht nur möglich, sondern für die Anpassung an den Klimawandel relevant ist.