Renovationen eröffnen Chancen — doch wie nutzt Wil sie?
Die jüngsten Wiedereröffnungen des Hofs in der Altstadt und des Holzturms auf dem Hofberg haben Wil neue Sichtbarkeit verschafft. Beide Gebäude gelten als Besuchermagnete und sind Teil eines Angebots, das die Stadt mit dem Wakkerpreis ohnehin in den Vordergrund stellt. Vor dem Hintergrund knapper Stadtkassen stellt sich jedoch die Frage, ob Wil die vorhandenen Attraktionen in ausreichendem Mass in wirtschaftliche Wertschöpfung ummünzt.
Bekannte Orte, ungenutztes Potenzial
Wil verfügt laut Bericht über eine Reihe von kulturgeschichtlichen und touristisch relevanten Objekten. Neben den genannten Wiedereröffnungen rückt auch das Haus India an der Zürcherstrasse ins Blickfeld — ein Gebäude, das mit einer bewegten Geschichte verbunden ist. Die pittoreske Altstadt und deren schwungvolle Präsentation bieten sich als Basis für bezahlte Stadtführungen an.
- Altstadtführungen mit wechselnden Themenschwerpunkten
- Spezielle Routen zu lokalen Geschichten wie der Biertradition
- Verknüpfung von Kulturstandorten mit gastronomischen und kommerziellen Angeboten
Als konkretes Thema, das bereits andernorts erfolgreich als Erlösbringer dient, wird in dem Beitrag die Biergeschichte der Region genannt. Bier als Thema verbindet lokale Identität, Genuss und Erzählstoff: In Wil reicht die Erwähnung von Bier bis ins Jahr 754 zurück — damals erscheint Bier in der Region Wil erstmals als Pachtzins in einer Urkunde.
"Die Tradition beginnt 754, als Bier in der Region Wil als Pachtzins erstmals urkundlich erwähnt wurde."
Die Stadtgeschichte umfasst neben der Hofbrauerei offenbar mehrere historische Brauereien; früher existierten drei weitere Brauereien. Zudem werden Orte wie die ehemalige Löwenbräu-Liegenschaft, das Thurbobräu oder die Bierlounge im Hof als mögliche Elemente eines thematischen Angebots genannt. Solche Geschichten könnten auf spezialisierten Führungen oder Events genutzt werden.
Kulturangebot als Einnahmequelle
Neben der Biergeschichte weist Wil ein vielfältiges kulturelles Angebot auf. Im öffentlichen Raum sind laut Bericht 55 Kunstobjekte zu besichtigen, darunter Werke von international bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie Pippilotti Rist und Roman Signer. Dies bietet eine thematische Grundlage für Kunstspaziergänge, kombinierte Kultur- und Gastroangebote oder saisonale Events.
| Attraktion | Rolle |
|---|---|
| Hof (Altstadt) | Wiedereröffnet; Besuchermagnet |
| Holzturm (Hofberg) | Wiedereröffnet; Aussichtspunkt |
| Haus India | Historisches Gebäude mit Geschichte |
| Öffentliche Kunst (55 Objekte) | Kulturelle Attraktion; Grundlage für Führungen |
Die Idee ist nicht neu: Andere Regionen in der Ostschweiz nutzen thematische Führungen und Genussangebote erfolgreich, etwa Brauerei- oder Genussrouten. Für Wil würde es bedeuten, bestehende Geschichten und Orte systematischer als touristisches Produkt aufzubereiten und dafür Kommunikations-, Organisations- und Vermarktungsressourcen bereitzustellen.
Fragen an Stadt und Stakeholder
Ob die Stadt Wil dieses Potenzial künftig stärker ausschöpft, hängt von Entscheidungen der kommunalen Politik, Stadtmarketing und privaten Akteuren ab. Entscheidend sind:
- Ob und wie kostenpflichtige Führungen oder Events etabliert werden;
- wie die Zusammenarbeit mit Gastronomie, Kulturvereinen und privaten Eigentümern gestaltet wird;
- welche Marketingmittel und Infrastruktur (z. B. Empfang, Zugänglichkeit, Informationsmaterial) zur Verfügung gestellt werden.
Die Diskussion bleibt aktuell: Renovationen haben die Sichtbarkeit erhöht, nun gilt es, daraus möglichst nachhaltige Einnahmen für die Stadtkasse zu generieren, ohne die kulturelle Substanz zu verwässern. Für die Einwohnerinnen und Einwohner stellt sich die Frage, wie viel touristische Nutzung die Stadt verträgt und wie die Einnahmen sinnvoll wieder in den lokalen Haushalt und in Kulturprojekte zurückfliessen können.