St. Gallen – Das Kulturprojekt «Waaghaus wagt» kehrt zurück: Die St. Galler Violinistin Elena Neff-Zhunke führt das Festival in einer kompakten Wochen-Ausgabe fort. Im Zentrum steht dieses Jahr Spanien mit Musik von Manuel de Falla, Flamenco und Tango; insgesamt sind 25 Veranstaltungen angekündigt.
Ein Festival als Antwort auf Widerstände
Neff-Zhunke, Mitglied des Sinfonieorchesters St.Gallen und in mehreren Formationen aktiv, hatte das Festival im Sommer 2025 erstmals spontan lanciert. Trotz Widerständen in der Folge hat sie das Projekt weiterverfolgt: «Ich habe so viel positives Feedback bekommen», sagt sie über die Reaktionen aus dem Publikum.
«Viele Leute haben gesagt: ‹Schön, dass Du diesen Ort belebst, an dem man sonst nur vorbeigeht.›»
Die Idee, das historische Waaghaus am Bohl mit einem vielfältigen Kulturprogramm zu beleben, stiess zwar auf Zustimmung in Teilen der Bevölkerung. Politisch allerdings erlebte das Projekt einen Rückschlag: Die Fortführung einer Parterre-Zwischennutzung lehnte das Stadtparlament im vergangenen Dezember ab. Für die Initiantin war das ein «heftiger Dämpfer», doch die Konzerte sind im Obergeschoss geplant, weshalb das Festival dadurch nicht infrage gestellt wurde.
Programm und Formate
Die zweite Auflage läuft über eine Woche, beginnt am kommenden Montag und endet eine Woche später. Die 25 Veranstaltungen decken ein breites Spektrum ab: Matineen, After-Work- und Abendkonzerte, szenische Auftritte sowie Kreativformate.
- Musik: Werke von Manuel de Falla (150. Geburtstag wird thematisiert), Flamenco, Tango, Jazz und Volksmusik
- Theater: unter anderem das Theaterlabor «Im Flow sein» der Schauspielerin Boglarka Horvath
- Bildungs- und Familienformate: Singworkshop und ein Kinderkonzert im Stadtpark
Die Vielfalt ist bewusst gewählt; das Motto lautet «Panta Rhei» – «alles fliesst». Damit greift das Programm den Wandelgedanken auf, der sowohl die Musikprogramme als auch die Nutzung des Waaghauses thematisiert.
Waaghaus: Ort im Wandel
Das Waaghaus spielt als Veranstaltungsort eine zentrale Rolle. Im letzten Sommer hatte die Stadt das Parterre des historischen Gebäudes für eine Zwischennutzung geöffnet. Die erneute Öffnung für eine Fortsetzung dieser Zwischennutzung scheiterte jedoch am Stadtparlament. Die Entscheidung hat Einfluss auf die längerfristige Perspektive des Hauses, nicht aber auf die unmittelbare Durchführung des Festivals im Obergeschoss.
Finanzierung und Organisation
Die Finanzierung des Festivals stellte sich laut Bericht lange als offen dar. Konkrete Zahlen oder Geldgeber wurden bislang nicht kommuniziert. Neff-Zhunke blieb dennoch an der Umsetzung interessiert und nutzte das positive Echo aus dem Publikum als Antrieb, die zweite Ausgabe zu realisieren.
Bedeutung für die lokale Kulturszene
Für St. Gallen bedeutet die Fortsetzung von «Waaghaus wagt» eine zusätzliche Belebung des Stadtzentrums abseits etablierter Spielstätten. Das Festival setzt bewusst auf Durchmischung verschiedener Genres und Formate, was neue Publikumsschichten ansprechen kann. Insbesondere die Kombination aus klassischer Musik, Flamenco, Tango, Jazz und szenischen Formaten zeigt, dass lokale Initiativen Räume für experimentelle und grenzüberschreitende Kultur schaffen können.
Praktische Hinweise
Die Veranstaltungen finden hauptsächlich im historischen Gebäude am Bohl statt; ein Kinderkonzert ist als Open-Air-Format im Stadtpark geplant. Weitere Angaben zu einzelnen Konzerten, Uhrzeiten und Billetten sind noch nicht umfassend publiziert worden. Besucherinnen und Besucher sollten die offiziellen Ankündigungen verfolgen, da Programmdetails kurzfristig ergänzt werden können.
| Fakten | Angaben |
|---|---|
| Festival | «Waaghaus wagt» (2. Ausgabe) |
| Dauer | 1 Woche (Start: kommender Montag) |
| Anzahl Veranstaltungen | 25 |
| Schwerpunkt | Spanien / Manuel de Falla, Flamenco, Tango |
Die Fortsetzung des Festivals zeigt, wie lokale Kulturprojekte trotz politischer und administrativer Hürden Bestand haben können. Ob das Waaghaus langfristig offenere Nutzungsformen behält, bleibt offen; vorerst bietet das Festival der St. Galler Kulturszene einen Anlass zur Begegnung und zum Austausch.