Der öffentliche Verkehr im Kanton Thurgau hat im vergangenen Jahr einen wichtigen Meilenstein erreicht: Der Kostendeckungsgrad kletterte auf 50,5 Prozent. Zugleich nutzten rund 24 Millionen Personen die Angebote in Zügen, Bussen und Fähren — ein Anstieg um 2 Prozent gegenüber 2024.
Mehr Fahrleistung und bessere Wirtschaftlichkeit
Wie die kantonale Abteilung für Öffentlichen Verkehr mitteilte, stiegen die zurückgelegten Personenkilometer um 3 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2019 verbesserte sich die Wirtschaftlichkeit um 7,2 Prozentpunkte. Gleichzeitig blieb die Abgeltung durch die öffentliche Hand über diesen Zeitraum stabil, trotz eines Angebotszuwachs von 10 Prozent.
Diese Zahlen zeigen, dass sich die gefahrenen Mehrleistungen nicht eins zu eins in höheren Subventionen niederschlugen. Vielmehr trugen die zusätzlichen Fahrgäste und die gestiegenen Personenkilometer dazu bei, den Anteil der Einnahmen an den Gesamtkosten zu erhöhen.
Ausbau im Abend- und Nachtverkehr
Der Ausbau des Angebots 2025 betraf vor allem den Abend‑ und Nachtverkehr. Auf mehreren S‑Bahnlinien wurden zusätzliche Spätkurse eingeführt. Betroffen waren insbesondere die Linien S1, S7, S10 und S44. Zudem wurde das Nachtnetz auf mehreren Bus‑ und Bahnlinien erweitert. Diese Massnahmen dürften einen Teil des Fahrgastzuwachses erklären, weil sie neue Verbindungen und bessere Rückkehrmöglichkeiten in den späteren Abendstunden schaffen.
Was die Zahlen konkret sagen
Die wichtigsten Kennzahlen in der Übersicht:
- Kostendeckungsgrad: 50,5 Prozent
- Fahrgäste: 24 Millionen (plus 2 Prozent gegenüber 2024)
- Personenkilometer: plus 3 Prozent
- Wirtschaftlichkeit versus 2019: Verbesserung um 7,2 Prozentpunkte
- Angebotssteigerung seit 2019: plus 10 Prozent (Abgeltung stabil)
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Kostendeckungsgrad | 50,5 % |
| Fahrgäste | 24 Mio. |
| Personenkilometer | +3 % |
| Wirtschaftlichkeit vs. 2019 | +7,2 Prozentpunkte |
| Angebotssteigerung | +10 % (Abgeltung stabil) |
Bedeutung für Pendlerinnen und Gemeinden
Für Pendlerinnen und Pendler bedeutet die Angebotsausweitung konkret mehr Verbindungen in den späten Abendstunden und bessere Anschlüsse im Nachtverkehr. Das kann mehr Flexibilität für Abendjobs, Kultur‑ und Freizeitaktivitäten oder späte Anschlüsse an Fernverbindungen bringen. Für Gemeinden und die kantonale Planung zeigt die Entwicklung, dass Investitionen in das Angebot mit steigender Nachfrage unterlegt sind.
Finanzielle Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll
Obwohl der Kostendeckungsgrad nun über der 50‑Prozent‑Marke liegt, bleibt die Finanzierung des ÖV eine Herausforderung. Die Abgeltungen der öffentlichen Hand seien stabil geblieben, heisst es in der Mitteilung — eine Situation, die bei weiterem Angebotserweiterungsbedarf und steigenden Kosten Druck auf Budget‑ und Vertragsverhandlungen bringen kann. Nachhaltige Lösungen erfordern deshalb langfristige Abstimmungen zwischen Kanton, Gemeinden und Verkehrsunternehmen.
Ausblick und weitere Fragen
Die Zahlen geben einen positiven Gesamteindruck, werfen aber auch Fragen auf: Wie nachhaltig sind die zusätzlichen Fahrgastzahlen? Welche Effekte haben individuelle Massnahmen im Nachtnetz auf die Auslastung gesamthaft? Und wie werden künftige Angebotsausweitungen finanziert, falls die Abgeltung auf gleichem Niveau bleibt?
Der Kanton dürfte diese Punkte in den kommenden Monaten weiter verfolgen und in den Dialog mit den Verkehrsunternehmen treten. Für die Nutzerinnen und Nutzer bleibt wichtig: Fahrplanänderungen und verbesserte Nachtverbindungen bieten unmittelbaren Mehrwert, die langfristige Finanzierbarkeit muss jedoch weiterhin im Auge behalten werden.
Aus der regionalen Perspektive zwischen Obstgärten und Bodensee zeigt sich: Ein dichter und verlässlicher öffentlicher Verkehr ist nicht nur Mobilitätsangebot, sondern auch Beitrag zur Lebensqualität im Thurgau. Die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, dass dieses Angebot vermehrt genutzt wird — ein Anreiz für Politik und Verkehrsbranche, den Kurs zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.