Die Stadt St.Gallen lässt prüfen, ob die Jugendherberge der Stadt in die Obergeschosse des historischen Volksbads an der Volksbadstrasse 6 verlegt werden kann. Der Stadtrat hat diese Absicht in der Antwort auf einen Vorstoss des SP-Stadtparlamentariers Gallus Hufenus bestätigt. Ziel ist es, mögliche Synergien zu nutzen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des seit 1906 bestehenden Hallenbads zu verbessern.
Raumplanung und Partnerschaft
Im Fokus steht eine neue Nutzung der bislang als Wohnungen genutzten Obergeschosse des denkmalgeschützten Gebäudes. Die Stadt prüft zusammen mit der Schweizerischen Stiftung für Sozialtourismus, ob Teile der Infrastruktur künftig gemeinsam genutzt werden können. Eine Partnerorganisation könnte sich an den Betriebskosten beteiligen und dadurch die Belastung für die Gemeinde reduzieren.
Der heute an der Jüchstrasse gelegene Standort der St.Galler Jugendherberge erfülle längerfristig die baulichen und betrieblichen Anforderungen nicht mehr, hält der Stadtrat fest. Eine Weiterführung am bisherigen Ort komme deshalb nicht infrage. Bereits im Mai hatten die Schweizer Jugendherbergen eine Machbarkeitsstudie angekündigt; die Stadtangaben konkretisieren nun die Absichten.
Historisches Gebäude in schwierigem Zustand
Das Volksbad wurde 1906 eröffnet und gilt als das älteste noch in Betrieb stehende Hallenbad der Schweiz. Laut Stadtrat ist das Gebäude jedoch stark sanierungsbedürftig. Weitere provisorische Reparaturen seien nicht mehr möglich. Eine umfassende Sanierung würde erhebliche Kosten verursachen und sei nur im Rahmen einer Gesamterneuerung sinnvoll.
Trotz der neuen Prüfung hält der Stadtrat an seinem bisherigen Kurs fest: Den Badebetrieb in der heutigen Form will die Stadt nach der Wiedereröffnung des erweiterten Hallenbads Blumenwies einstellen. Das bedeutet, dass die Prüfung einer Jugendherberge keine Entwarnung für den Bestand des Volksbads im bisherigen Betrieb darstellt.
Was die Kombination bringen könnte
Die Stadt nennt mögliche Vorteile einer kombinierten Nutzung:
- Geteilte Infrastruktur- und Betriebskosten zwischen Bad und Herberge
- Höhere Auslastung und zusätzliche Einnahmequellen für das Gebäude
- Belebung der Anlage durch Übernachtungsgäste und damit verbundene Nutzungen
Konkrete Kostenschätzungen oder einen Zeitplan für die Umsetzung nennt die Stadt in der Antwort auf den Vorstoss nicht. Die Prüfung befinde sich in einer Abklärungsphase gemeinsam mit der Stiftung für Sozialtourismus.
Offene Fragen und kommunale Verantwortung
Mehrere Fragen bleiben offen: Wie hoch wären die notwendigen Investitionen für die Umbauten im denkmalgeschützten Gebäude? In welchem Umfang würde die Jugendherberge in die vorhandenen Wohnungen eingreifen? Und welche Auflagen entstehen aus dem Denkmalschutz? Solche Detailfragen müssen in weiteren Abklärungen geklärt werden.
Für die Stadt stellt sich zudem die politische Frage, wie sie mit einem öffentlich wichtigen Kulturobjekt umgeht, dessen Betrieb nicht mehr ohne erhebliche Investitionen aufrechterhalten werden kann. Eine Neuverwendung, die das Gebäude stärkt und gleichzeitig bezahlbare Übernachtungsangebote sichert, wäre eine mögliche Lösung, wirft aber auch Fragen zur Wahrung des Baudenkmals und zur Erreichung sozialer Ziele auf.
Kurzer Überblick
| Aspekt | Status |
|---|---|
| Gebäude | Volksbad, Volksbadstrasse 6, denkmalgeschuetzt, Baujahr 1906 |
| Momentane Nutzung | Hallenbad mit Obergeschoss-Wohnungen |
| Geplante Prüfung | Unterbringung der Jugendherberge in den Obergeschossen |
| Partner | Schweizerische Stiftung für Sozialtourismus, Schweizer Jugendherbergen |
| Stadtliche Linie | Badebetrieb in heutiger Form soll nach Wiedereröffnung Blumenwies eingestellt werden |
Die Prüfung ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Stadt alternative Nutzungsszenarien für das Volksbad ernsthaft erwägt. Ob daraus eine konkrete Lösung entsteht, hängt von den Ergebnissen der Machbarkeitsstudien, der finanziellen Tragbarkeit und den Vorgaben des Denkmalschutzes ab. Die Debatte zeigt aber auch, wie Kommunen in der Ostschweiz mit historischer Bausubstanz, knappen Mitteln und dem Wunsch nach sozialverträglichen Angeboten umgehen müssen.
Die Stadtparlamentarier und Interessenvertreter dürften die laufenden Abklärungen aufmerksam verfolgen. Weitere Schritte werden kommuniziert, sobald die Untersuchungsergebnisse vorliegen.