Der Kanton St.Gallen will die frühe Förderung von Vorschulkindern gesetzlich stärken. Im Zentrum steht eine obligatorische Sprachstandserhebung vor dem Schuleintritt. Die Fachstelle Spielgruppen St.Gallen / Appenzell begrüsst dieses Anliegen grundsätzlich, warnt aber davor, die Massnahme zu eng zu fassen.
Erster Schritt, aber nicht ausreichend
Die Fachstelle bezeichnet die geplante Sprachstandserhebung als wichtigen ersten Schritt, um Unterstützungsbedarf bei Kindern frühzeitig zu erkennen. Zugleich kritisiert sie, dass der ursprünglich vorgesehene obligatorische persönliche Erstkontakt mit allen Familien nicht weiterverfolgt worden ist. Ein solcher Erstkontakt hätte sich nach Ansicht der Fachstelle besser dafür geeignet, neben der Sprache auch die soziale, emotionale und motorische Entwicklung der Kinder zu erfassen und die Eltern frühzeitig einzubinden.
Rolle der Spielgruppen betonen
Die Fachstelle macht deutlich, dass Spielgruppen als bestehende, lokal verankerte Struktur eine wichtige Rolle in der frühen Förderung spielen. Spielgruppen seien niederschwellig zugänglich und förderten Kinder ganzheitlich. Deshalb fordert die Fachstelle, dass diese Angebote konsequent einbezogen und genutzt werden, wenn bei der Erhebung Unterstützungsbedarf festgestellt wird.
- Spielgruppen sind lokal verankert und leicht zugänglich.
- Sie fördern nicht nur Sprache, sondern auch soziale und motorische Entwicklung.
- Die Fachstelle fordert, dass bei Bedarf passende Angebote verfügbar gemacht werden.
Was genau geplant ist
Gemäss den vorliegenden Angaben soll der Kanton den Fokus der gesetzlichen Regelung auf die Sprachkompetenzen vor dem Schuleintritt legen. Gemeinden sollen künftig bei Bedarf verpflichtend Fördermassnahmen für Eltern und Kinder anordnen können. Anstelle eines obligatorischen Erstkontakts ist vorgesehen, den Sprachstand der Kinder zunächst mittels eines Elternfragebogens zu erheben. Nur bei Zweifeln an den Angaben soll eine Fachperson den tatsächlichen Förderbedarf überprüfen.
| Geplante Massnahme | Kerndetail |
|---|---|
| Sprachstandserhebung | Obligatorisch vor Schuleintritt; Erhebung primär via Elternfragebogen |
| Erstkontakt | Wurde als obligatorische persönliche Begegnung für alle Familien verworfen |
| Folgemassnahmen | Gemeinden können Fördermassnahmen verpflichtend anordnen |
Forderung nach ganzheitlicher Sichtweise
Die Fachstelle betont, dass frühe Förderung nicht nur die Sprache betreffen dürfe. Sie spricht sich für eine umfassende Sicht auf das Kind aus, die soziale, emotionale und motorische Aspekte einbezieht. Entscheidend sei, dass die Erhebung von Förderbedarf nicht isoliert bleibe, sondern in ein Netz von Angeboten münde, die rasch und niedrigschwellig verfügbar sind.
Praktische Konsequenzen für Gemeinden und Eltern
Für Gemeinden bedeutet die Vorlage, dass sie künftig möglicherweise verbindliche Fördermassnahmen anordnen können. Die Fachstelle weist darauf hin, dass dies nur sinnvoll ist, wenn die entsprechenden Angebote vorhanden und für Familien erreichbar sind. Für Eltern bringt die angekündigte Lösung eine stärkere Rolle im Diagnoseprozess: Der erste Schritt zur Einschätzung des Sprachstandes erfolgt über einen Fragebogen, den sie ausfüllen sollen. Nur bei Unsicherheiten wird eine Fachperson aktiv.
Die Fachstelle kritisiert, dass ohne persönlichen Erstkontakt wichtige Informationen verloren gehen könnten. Ein persönlicher Austausch hätte nicht nur die Fachlichkeit erhöht, sondern auch Vertrauen geschaffen und die Elternbeteiligung von Anfang an gestärkt.
Kantonsrat behandelt Vorlage
Der Kantonsrat wird die Vorlage zur frühen Förderung in der Herbstsession 2026 erneut beraten. Die Fachstelle Spielgruppen St.Gallen / Appenzell ruft die politischen Akteure dazu auf, die bestehenden Strukturen einzubeziehen und die Förderung breit zu denken, damit die Massnahmen tatsächlich Wirkung entfalten können.
Die Debatte im Kantonsrat entscheidet darüber, in welchem Umfang Gemeinden künftig intervenieren dürfen und wie die praktische Umsetzung der Sprachstandserhebung ausgestaltet wird. Die Fachstelle fordert, dass der Übergang von Diagnose zu Angebot klar geregelt ist und dass Spielgruppen als Partner in der Begleitung von Familien anerkannt und finanziell wie organisatorisch unterstützt werden.
Die geplante Gesetzesänderung löst damit eine wichtige Diskussion im Kanton aus: Wie kann frühe Förderung effizient, kindorientiert und sozial verträglich gestaltet werden? Die Fachstelle Spielgruppen fordert eine Antwort, die das ganze Kind in den Mittelpunkt stellt und auf vorhandene, bewährte Angebote setzt.