In Wittenbach kehrt Leben in das ehemalige Schulhaus auf dem Dorfhügel zurück: Seit Beginn des Schuljahres 2026/27 steht das sogenannte gelbe Schulhaus Dorf wieder für den Unterricht zur Verfügung. Die Gemeinde reagiert damit auf eine anhaltend steigende Zahl von Schülerinnen und Schülern in der Primarstufe, die die Kapazitäten der bestehenden Standorte überschreitet.
Kapazitätsengpässe treiben Reaktivierung
Als 2020 die neue Schulanlage Sonnenrain bezogen wurde, war das gelbe Schulhaus vorerst nicht mehr als Schulstandort vorgesehen. Seither nutzten Vereine und verschiedene Gruppierungen die Räume temporär. Nun wurden die Instandstellungsarbeiten abgeschlossen, und das Gebäude dient wieder dem regulären Schulbetrieb.
Die drei Primarschulstandorte Sonnenrain, Kronbühl und Steig stossen an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Gemeinde rechnet bis 2030 mit rund 150 bis 200 zusätzlichen Kindern im Primarschulalter. Die Wiederinbetriebnahme des gelben Schulhauses schafft zeitnah dringend benötigten Raum.
Ausstattung und zusätzlicher Raum
Mit der Reaktivierung stehen der Primarschule vier zusätzliche Klassenzimmer zur Verfügung. Darüber hinaus wurden weitere Räume geschaffen beziehungsweise instand gestellt, darunter:
- ein Werkraum
- ein Teamzimmer
- eine Aula
- Garderoben
- ein Pausenplatz
Die durchgeführten Arbeiten umfassten vor allem Maler- und kleinere Instandstellungsarbeiten, Anpassungen am Spielplatz sowie die Möblierung der Räume. Die Massnahmen zielten darauf ab, das Gebäude schnell, aber ordentlich wieder in den Schulbetrieb zu überführen.
Finanzierung und Entscheidung der Bürgerschaft
Die Wittenbacher Bürgerschaft bewilligte im November 2025 einstimmig einen Investitionskredit in der Höhe von CHF 690'000 für die Wiederinbetriebnahme. Die Summe deckte die angesprochenen Instandstellungsarbeiten und die Möblierung ab. Damit trug das Gemeindeparlament der Dringlichkeit Rechnung und ermöglichte eine rasche Umsetzung.
Übergangslösung mit Blick auf Langfristplanung
Die Gemeinde betont, dass die Wiedereröffnung als Übergangslösung gedacht ist. Im Rahmen der strategischen Schulraumplanung muss Wittenbach nun klären, wie der zusätzliche Platzbedarf mittel- bis langfristig gedeckt werden soll. Entscheidend werden dabei Prognosen zur demografischen Entwicklung, Baulandverfügbarkeit und die Kosten für mögliche Erweiterungen oder Neubauten sein.
Die Reaktivierung schafft kurzfristig Entlastung, ersetzt aber nicht die strategische Frage, wie eine nachhaltige Schulinfrastruktur für das prognostizierte Wachstum aussehen kann. Die Gemeinde wird diese Themen in den kommenden Planungsrunden behandeln müssen.
Auswirkungen für Familien und Vereine
Für Eltern bedeutet die zusätzliche Kapazität vorerst mehr Sicherheit bei Schulplätzen in der Nähe des Wohnorts. Vereine, die das Schulhaus in den vergangenen Jahren genutzt hatten, mussten ihre Raumnutzung anpassen. Ob und wie diese Gruppierungen künftig wieder Zugang zu Teilen der Anlage erhalten, wird von der Schulleitung und der Gemeinde geregelt werden.
Einordnung in den regionalen Kontext
Die Entwicklung in Wittenbach ist kein Einzelfall: Gemeinden in der Ostschweiz beobachten veränderte Zuwanderungs- und Geburtenmuster, die lokal unterschiedliche Auswirkungen auf die Schulinfrastruktur haben. Kurzfristige Lösungen wie die Reaktivierung bestehender Gebäude bieten schnellen Platzgewinn, lassen aber die Frage offen, ob sie für die längerfristigen Bedürfnisse ausreichen.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Investitionskredit | CHF 690'000 |
| Zusätzliche Klassenzimmer | 4 |
| Prognostizierte zusätzliche Kinder bis 2030 | 150–200 |
Die kurzfristige Lösung verringert akuten Druck, gleichzeitig erhöht sie die Notwendigkeit, rasch tragfähige Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Die kommenden Monate und die strategische Schulraumplanung werden zeigen, welche Schritte Wittenbach als Nächstes unternimmt, um den wachsenden Bedarf an Schulraum dauerhaft zu decken.