Verkehr Sion Wallis (VS)

Schienengüterverkehr wächst, verliert aber Marktanteile: Auswirkungen auf die Alpentransitroute

Trotz eines Zuwachses beim Bahntransport im ersten Halbjahr 2026 sank der Anteil der Schiene am alpenquerenden Güterverkehr leicht. Baustellen, vor allem in Deutschland, bremsen die Nord‑Süd‑Achse; der Strassenverkehr wächst stärker.

Schienengüterverkehr wächst, verliert aber Marktanteile: Auswirkungen auf die Alpentransitroute
©Illustration KI Céline Bonvin / we-news.com

Die Bahn hat im ersten Halbjahr 2026 zwar mehr Güter durch die Alpen transportiert als im Vorjahr, doch die Schiene verliert Marktanteile an die Strasse. Das geht aus den Semesterberichten des Bundesamts für Verkehr (BAV) zu den alpenquerenden Verkehrsströmen und dem Binnen‑ bzw. internationalen Schienengüterverkehr hervor. Für das Wallis, als Transitkanton auf der Nord‑Süd‑Achse, bedeuten diese Entwicklungen konkrete Folgen für Logistik, Strassenbelastung und künftige Infrastrukturplanung.

Wachstum auf beiden Achsen — Strasse stärker

Im ersten Halbjahr 2026 stieg die Menge der alpenquerenden Güter auf der Schiene um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig nahm die Zahl der Lastwagenfahrten durch die Alpen deutlich zu: Rund 7 Prozent mehr Fahrten führten zu 511'000 registrierten Lkw‑Durchfahrten in dieser Periode. Der Anteil der Bahn am gesamten alpenquerenden Güterverkehr liegt neu bei 68 Prozent, das sind 0,9 Prozentpunkte weniger als im ersten Semester 2025.

Warum verliert die Schiene Marktanteile?

Ein wesentlicher Grund sind die zahlreichen Baustellen entlang der Nord‑Süd‑Achse, insbesondere in Deutschland. Diese Arbeiten beeinträchtigen die Kapazitäten und Zuverlässigkeit des Schienengüterverkehrs und führen zu Verschiebungen zugunsten der Strasse. Das BAV schreibt, dass sich eine nennenswerte Entspannung bei den Baustellen erst ab rund 2030 abzeichne.

Hinzu kommt, dass die positive Wirtschaftsentwicklung insgesamt den Güterverkehr beflügelt hat. Weil die Strasse flexibler auf kurzfristige Nachfrageschwankungen reagieren kann, fiel ihr Wachstum stärker aus als jenes der Bahn.

Einzelwagenladungsverkehr unter Druck

Der Einzelwagenladungsverkehr (EWLV), ein wichtiger Bestandteil des flächendeckenden Schienengüterverkehrs für Binnen-, Import‑ und Exportverkehre, verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Rückgang. Die Anzahl beladener Wagen nahm um 8 Prozent ab. Der Bund unterstützt den EWLV seit Anfang dieses Jahres finanziell, um eine Modernisierung zu ermöglichen und den Verkehr mittelfristig in Richtung Eigenwirtschaftlichkeit zurückzuführen. Das BAV berichtet nun halbjährlich über die Entwicklung dieses Sektors im Rahmen der Förderung.

Indikator Erstes Halbjahr 2026 Veränderung ggü. Vorjahr
Wachstum Schienengüterverkehr (Alpen) +3,1 %
Anteil Bahn am alpenquerenden Güterverkehr 68 % -0,9 Prozentpunkte
Lastwagenfahrten durch die Alpen 511'000 Fahrten +7 %
Beladene Wagen im EWLV -8 %

Bundesrat und BAV reagieren

Der Bundesrat adressiert die Entwicklung in der laufenden Revision des Güterverkehrsgesetzes. Er sieht zusätzliche finanzielle Mittel für den Schienengüterverkehr durch die Alpen vor, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene zu stärken, insbesondere in Phasen, in denen Bauarbeiten die Kapazität verringern. Für den EWLV hat der Bund bereits Fördermittel gesprochen, um Modernisierungen zu ermöglichen.

  • Die Strasse wächst schneller als die Schiene; das drückt den Bahnanteil.
  • Baustellen, vor allem in Deutschland, sind kurzfristig der limitierende Faktor für die Schiene.
  • Politische Massnahmen zielen auf zusätzliche Gelder und Fördern des EWLV.

Konsequenzen fürs Wallis

Für den Kanton Wallis hat die Entwicklung greifbare Auswirkungen: Mehr Lkw‑Verkehr belastet Strassen, Umwelt und Anwohner entlang der Transitachsen stärker und erhöht den Bedarf an Unterhalts‑ und Sicherheitsmassnahmen. Gleichzeitig bedeutet ein schrumpfender EWLV für regionale Verlader und industrielle Kunden mögliche logistische Nachteile, wenn Wagenladungen seltener zugestellt oder abgeholt werden.

Langfristig bleibt die Schiene auf der Alpentransitachse dominierend, doch die aktuellen Zahlen zeigen, wie empfindlich dieser Vorsprung gegenüber infrastrukturellen Störungen ist. Die angekündigten Mittel des Bundes sind ein Schritt, die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, doch erst die Fortschritte bei den Bauarbeiten und eine nachhaltige Entlastung der Nord‑Süd‑Achse werden über Jahre hinweg den Modal Split stabilisieren.

Die Halbjahresberichte des BAV bieten Behörden, Wirtschaft und Öffentlichkeit die Grundlage für Diskussionen über Prioritäten in Infrastrukturprojekten und Förderprogrammen. Für das Wallis bleibt zentral, die Balance zwischen Transitinteressen, regionalen Bedürfnissen und Umweltschutz zu wahren.

Quellen: Halbjahresberichte des Bundesamts für Verkehr (BAV).

Céline Bonvin
Céline KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Wallis – WE NEWS online

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