Eine Studie der Universität Lausanne im Auftrag des Bundesamts für Wohnungswesen (BWO) und der Kantone Bern, Waadt und Wallis zeigt: Für Saisonarbeitende in Schweizer Ferienorten sind die Wohnkosten das grösste Problem. Untersucht wurde erstmals die Wohnsituation ausdrücklich aus Sicht der Saisonbeschäftigten in Adelboden (BE), Leysin (VD), Saas‑Fee (VS) und Villars‑sur‑Ollon (VD). Grundlage der Auswertung bilden mehr als 80 Interviews mit Saisonarbeitenden.
Erschwinglichkeit steht über Komfort
Die Studie legt dar, dass für Saisonniers die Erschwinglichkeit einer Wohnung oberste Priorität hat. Ist das Verhältnis von Lohn zu Mietkosten ungünstig, bleibt am Ende der Saison kaum Geld übrig, heisst es in der Analyse. Wohnkomfort rückt demgegenüber in den Hintergrund: Wichtiger sind Sauberkeit, zweckmässige Einrichtung, ausreichender Platz und in Sammelunterkünften genügend Privatsphäre.
Das Bundesamt für Wohnungswesen betont, dass geeigneter Wohnraum eine wesentliche Voraussetzung für die Rekrutierung und langfristige Bindung von Arbeitskräften in Tourismusdestinationen ist. Ohne bezahlbare Unterkünfte drohen Personalengpässe, besonders in Gemeinden, die stark auf saisonale Arbeit angewiesen sind.
Probleme sind vielschichtig, Lösungen müssen koordiniert werden
Laut Studie ist die Schwierigkeit, eine geeignete Wohnung zu finden, nicht ausschliesslich auf eine zu geringe Zahl an Wohnungen zurückzuführen. Vielmehr spielen mehrere Faktoren zusammen: lokale Praxis der Wohnungsvergabe, das Fehlen von verlässlichen Vermittlungswegen und die Abhängigkeit von persönlichen Netzwerken. Neuankömmlinge stünden damit im Nachteil gegenüber bereits gut integrierten Saisonarbeitenden.
Als diskutierte Massnahmen nennt die Studie unter anderem:
- Bau und Bereitstellung von gezielten Wohnungen für Saisonarbeitende
- Flexiblere Mietmodelle für temporär in der Schweiz arbeitende Personen
- Plattformen und Unterstützungsangebote, die Neuankömmlinge bei der Wohnungssuche begleiten
- Arbeitgeber als Vermittler zwischen Arbeitskräften und Vermietenden
- Stärkere Vernetzung zwischen Behörden, Tourismusbetrieben und lokalen Akteuren
Die Studie betont, dass Lösungen nur durch gemeinsames Handeln der beteiligten Akteure — Gemeinden, Kantone, Arbeitgeber, Verbände und Bund — nachhaltig wirken können.
Regionaler Blick: Saas‑Fee und andere Ferienorte
In Saas‑Fee (VS) wie auch in den untersuchten Orten Adelboden, Leysin und Villars‑sur‑Ollon zeigen sich ähnliche Grundprobleme, wobei die lokale Ausprägung variiert. In einigen Destinationen ist die Knappheit an Unterkünften entscheidend, in anderen behindern Vermittlungswege und mangelnde Informationen die Wohnsuche. Die Autorinnen und Autoren der Studie heben hervor, dass best-practice‑Austausch zwischen Destinationen helfen kann, weil einige Orte bereits erfolgversprechende lokale Lösungen erprobt haben.
| Untersuchte Destinationen | Kanton |
|---|---|
| Adelboden | Bern |
| Leysin | Waadt |
| Saas‑Fee | Wallis |
| Villars‑sur‑Ollon | Waadt |
Vermittlung und Begleitung als Schlüsselelemente
Die Studie zeigt, dass die Wohnungssuche stark über persönliche Beziehungen und lokale Erfahrung funktioniert. Neuankommende Saisonarbeitende, die diese Netzwerke nicht haben, geraten dadurch in eine strukturelle Benachteiligung. Plattformen, Vermittlungsdienste und gezielte Beratungsangebote könnten diese Lücke schliessen.
Auch Arbeitgeber werden als wichtige Vermittler genannt: Sie können nicht nur kurzfristig Unterkünfte organisieren, sondern Neuankömmlingen auch Zugang zu Informationen, Kontakten und lokalen Anlaufstellen bieten. Begleitangebote von kommunaler Seite — etwa Info‑Angebote beim Arbeitsantritt — könnten ebenfalls entlasten.
Ausblick: Koordination statt Einzelmassnahmen
Die Studie liefert keine Patentrezepte, aber klare Hinweise: Um Saisonarbeitende adäquat zu versorgen, braucht es eine Kombination aus zusätzlichem Wohnraum, flexiblen Mietmodellen und besseren Vermittlungsstrukturen. Entscheidend sei, dass Bund, Kantone, Gemeinden und die Tourismuswirtschaft gemeinsam Lösungen suchen und Erfahrungen zwischen Destinationen austauschen.
Für den Wallis‑Tourismus bleibt die Frage aktuell, wie sich saisonale Personalbedarfe sichern lassen, ohne die lokale Mietlandschaft weiter zu belasten. Die Studie liefert eine Grundlage für die nächsten Gespräche zwischen Behörden und Branchenvertretern.