Am Donnerstag, 10. September 2026, haben die Verantwortlichen beim Neubau der Nationalstrasse A8 einen wichtigen Baufortschritt vermeldet: Um 11 Uhr erfolgte der offizielle Durchschlag des Tunnels Kaiserstuhl zwischen Giswil und Lungern. Damit sind die Vortriebsarbeiten des rund zwei Kilometer langen Bauwerks abgeschlossen.
Vortrieb von Norden und Süden: unterschiedliche geologische Bedingungen
Die Arbeiten hatten im Juli 2024 begonnen. Die Mineure trieben den Tunnel vornehmlich im Sprengvortrieb voran. Vom Norden aus erzielten sie auf gut zwei Dritteln der Strecke konstante Wochenvortriebsleistungen von rund 30 Metern, weil sich der Berg als «gutmütig» erwies.
«gutmütig»
Auf dem letzten Drittel des Vortriebs trafen die Teams auf anspruchsvollere Verhältnisse: Schichtungen im Kieselkalk und wiederkehrende Wassereintritte verlangsamten die Arbeiten und reduzierten die Vortriebsleistung. Vom Süden her mussten auf einer rund 200 Meter langen Strecke Lockergesteine ausgebrochen werden. Dank eines vorgängig erstellten Erkundungsstollens konnten die Ingenieure das Vortriebsverfahren anpassen.
Für den Abschnitt im Lockergestein setzten die Bauverantwortlichen sogenannte Jetting-Säulen ein: Dabei werden Zement und Lockergestein gemischt, um stabile Säulen zu erzeugen, die als Schutzschirm im Gewölbe dienen und einen sicheren Ausbruch ermöglichen. Dieser schwierige Teilabschnitt konnte im Frühjahr 2026 ohne grössere Probleme abgeschlossen werden.
Kosten, Länge und Technik
Der Tunnel wird in den Mitteilungen des Tiefbauamtes mit einem Volumen von rund 268 Millionen Franken (CHF) ausgewiesen. Angaben zur genauen Tunnelänge variieren leicht in den Berichten; als Richtwert wird meist von rund 2,0 bis 2,1 Kilometern gesprochen.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Durchschlag | 10. September 2026, 11:00 Uhr |
| Tunnellänge | Rund 2,0–2,1 km |
| Vortriebsbeginn | Juli 2024 |
| Finanzvolumen | 268 Mio. Fr. |
| Geplante Verkehrsübergabe | Dezember 2029 |
Bedeutung für die A8 und lokale Verkehrssicherheit
Das neue Teilstück zwischen Lungern und Giswil bildet den letzten Abschnitt der Nationalstrasse A8 zwischen Lopper und Lungern. Mit der Fertigstellung wird die Strecke deutlich weniger anfällig für Naturgefahren sein. Die A8 ist für Obwalden die wichtigste Strassenverbindung; wiederholte Sperrungen der Brünigstrasse zwischen Lungern und Giswil haben in der Vergangenheit die Verwundbarkeit der Route gezeigt.
Historische Ereignisse untermauern die Notwendigkeit der neuen Strecke:
- 1986: Bergsturz mit zwei Todesopfern
- 1999: Lawinen verschüttete die Verbindung zum Haslital
- 2005, 2007, 2011: Schuttmassen nach Hochwasser führten zu Strassensperrungen
Zusätzlich ist die vorhandene kurvenreiche Strecke immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle. Der Tunnel soll die Sicherheit für Verkehrsteilnehmende erhöhen und die Zuverlässigkeit der Verbindung verbessern.
Nächste Schritte und Zeitplan
Mit dem Durchschlag sind die Untertagarbeiten abgeschlossen. Bis zur Verkehrsübergabe bleibt jedoch noch umfangreiche Ausbauarbeit: Der Ausbau des Innenausbaus, die Installation der sicherheitsrelevanten Anlagen sowie die abschliessenden Fahrbahn- und Infrastrukturarbeiten dauern an. Die offizielle Inbetriebnahme des neuen A8-Abschnitts ist gemäss Mitteilung für den Dezember 2029 vorgesehen.
Die Verantwortlichen betonen, dass der Durchschlag ein zentraler Meilenstein sei, nicht aber das Ende der Bauarbeiten. In den kommenden Jahren stehen noch Arbeiten an, die für den sicheren Betrieb des Tunnels notwendig sind.
Was Autofahrende und Pendlerinnen wissen müssen
Bis zur Eröffnung im Jahr 2029 bleibt die alte Brünigstrasse in Betrieb, wobei weiterhin mit gelegentlichen Sperrungen und Verkehrseinschränkungen gerechnet werden muss, insbesondere bei Bauarbeiten an den Zufahrten und Anschlussbereichen. Sobald weitere Termine für Teilsperrungen, Umleitungen oder Informationsveranstaltungen bekanntgegeben werden, werden die kantonalen Stellen und das Tiefbauamt voraussichtlich informieren.
Der Durchschlag des Tunnels Kaiserstuhl markiert einen sichtbaren Fortschritt beim Ausbau der A8. Für den Kanton Obwalden bedeutet dies einen Schritt hin zu einer stabileren, sichereren und verlässlicheren Hauptverkehrsachse.