Die Stadt Luzern verzeichnet seit der Einführung einer Haltegebühr für Reisebusse im Jahr 2025 einen markanten Rückgang der Car-Anfahrten in der Innenstadt. Besonders deutlich ist das Minus am Schwanenplatz: Im Vergleich zu 2024 hat die Zahl der Cars dort laut städtischen Angaben inzwischen um 67 Prozent abgenommen. Auch am Löwenplatz stehen nun 51 Prozent weniger Busse als im Vorjahr.
Gebühr, Reservation und geopolitische Einflüsse
Die Massnahme, mit der die Stadt den Cartourismus steuern will, sieht vor, dass für kurzzeitige Halte am Schwanen-, Löwen- und Kasernenplatz neu eine Gebühr von 100 Franken erhoben wird. Aus- und Einsteigen ist weiterhin erlaubt; Parkieren ist jedoch nur auf den ausgewiesenen Parkplätzen Brüelmoos oder Rösslimatt in Kriens gestattet. Die Stadt zog bereits 2025 eine erste Zwischenbilanz: Damals sank die Zahl der Cars am Schwanenplatz um 56 Prozent.
Für den erneuten Rückgang 2026 macht die Stadt nicht nur die Gebühr verantwortlich. In der Mitteilung heisst es, auch der Konflikt im Iran habe indirekte Auswirkungen: Weniger Flüge über Drehkreuze wie Dubai oder Abu Dhabi führten zu einem Rückgang von Gästen aus bestimmten Staaten und damit zu weniger asiatischen Gruppenreisen. Trotz des Rückgangs bei den Car-Anfahrten stieg die Zahl der Logiernächte im ersten Halbjahr leicht um 0,8 Prozent dank Gäste aus Europa, den USA und dem Inland.
Reservierungen, Spitzen und Einnahmen
Die Nutzung des neuen Reservationssystems hat sich ebenfalls verändert: Im laufenden Jahr wurden bis zum 30. Juni durchschnittlich rund 50 Halteplätze pro Tag gebucht, im Vorjahr waren es noch 80 pro Tag. Am diesjährigen Spitzentag – dem 20. Juni – verzeichnete die Stadt 130 Buchungen (Vorjahr: 160 am 14. Juni).
| Ort | Rückgang gegenüber 2024 |
|---|---|
| Schwanenplatz | 67 % |
| Löwenplatz | 51 % |
Finanziell wies die Stadt für 2025 netto 1,2 Millionen Franken Einnahmen aus Haltegebühren aus. Für 2026 rechnet die Stadt mit tieferen Einnahmen, da die Anzahl Buchungen zurückgehe.
Bewertung und Ausblick
Die Stadt zieht eine positive Bilanz: Die Reduktion bei den Cars entspreche der städtischen „Vision Tourismus Luzern 2030“ und zeige, dass das System aus Gebühr und Reservation funktioniere. Auch Luzern Tourismus bestätigt, das Regime erziele:
«die gewünschte Wirkung»
Vor diesem Hintergrund plant die Stadt aktuell keine Verschärfung des Car-Regimes. Gleichwohl bedeutet die neue Lage für verschiedene Akteure Veränderungen: Verkehrsplaner sehen weniger städtische Belastung durch stehende Cars, Hotelierinnen und Hoteliers registrieren weiterhin stabile Logiernächte, und Anbieter für Busparkplätze ausserhalb der Altstadt sind stärker gefragt.
- Weniger Verkehr im Stadtzentrum: Kurzzeitstände von Reisebussen in der Altstadt haben deutlich abgenommen.
- Umschichtung der Parkierung: Cars werden vermehrt zu den Parkplätzen in Kriens geleitet.
- Finanzen: Einnahmen aus der Haltegebühr sanken im laufenden Jahr voraussichtlich gegenüber 2025.
Konsequenzen für Tourismus und lokale Akteure
Für lokale Gewerbebetriebe, die sich auf Tagesgäste eingestellt haben, bringt der Rückgang an Caranreisen unterschiedliche Effekte. Einerseits sinkt der unmittelbare Fussverkehr an bestimmten Hotspots; andererseits bleiben Übernachtungen stabil, sodass die wirtschaftliche Gesamtlage nicht automatisch verschlechtert ist. Für die Stadt bedeutet die neue Verteilung der Ankünfte eine Chance, den öffentlichen Raum lebenswerter zu gestalten und Konflikte zwischen touristischer Nutzung und Alltagsnutzern zu reduzieren.
Die Entwicklungen werden weiter beobachtet; die Stadt betont, dass das aktuelle Regime sowohl die Zielsetzungen der Tourismusstrategie wie auch die Bedürfnisse der Quartiere berücksichtigen solle. Weitere Anpassungen sind demnach prüfbar, sollten sich neue Trends oder unvorhergesehene Konsequenzen abzeichnen.
Für Besuchende gilt weiterhin: Wer einen Caraufenthalt in der Luzerner Altstadt plant, muss die Halteplätze reservieren und mit einer Gebühr von 100 Franken rechnen; zum Parkieren sind die offiziellen Plätze ausserhalb der Innenstadt zu nutzen.