In Luzern hat eine Online-Petition die Debatte um den Umgang mit verwilderten Tauben neu entfacht. Die Initiierten fordern von Stadtrat und Grossem Stadtrat die Einführung eines nachhaltigen, tierfreundlichen Systems nach dem sogenannten Augsburger Modell. Ziel sei, die Taubenpopulation langfristig zu regulieren, die Verschmutzung öffentlicher und privater Flächen zu reduzieren und gleichzeitig Tierwohl-Aspekte zu berücksichtigen.
Problem, Forderung und Modell
Die Petitionsverfasserinnen und -verfasser argumentieren, dass aktuelle Probleme – verstärkte Verschmutzung durch Taubenkot, hohe Reinigungs- und Unterhaltskosten sowie Tierleid – nicht als unvermeidbare Begleiterscheinung städtischen Lebens hingenommen werden müssten. Stattdessen solle Luzern auf ein erprobtes Konzept setzen, das in anderen europäischen Städten bereits Anwendung findet: das Augsburger Modell.
Das Augsburger Modell beruht auf der Idee, die Tauben durch betreute Nistplätze zu konzentrieren, dort gezielt die Reproduktion zu steuern (etwa durch Eierschutzmassnahmen) und so Populationen langfristig zu reduzieren, ohne massiven Abschuss oder krasse Vertreibungsmassnahmen. Die Petition nennt dieses Vorgehen eine Verbindung von Tierschutz, Sauberkeit und wirtschaftlicher Effizienz.
Warum es die Forderung gibt
Laut Petition betrifft die Situation in Luzern verschiedene Gruppen: Einwohnerinnen und Einwohner, Hauseigentümer sowie Gewerbebetriebe. Als unmittelbare Folgen werden hohe Reinigungsaufwände in öffentlichen Bereichen und an privaten Liegenschaften sowie gesundheitliche und ethische Bedenken angeführt. Die Verfasserinnen betonen, dass verwilderte Tauben in erster Linie Folge menschlicher Domestikation seien: Sie entstammten domestizierten oder Brieftaubenbeständen und würden heute im städtischen Raum mit einem starken Fortpflanzungstrieb leben.
"Wir fordern die Einführung eines nachhaltigen und humanen Systems der Stadttaubenregulierung nach dem Augsburger Modell."
Bestandszahlen und Kapazitäten
Die Petition nennt konkrete Zahlen: In Luzern leben den Behördenangaben zufolge rund 2’000 bis 3’000 verwilderte Tauben. Dem stehen derzeit nur knapp 180 Brutplätze in den zwei bestehenden Taubenschlägen gegenüber, weshalb die vorhandenen Einrichtungen die Population nicht ausreichend regulieren könnten.
| Angabe | Zahl |
|---|---|
| Geschätzte Anzahl verwilderter Tauben in Luzern | 2’000–3’000 |
| Vorhandene Nistplätze in Taubenschlägen | 180 |
Konkrete Forderungen der Petition
Die Online-Petition richtet sich direkt an den Stadtrat sowie an den Grossen Stadtrat und umfasst mehrere Forderungen, darunter die Einführung betreuter Taubenschläge nach dem Augsburger Modell sowie begleitende Massnahmen zur Information der Bevölkerung und zur koordinerten Umsetzung. Die Initianten betonen, dass die Lösung langfristig, nachhaltig und tiergerecht sein müsse.
- Einführung betreuter Taubenschläge nach dem Augsburger Modell
- Langfristige Reduktion der Taubenpopulation ohne Tötungsaktionen
- Massnahmen zur Reduktion von Futtermöglichkeiten in der Stadt
Diskussion um Tierwohl und Stadtbild
Die Petition bringt zwei Debattenstränge zusammen: den Schutz von Tieren und die Pflege des städtischen Raumes. Zwar stellen Tauben nach geltender Einschätzung kein übermässiges Gesundheitsrisiko gegenüber anderen Vogelarten dar, doch mangelhafte Ernährung, Krankheiten und Verunreinigungen führen oft zu Tierleid. Die Initianten sehen im Augsburger Modell eine Methode, die Populationen kontrollierbar zu machen und zugleich das Tierwohl zu verbessern.
Offene Fragen für die Stadt
Für die Luzerner Behörden ergeben sich daraus praktische und finanzielle Fragen: Wie viele betreute Nistplätze wären nötig, wie würde deren Betrieb organisatorisch und finanziell abgesichert, und welche gesetzlichen Grundlagen wären anzupassen? Die Petition bietet erste Grundlagen, nennt jedoch keine bezifferte Kostenplanung oder konkrete Standorte für zusätzliche Taubenschläge.
Wie weiter für die Bevölkerung
Wer die Petition unterstützen möchte, findet sie als Online-Initiative. Die Vorlage richtet sich formell an die städtischen Legislative und Exekutive. Für Anwohnende und Hausbesitzer bleibt zusätzlich relevant, das Anfüttern von Tauben zu vermeiden und gegebenenfalls mit der Stadtverwaltung Kontakt aufzunehmen, um lokale Probleme an Fassaden oder in Passagen zu melden.
Die Diskussion über Taubenregulierung ist ein Beispiel dafür, wie lokalpolitische Fragestellungen Tierwohl, Sauberkeit und städtische Planung verknüpfen. Ob Luzern dem Augsburger Modell folgt, hängt nun von der Resonanz in der Bevölkerung und von Entscheiden von Stadtrat und Grossem Stadtrat ab.