Die Vortriebsarbeiten im Tunnel Kaiserstuhl sind abgeschlossen: Rund zwei Jahre nach Beginn der Untertagarbeiten haben die Mineure am Donnerstag den Durchschlag gefeiert. Das neue Teilstück der A8 zwischen Lungern und Giswil ist 2,1 Kilometer lang und soll gemäss Mitteilung des Tiefbauamts im Dezember 2029 dem Verkehr übergeben werden.
Der Tunnel, dessen Baukosten mit 268 Millionen Franken angegeben werden, wurde sowohl von Norden als auch von Süden vorgetrieben. Im Norden erreichten die Vortriebsarbeiten zunächst Raten von rund 30 Metern pro Woche. Das Tiefbauamt charakterisierte den Fels dort als, in seinen Worten,
«gutmütig»
Im letzten Drittel des Tunnels erschwerten dagegen Kieselkalk und Wassereinbrüche die Arbeiten. Auf einer Strecke von rund 200 Metern im südlichen Vortrieb musste wegen Lockergesteins mit speziellen Massnahmen gearbeitet werden. Diese Probleme waren laut Mitteilung dank eines vorgängig erstellten Erkundungsstollens bekannt und konnten entsprechend adressiert werden.
Bedeutung für die A8 und regionale Sicherheit
Mit der Fertigstellung des Kaiserstuhl-Tunnels wird der letzte Abschnitt der Nationalstrasse zwischen Lopper und Lungern gebaut sein. Für den Kanton Obwalden hat die A8 grosse Bedeutung: Sie stellt die wichtigste Strassenverbindung dar und war in der Vergangenheit wiederholt von Naturereignissen betroffen. Die neue Strecke soll die Verbindung gegenüber Naturgefahren besser schützen und die Verkehrssicherheit erhöhen.
Die Brünigstrasse zwischen Lungern und Giswil war in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach unterbrochen. Beispiele aus der Historie, die das Risiko für die Verbindung illustrieren, sind:
- 1986: Bergsturz mit zwei Todesopfern
- 1999: Lawinenabgang, der die Verbindung nach Haslital verschüttete
- 2005, 2007, 2011: Schuttfracht nach Hochwassern
Die A8-Umfahrungen von Lungern und Giswil waren bereits 2012 beziehungsweise 2004 eröffnet worden. Mit dem Kaiserstuhl-Tunnel soll nun das letzte Glied der Sicherungs- und Ausbauarbeiten entlang dieser Achse geschaffen werden.
Technik, Herausforderungen, Arbeitsumfeld
Der Tunnel wurde zu einem grossen Teil aus dem Berg gesprengt. Aufgrund des Gefälles von 6,5 Prozent und der engen Radien war der Einsatz von Bohrmaschinen an einigen Stellen ungeeignet, weshalb konventionelle Sprengvortriebe zur Anwendung kamen. Die kombinierte Vorgehensweise – Vortrieb von beiden Seiten und der Einsatz eines Erkundungsstollens – half, schwierige Geologieabschnitte frühzeitig zu erkennen.
Beim Durchschlag stiegen die Mineure durch den ausgebrochenen Öffnungsschacht. Auf einem der Fotos, die bei der Feier kursierten, trugen sie ein Bild eines auf der Baustelle verstorbenen Arbeitskollegen bei sich; dies unterstreicht die persönlichen Aspekte der Arbeit unter Tage.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Länge | 2,1 km |
| Kosten | 268 Mio. Fr. |
| Geplante Eröffnung | Dezember 2029 |
| Gefälle | 6,5 % |
Ausblick und Bedeutung für Verkehrsteilnehmende
Die Inbetriebnahme des Kaiserstuhl-Tunnels wird die A8 stabiler gegenüber Naturereignissen machen und die Kontinuität der wichtigen Ost-West-Verbindung in der Region stärken. Für Pendlerinnen und Pendler sowie den regionalen Güterverkehr bedeutet dies langfristig weniger Unterbrüche und höhere Planungssicherheit.
Die Bauphase hat gezeigt, dass geologische Überraschungen – Kieselkalk, Wassereinbrüche, Lockergestein – den Bauzeitplan beeinflussen können. Dank vorgängiger Erkundungen liessen sich jedoch angemessene Massnahmen planen und umsetzen, so dass der Vortrieb erfolgreich abgeschlossen werden konnte.
Weitere Details zu den nächsten Schritten – etwa Ausrüstung, Innenausbau des Tunnels, Verkehrskonzept für die Inbetriebnahme oder Sicherheitsausrüstungen – nennt die Mitteilung des Tiefbauamts nicht im Detail. Die geplante Übergabe an den Verkehr bleibt auf Dezember 2029 terminiert.
Für Verkehrsteilnehmende und Anwohnende bleibt wichtig, die weiteren Kommunikation der Bauherrschaften zu verfolgen, insbesondere zu temporären Arbeiten, Sperrungen oder Verkehrsführungen in den kommenden Baujahren.