Der Regierungsrat des Kantons Solothurn hat am Donnerstag einen langfristigen Ausbau der Kantonspolizei angekündigt. Ziel ist, das Personal von heute rund 600 auf 700 Mitarbeitende bis zum Jahr 2035 zu erhöhen. Mit der Massnahme will die Exekutive das Sicherheitsniveau sowohl objektiv als auch subjektiv stabilisieren und der wachsenden Belastung der Polizei begegnen.
Motivation: Mehr Personal gegen steigende Kriminalität und komplexe Fälle
Sicherheitsdirektorin und Landammann Susanne Schaffner (SP) bezeichnete die Aufstockung als notwendigen Schritt:
«Wir machen einen Schritt vorwärts.»Laut Regierungsrat sollen durch zusätzliche Stellen dringendste personelle Lücken geschlossen, die sichtbare Präsenz auf der Strasse erhöht und strukturierte Kriminalität gezielt bekämpft werden.
Kriminalitätschef Andreas Sutter betonte, die Ermittlungen seien in den letzten Jahren komplexer geworden. Der Kanton sieht sich zunehmend mit organisierten, grenzüberschreitenden Delikten konfrontiert. Dazu zählen vermehrte Fahrzeugaufbrüche im Hochpreissegment sowie Betrugsformen wie Enkeltrick, falsche Polizisten und Schockanrufe. Solche Fälle erfordern zeit- und personalintensive Ermittlungen, so die Kapo.
Schrittweiser Aufbau: 51 neue Stellen bis 2029
Der Regierungsrat plant eine gestaffelte Besetzung: Bis 2029 sollen bereits 51 zusätzliche Stellen geschaffen werden. Die restlichen Stellen sind Teil der Planung bis 2035. Über die finanziellen Konsequenzen und die endgültige Umsetzung muss noch im Budget entschieden werden.
- Aktueller Personalbestand: ca. 600 Mitarbeitende
- Geplantes Ziel bis 2035: 700 Mitarbeitende
- Zwischenschritt: 51 zusätzliche Stellen bis 2029
Polizeikommandantin Fabienne Holland verwies darauf, dass der Kanton Solothurn eine der höchsten Kriminalitätsbelastungen in der Schweiz bewältigen müsse, gleichzeitig aber zu den Kantonen mit der tiefsten Polizei-Dichte zähle. Pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner weist Solothurn 157 Polizeipersonen aus; der Schweizer Durchschnitt liegt bei 196 pro 100'000 Einwohner. Nur die Kantone Schwyz, Thurgau und Aargau hätten eine geringere Polizeidichte.
| Kanton | Polizistinnen/Polizisten pro 100'000 Einw. |
|---|---|
| Solothurn | 157 |
| Schweizer Durchschnitt | 196 |
Konsequenzen und offene Fragen
Die angekündigte Aufstockung wirft mehrere Fragen auf, die noch zu klären sind: Wie genau verteilt sich das zusätzliche Personal auf Patrouillen, Kriminalpolizei, Prävention und Verwaltung? Welche Ausbildungs- und Rekrutierungsanstrengungen sind nötig, um die Planstellen zu besetzen? Und welche finanziellen Mittel werden jährlich für Löhne, Infrastruktur und Einsatzmittel erforderlich sein?
Der Regierungsrat betonte, ein Verzicht auf die Aufstockung hätte sicherheitspolitische Nachteile zur Folge. Gleichzeitig ist die Umsetzung abhängig von künftigen Budgetentscheiden. Die finanziellen Auswirkungen werden in den kommenden Budgetdebatten Thema sein.
Praktische Auswirkungen für Bevölkerung und Gemeinden
Die geplante Erhöhung der Polizeistärke zielt auf mehrere Effekte: eine stärkere Präsenz an Brennpunkten, schnellere Reaktionszeiten bei Einsätzen und eine grössere Kapazität für komplexe Ermittlungen gegen organisierte Kriminalität. Gemeinden könnten von verstärkten Präventionsangeboten profitieren, etwa in Form von Verkehrskontrollen oder Informationskampagnen zu Betrugsformen.
Gleichzeitig ist die Wirkung auf das subjektive Sicherheitsgefühl nicht automatisch garantiert. Die Behörden betonen, dass sichtbare Polizeipräsenz und effektive Ermittlungsarbeit gekoppelt werden müssen, um Vertrauen in die Sicherheit langfristig zu stärken.
Ausblick
Die Planung sieht vor, dass in den kommenden Jahren schrittweise zusätzliche Stellen geschaffen werden. Entscheidend bleibt die Zustimmung des Kantonsparlaments und die Verankerung der benötigten Mittel im Budget. Die Kantonspolizei hat signalisiert, dass sie die Kapazitäten primär dort einsetzen will, wo die Belastung am höchsten ist und wo Prävention und Ermittlungen den grössten Nutzen bringen.
Ob die Erhöhung auf 700 Stellen das angestrebte Sicherheitsniveau tatsächlich bringt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen; die Massnahme soll aber die Grundlage für eine nachhaltigere Polizeiarbeit im Kanton Solothurn schaffen.