Sieben Monate nach dem verheerenden Brand in Crans‑Montana bleibt die Walliser Kantonspolizei stark gefordert. Die Ermittlungen zu dem Unglück, das mit 41 Todesopfern und 115 Verletzten zu den schwersten Katastrophen im Kanton zählt, beanspruchen weiterhin erhebliche personelle Ressourcen. Polizeikommandant Frédéric Gisler erklärte gegenüber RTS, gegenwärtig bestünden grosse Arbeitsanteile aus Beweissicherung, der Auswertung digitaler Daten und Befragungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft.
Personelle Umverteilung und Folgen für den Alltagsdienst
Gisler sagte, die Belastung habe eine Neuordnung der verfügbaren Kräfte notwendig gemacht. Diese Umverteilung wirke sich auf die Polizeipräsenz im Alltag aus: «Bestimmte präventive Kontrollen und Interventionen auf den Strassen seien zurückgefahren worden», so der Kommandant. Die Massnahme ziele darauf ab, die dringenden, komplexen Ermittlungsaufgaben zuverlässig abzudecken, habe aber gleichzeitig Konsequenzen für die sichtbare Polizei im öffentlichen Raum.
Als Resultat seien in den vergangenen Monaten vermehrt Phänomene im öffentlichen Raum aufgefallen, die auf eine geringere Präsenz und damit auf veränderte Kontrollmuster hindeuten. Insbesondere an Bahnhöfen habe man im Frühjahr eine Zunahme des Drogenhandels registriert. Gleichzeitig gebe es mehr Gewaltvorfälle und eine erhöhte Anzahl Verkehrsunfälle, wobei es sich überwiegend um leichtere Zusammenstösse handele.
„Meine Verantwortung ist es, mit dem verfügbaren Personal stets das Beste herauszuholen”,
Mit dieser Aussage machte Gisler deutlich, dass er die knappen personellen Mittel möglichst zielgerichtet einsetzen müsse. Die Fortdauer der Ermittlungen verlangt laut ihm eine sorgfältige Priorisierung zwischen Strafverfolgung, Prävention und Ordnungseinsätzen.
Kriminalitätslage im Kanton
Unabhängig von den Folgen des Brandes stuft Gisler die Sicherheitslage im Wallis als angespannt ein. Im vergangenen Jahr sei die Zahl der Verstösse gegen das Strafgesetzbuch um vier Prozent gestiegen. Der Drogenhandel bereite der Polizei besonders Sorgen; auch Raubüberfälle hätten deutlich zugenommen. Weiterhin beanspruchen häusliche Gewalt und Sexualdelikte die Einsatzkräfte.
Praktische Folgen für Bevölkerung und Gemeinden
Für Bewohnerinnen und Bewohner heisst das weniger sichtbare Präsenz in Quartieren, an Bahnhöfen und an bekannten Brennpunkten. Das kann das subjektive Sicherheitsgefühl reduzieren und die Wahrnehmung von Problemen verstärken. Gemeinden und private Akteure sind dadurch stärker gefordert, Präventionsmassnahmen vor Ort zu verstärken und bei Bedarf mit der Kantonspolizei zu kooperieren.
- Fokus der Polizei derzeit: Beweissicherung, digitale Auswertung, Befragungen
- Konsequenz: Reduktion präventiver Kontrollen und Interventionen auf der Strasse
- Beobachtete Entwicklungen: Zunahme von Drogenhandel im öffentlichen Raum, mehr Gewalt, mehr Verkehrsunfälle (meist leicht)
Herausforderung Ressourcenplanung
Gisler betonte, dass angesichts begrenzter personeller Mittel eine zentrale Herausforderung sei, die unterschiedlichen Aufgaben der Polizei zuverlässig abzudecken. Entscheidend sei, die vorhandenen Ressourcen möglichst gezielt einzusetzen. Konkrete Personalaufstockungen oder strukturelle Änderungen nannte er im Gespräch mit RTS nicht.
Die Situation illustriert das Spannungsfeld zwischen Sonderermittlungen nach einer Grosskatastrophe und den regulären polizeilichen Aufgaben einer ganzen Region. Während die Staatsanwaltschaft und spezialisierte Ermittler die Ursachen des Brandes weiterhin aufarbeiten, muss die Kantonspolizei parallel die öffentliche Sicherheit aufrechterhalten.
Was nun?
Für die Bevölkerung bleiben einige Schritte praktisch: Sensibilisierung für Drogen- und Gewaltphänomene, Meldung von auffälligen Vorkommnissen an die Kantonspolizei, und verstärkte Vernetzung unter Gemeinden. Langfristig werden Diskussionen über Personalstärke, Finanzierung und organisatorische Prioritäten der Sicherheitsbehörden im Kanton Wallis eine Rolle spielen.
Die Ermittlungen zum Brand von Crans‑Montana werden weitergehen. Solange sie andauern, bleiben die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft mit grossen Aufgaben betraut. Die Balance zwischen tiefgehender Aufklärung und täglicher Polizeiarbeit bleibt eine zentrale Herausforderung für den Kanton.