Der traditionelle Pferdemarkt Marché-Concours in Saignelégier ist am Wochenende ohne grössere Zwischenfälle zu Ende gegangen. Die Veranstaltung, die in diesem Jahr zum 121. Mal stattfand, zog nach Angaben der Organisatoren rund 40'000 Besucherinnen und Besucher an. Erstmals war der Kanton Bern als Ehrengast eingeladen – ein Umstand, der im Vorfeld für politische Aufmerksamkeit sorgte.
Erste Berner Teilnahme nach jurapolitischem Wandel
Dass der Kanton Bern erstmals als Ehrengast auftrat, ist laut Organisatoren auf die jüngsten politischen Entwicklungen in der Region zurückzuführen. Mit dem Wechsel der ehemals bernjurassischen Gemeinde Moutier zum Kanton Jura zu Beginn des Jahres 2026 gilt ein jahrelanger Konflikt um die Zugehörigkeit der Region weitgehend als beigelegt. Die Premiere des Berner Auftritts stiess dennoch nicht überall auf Zustimmung.
Der Präsident des Organisationskomitees, Vincent Wermeille, zog gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA ein positives Fazit: Sowohl die technische Durchführung als auch das Zusammentreffen der beiden Kantone seien «sehr gut gelaufen». Gleichzeitig hatte die Polizei ihre Präsenz im Vergleich zu früheren Jahren erhöht.
Friedliche, aber sichtbare Aktionen am Rande
Am Rande des Pferdemarkts kam es zu kleineren Demonstrationen von projurassischen Gruppen. Die Gruppe Bélier und Autonomisten aus Belprahon führten laut Berichten friedliche Aktionen durch: Transparente entlang der Zufahrtsstrasse forderten unter anderem «Befreien wir Belprahon», und in der Nähe des Eingangsgeländes wurde ein Wandbild mit der Geschichte des Kantons Jura gezeigt. Zeitweise hissten die Demonstrierenden eine Flagge, auf der ein Widder einen Bären im Berner Wappen darstellt.
«Die Einladung symbolisiere das institutionelle Ende der Jurafrage und ‹wäre nicht immer denkbar gewesen›», sagte der Berner Bundesrat Albert Rösti in seiner Ansprache.
Die Aktionen blieben laut Veranstaltern und Polizei friedlich und beeinträchtigten den Ablauf des Marktes nicht. Es gab keine Berichte über grössere Störungen oder gewaltsame Auseinandersetzungen.
Bedeutung des Anlasses für die Region
Der Marché-Concours wurde 1879 ins Leben gerufen, vor allem zur Würdigung des Freibergers, einer Rasse, die aus dem Jura stammt. Als nationales Treffen der Reit- und Pferdezucht-Community hat der Markt eine lange Tradition und grosse kulturelle Bedeutung für den Kanton Jura. Die dieses Jahr erhöhte Aufmerksamkeit durch die Berner Teilnahme unterstreicht die politische Dimension, die lokale Traditionen annehmen können.
Organisatorisches und Sicherheitsaspekte
Die Veranstalter hoben die reibungslose Organisation hervor. Die erhöhte Polizeipräsenz diente der Prävention und dem Schutz der Teilnehmenden sowie der Besucherinnen und Besucher. Konkrete Angaben zu Polizeimassnahmen oder Einsätzen wurden von der Polizei im Berichtsstand nicht detailliert kommuniziert.
- Edition: 121. Marché-Concours
- Besucherinnen und Besucher: rund 40'000
- Erstmaliger Ehrengast: Kanton Bern
- Hintergrund: Wechsel der Gemeinde Moutier zu Jura Anfang 2026
Ausblick und lokale Reaktionen
Die gelassene Bewältigung der Premiere könnte als Zeichen für eine Normalisierung im Verhältnis zwischen Jura und Berner Jura gewertet werden. Gleichwohl zeigen die Präsenz projurassischer Gruppen, dass die politische Sensibilität in der Region weiterhin besteht. Vertreterinnen und Vertreter beider Seiten scheinen vorerst an einer friedlichen Koexistenz interessiert zu sein, wie die ruhige Durchführung des Anlasses nahelegt.
Ob die symbolische Geste der Ehrengastrolle des Kantons Bern langfristig zur Versöhnung beitragen wird, bleibt offen. Für die lokale Bevölkerung ist jedoch entscheidend, dass traditionelle Anlässe wie der Marché-Concours weiterhin als Plattform für Brauchtum und Wirtschaft fungieren können, ohne zu einem Ort politischer Eskalation zu werden.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Jahr der Gründung | 1879 |
| Ausgabe | 121. |
| Besucherzahl (geschätzt) | ~40'000 |
| Besonderheit 2026 | Erstmaliger Ehrengast: Kanton Bern |
Die Ereignisse am Marché-Concours werden in den kommenden Wochen sicherlich weiter politisch reflektiert werden. Für die nächste Ausgabe dürfte die Frage, wie man kulturelle Traditionen pflegt und gleichzeitig politische Differenzen respektiert, ein wiederkehrendes Thema bleiben.