In der Zulassungssaison 2026 zeigen sich an mehreren Hochschulen markante Rückgänge bei den Aufnahmezahlen für zuvor stark nachgefragte Studienfächer wie Journalismus und Jura. Berichte aus Vietnam, die jüngst erscheinen, dokumentieren sowohl formale Änderungen der Auswahlverfahren als auch zum Teil deutliche Einbussen bei den punktuellen Zulassungswerten. Die Entwicklung legt nahe, dass sich Präferenzen der Bewerberinnen und Bewerber verändern und Hochschulen ihre Verfahren anpassen.
Konkrete Zahlen aus Vietnam
An der Universität für Sozial- und Geisteswissenschaften der Vietnam National University in Ho-Chi-Minh-City führte die Umstellung auf ein umfassenderes Zulassungsverfahren zu einer neuen Skala; die Punktzahl für Journalismus wird nun auf 100 Punkte umgerechnet. In diesem Kontext liegt Journalismus nicht mehr an der Spitze der Zulassungsliste: Multimediale Kommunikation führt die Rangliste mit 88,8 Punkten an, Journalismus wird mit 84,9 Punkten angegeben. Davor lagen die bekannten Werte auf einer anderen Skala: 28 Punkte (2023), 28,8 Punkte (2024) und 28,55 Punkte (2025).
An der Vietnam National University in Hanoi sank die Zulassungsanforderung für Journalismus von 28,2 Punkten (im C00-Kombinationsschema) auf 22 Punkte; hier ist allerdings zu beachten, dass die Zulassungskombination für diesen Studiengang verändert wurde. An der Akademie für Journalismus und Kommunikation gingen die Werte vieler Journalismus-Studien um 3 Punkte zurück, beim Fotojournalismus sogar um 6 Punkte.
| Institution | Frühere Punkte | Aktuelle Punkte |
|---|---|---|
| VNU Ho-Chi-Minh-City (Journalismus) | 28 / 28,8 / 28,55 (bis 2025) | 84,9 (neue 100-Punkte-Skala) |
| VNU Ho-Chi-Minh-City (Multimediale Kommunikation) | — | 88,8 |
| VNU Hanoi (Journalismus, C00) | 28,2 | 22 |
| Akademie für Journalismus und Kommunikation | — | Rückgang: −3 (Journalismus), −6 (Fotojournalismus) |
Warum die Zahlen sinken — und was sie aussagen
Mehrere Faktoren können solche Rückgänge erklären:
- Änderungen des Auswahlverfahrens: Die Umstellung auf andere Skalen oder Kombinationen verzerrt direkte Vergleiche über Jahre. Eine Umrechnung von einer 30- auf eine 100-Punkte-Skala kann statistische Effekte erzeugen, ohne dass sich die tatsächliche Bewerberqualität verändert.
- Veränderte Studienpräferenzen: Neue Studienrichtungen wie Multimediale Kommunikation können klassische Fächer wie Journalismus in der Attraktivität überholen, weil sie als zeitgemässer oder beruflich aussichtsreicher wahrgenommen werden.
- Arbeitsmarkterwartungen: Studierende gewichten heute stärker Faktoren wie Einkommensaussichten, Beschäftigungsfähigkeit und digitale Kompetenzen bei der Studienwahl. Das kann Nachfrageverschiebungen zugunsten interdisziplinärer oder technologisch orientierter Programme erklären.
Folgen für Hochschulen und Lehrpläne
Für Hochschulen bedeuten sinkende Zulassungswerte sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Sinkende Bewerberzahlen können den Druck auf Studienprogramme erhöhen, ihr Profil zu schärfen und ihre Curricula zu modernisieren. Gleichzeitig eröffnet die Verlagerung hin zu multimedialen Angeboten die Möglichkeit, klassische Disziplinen mit neuen Modulen zu verbinden — etwa Datenjournalismus, digitale Ethik oder audiovisuelle Produktion.
Eine moderate bis substanzielle Reduktion der Zulassungswerte kann zudem die strategische Planung von Fakultäten beeinflussen: Ressourcenallokation, Dozierendenstellen und Kooperationsangebote mit Medienunternehmen oder anderen Hochschulen müssen neu ausgelotet werden.
Was Studierende beachten sollten
Für Studieninteressierte ist es wichtig, nicht nur auf Zulassungswerte zu schauen, sondern Programme inhaltlich zu prüfen, Praxismöglichkeiten zu vergleichen und Beschäftigungswege zu berücksichtigen. Entscheidend sind neben Notenprofilen auch Aufnahmebedingungen, kombinierte Fächer und mögliche Spezialisierungen.
- Informieren über Prüfungsmodi und Skalen bei der jeweiligen Hochschule.
- Programme vergleichen: Inhalte, Praxisangebote, Auslandsmöglichkeiten.
- Arbeitsmarktchancen abklären: Welche Kompetenzen sind gefragt?
Die Berichte aus Vietnam zeigen exemplarisch, wie dynamisch Hochschulzulassungssysteme reagieren — auf institutionelle Reformen ebenso wie auf veränderte Präferenzen der Studierenden. Ob ähnliche Trends auch in anderen Ländern auftreten, hängt von lokalen Rahmenbedingungen, Arbeitsmärkten und den Angeboten der Hochschulen ab. Für Entscheidungsträger in Hochschulen bleibt die Aufgabe, Studiengänge so zu gestalten, dass sie sowohl wissenschaftlich fundiert als auch an den realen Anforderungen künftiger Berufsfelder ausgerichtet sind.