Gesellschaft Hannover Jura (JU)

Vom Streifendienst ins Jurabüro: Wie ein gebrochener Finger den Weg zum Anwalt eröffnete

Julian Hüneburg arbeitete mehrere Jahre im Einsatz- und Streifendienst, bildete sich nebenbei an der Fernuniversität Hagen zum Juristen weiter und steht nun vor dem Einstieg ins Anwaltsleben. Sein Weg zeigt, wie sich Berufsalltag, Organisationstalent und ein unerwarteter Bruch neu ordnen liessen.

Vom Streifendienst ins Jurabüro: Wie ein gebrochener Finger den Weg zum Anwalt eröffnete
©Illustration KI Sabine Widmer / we-news.com

Julian Hüneburg hat eine Laufbahn hinter sich, die viele als ungewöhnlich bezeichnen würden: Zuerst Polizist im Einsatz- und Streifendienst, dann nebenbei Jurastudium per Fernlehre — und nun der Schritt ins Anwaltsleben. Seine Geschichte ist keine Heldensaga, sondern ein nüchterner Bericht über Entscheidungen, Organisation und Chancen, die sich aus unerwarteten Ereignissen ergeben.

Neubeginn nach dem Abitur und im Dienst

Nach dem Abitur entschied sich Hüneburg zunächst für die Laufbahn im gehobenen Polizeidienst. Er selbst sagt, er sei damals «einfach noch nicht reif genug» gewesen, um eine endgültige berufliche Festlegung vorzunehmen. Die Tätigkeit bei der Polizei habe er jedoch stets spannend und vor allem sicher gefunden. Besonders angezogen hätten ihn bald die rechtlichen Aspekte des Berufslebens.

Fernstudium neben Vollzeitjob

2015 begann Hüneburg im Einsatz- und Streifendienst in Hannover zu arbeiten. Den Wunsch, Jura zu studieren, trug er weiter mit sich, wollte aber seine Arbeitszeit nicht reduzieren. Klassische Präsenzstudiengänge schieden deshalb aus. 2018 brachte ein gebrochener Finger eine längere Krankheitsphase mit sich — und damit Zeit für Recherche: Hüneburg entdeckte die Fernuniversität Hagen, die als einzige staatliche Universität in Deutschland ein reines Fernstudium mit dem Ziel Erstes Staatsexamen anbot. Das Angebot machte für ihn das Studium erst realisierbar.

Organisation als Schlüssel

Parallel zum Vollzeitjob zu studieren, beschreibt Hüneburg als anspruchsvoll, aber machbar. Er schildert einen strikten Wochenrhythmus, der Studium und Schichtdienst unter einen Hut brachte: Unter der Woche wechselten sich Früh-, Spät- und Nachtdienst ab, am Wochenende gab es lange Dienste von 6 bis 18 Uhr beziehungsweise 18 bis 6 Uhr. Sein Rezept war ein detaillierter Wochenplan, in dem Lernphasen nach Dienstschluss und vor frühen Einsätzen eingetragen waren. Wenn zwei Wochenendschichten anstanden, blieb das Studium ruhen.

„Sport durfte nie zu kurz kommen“, sagt Hüneburg als persönlichen Ausgleich.

Ausgleich und Belastbarkeit

Der Erhalt körperlicher und geistiger Fitness spielte für Hüneburg eine wichtige Rolle. Sport nannte er als festen Bestandteil seines Alltags, der ihm half, die Belastungen von Schichtarbeit und Studium zu tragen. Diese Prioritätensetzung ist Teil eines Plans, der auf Dauerfähigkeit statt auf kurzfristige Leistung setzt.

Der Weg zum Anwalt

Nach Abschluss des Studiums steht Hüneburg nun vor dem Abschluss seiner juristischen Ausbildung und will als Anwalt tätig werden. Sein Werdegang zeigt, wie sich traditionelle Berufswege mit flexiblen Bildungsangeboten kombinieren lassen. Für Berufstätige, die sich neu orientieren möchten, liefert sein Beispiel praktische Hinweise: Geduld, Planung und die Nutzung geeigneter Studienformen sind zentral.

Gemeinsame Elemente erfolgreicher Zweitkarrieren

Die Geschichte Hüneburgs lässt sich auf mehrere allgemeinere Erkenntnisse verdichten:

  • Flexibilität der Bildung: Fernstudien schaffen Möglichkeiten, die Präsenzangebote nicht bieten.
  • Organisation: Ein strukturierter Wochenplan ermöglichte das Zusammenführen von Schichtdienst und Lernzeiten.
  • Ausgleich: Regelmässige körperliche Aktivität diente als wichtige Ressource gegen Erschöpfung.

Kurzüberblick: Stationen

Jahr / Phase Ereignis
Nach Abitur Studium für gehobenen Polizeidienst; Einstieg in die Polizei
2015 Arbeit im Einsatz- und Streifendienst in Hannover
2018 Fingerbruch, längere Krankheitszeit; Entscheidung zum Fernstudium
Seither Jurastudium an der Fernuniversität Hagen parallel zur Polizei; Abschluss und Wechsel in die Anwaltschaft

Hüneburgs Weg ist kein Einzelfall, aber auch keine Binsenwahrheit: Er zeigt, dass sich traditionelle Berufsbiografien aufbrechen lassen, wenn Bildungssysteme passende Angebote machen und Betroffene bereit sind, ihren Alltag konsequent zu organisieren. Sein Fazit ist nüchtern: Aus den Umwegen ergibt sich kein Grund zur Reue, vielmehr eine Möglichkeit, berufliche Interessen zu verfolgen, die zuvor aus strukturellen Gründen nicht umsetzbar waren.

Obwohl sein Weg von persönlichen Umständen beeinflusst wurde, betont Hüneburg die berechenbaren Faktoren: die Wahl einer geeigneten Studienform, das Planen der Wochenstruktur und das Festhalten an einem Ausgleich. Diese Faktoren dürften auch für andere von Wert sein, die über eine zweite Karriere nachdenken.

Sabine Widmer
Sabine KI KI-Ressortleiterin Gesellschaft – WE NEWS online

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