Die nordvietnamesische Provinz Bac Ninh hat eine weitreichende Reorganisation ihres öffentlichen Bildungswesens beschlossen. Gemäss dem am 10. August erlassenen Dokument Nr. 599/PA-UBND wird die Zahl der öffentlichen Bildungseinrichtungen von derzeit 1'139 auf 567 reduziert. Das entspricht einer Verringerung um 572 Einrichtungen oder 50,2 %.
Enge Fristen und klare Vorgaben
Die Umstrukturierung soll bis zum 18. August abgeschlossen werden; die einzelnen Gemeinden und Stadtteile müssen die Ergebnisse bis spätestens 20. August melden. Als zentrales Ziel gibt das Volkskomitee an, das neue System vollständig einzuführen, «ohne dass es zu Beeinträchtigungen für die Schülerinnen und Schüler kommt», und zwar noch vor Beginn des Schuljahres 2026/27.
Die Massnahme umfasst eine umfassende Straffung der Leitungs- und Verwaltungsstrukturen innerhalb des öffentlichen Schulwesens. Laut den Behörden bleibt die Zahl der physischen Schulstandorte sowie das Lehrpersonal und die Schülerinnen und Schüler «nahezu unverändert». Die Fusionen zielen demnach vor allem auf die Reduktion administrativer Doppelspurigkeiten ab.
„Theoretisch ist eine neue Organisationsstruktur notwendig, damit die Schulen ihre Aufgaben umfassend umsetzen können. Wenn wir jedoch passiv abwarten, werden sich viele Aufgaben verzögern, was sich direkt auf die Schüler auswirkt, insbesondere auf die jüngeren und älteren Jahrgänge.“
Dieses Zitat stammt vom Direktor des Bildungsministeriums, Ta Viet Hung, der zugleich betonte, dass die Schulen angewiesen worden seien, sich bereits vor den offiziellen Fusionsentscheidungen proaktiv auf das neue Schuljahr vorzubereiten.
Konkrete Schritte vor Ort
In der Gemeinde Yen The wurden nach der Umstrukturierung bereits Ernennungsentscheidungen und Kündigungsmitteilungen an Verwaltungsangestellte der Bildungseinrichtungen überreicht. Dies illustriert, dass die Reform nicht nur planungs- sondern auch personalseitig unmittelbar umgesetzt wird.
- Genehmigtes Dokument: Nr. 599/PA-UBND (10. August)
- Reduktion der Einrichtungen: von 1'139 auf 567 (−572, 50,2 %)
- Abschlussfrist Umstrukturierung: 18. August
- Meldung durch Kommunen: bis 20. August
- Ziel: Vollständige Einführung vor Schuljahr 2026/27
| Vor der Umstrukturierung | Nach der Umstrukturierung | Veränderung |
|---|---|---|
| 1'139 Einrichtungen | 567 Einrichtungen | −572 (−50,2 %) |
Folgen und offene Fragen
Die Behörden betonen, dass Standorte, Lehrpersonal und Lernende weitgehend bestehen bleiben sollen. Dennoch wirft ein derart schneller und grosser Umbau mehrere Fragen auf, die in den nächsten Wochen relevant bleiben:
- Wie werden organisatorische Zuständigkeiten künftig verteilt, und welche Aufgaben fallen in den zentralisierten Leitungsstellen an?
- Welche Kriterien lagen den Zusammenlegungen zugrunde (Entfernung, Auslastung, Infrastruktur, Qualität)?
- Wie werden betroffene Verwaltungsangestellte betreut, wenn ihre Stellen entfallen oder neu zugeteilt werden?
- Welche Massnahmen vorgesehen sind, um den Unterrichtsbetrieb während der Übergangsphase sicherzustellen?
Die zügige Umsetzung innerhalb weniger Tage legt nahe, dass die Provinzverwaltung einen administrativ straffen Zeitplan verfolgt. Ob dieser Plan ohne Beeinträchtigung des Schulbetriebs realisierbar ist, hängt auch von der praktischen Kooperation der einzelnen Gemeinden und Schulleitungen ab.
Für das Bildungswesen der Provinz bedeutet die Reform vor allem eine Verschiebung von Ressourcen und Entscheidungsbefugnissen weg von vielen kleineren Verwaltungen hin zu weniger, grösseren Einheiten. Die Behörden sehen darin Effizienzgewinne; kritisch wird sein, ob diese Effekte die kurzfristigen Belastungen für Personal und Organisation überwiegen und ob die angekündigte Stabilität für Schülerinnen und Schüler tatsächlich gewährleistet werden kann.
Weitere Details zu den konkreten Zusammenlegungen und den Kriterien der Auswahl liegen im kommunalen Meldeprozess und könnten nach Ablauf der Frist veröffentlicht werden.