In Thalwil ist das letzte grosse Teilstück des neuen Zürcher Hochwasser-Entlastungsstollens sichtbar geworden: Für den rund 90 Meter langen Auslaufkanal wurde eine bis zu zwölf Meter tiefe Baugrube trockengelegt und rund 13 Millionen Liter Wasser abgepumpt. Das Bauwerk ist Teil eines 175 Millionen Franken teuren Schutzprojekts, das Anfang 2027 in Betrieb genommen werden soll.
Warum der Stollen nötig ist
Der Kanton hat das Projekt aufgegleist, weil ein extremes Hochwasser der Sihl grosse Teile der Innenstadt und den Hauptbahnhof gefährden könnte. Das Schadenspotenzial taxiert der Kanton auf fast 7 Milliarden Franken. Der Entlastungsstollen soll in solchen Extremereignissen einen Teil des Sihlwassers direkt in den Zürichsee leiten und damit Wasserstände in der Stadt reduzieren.
Die Bauarbeiten an der Auslaufstelle in Thalwil sind spektakulär: Die Baugrube im See wurde mit Stahlwänden abgedichtet und die Wassermassen abgepumpt – ein Volumen, das dem von etwa fünf Olympia-Schwimmbecken entspricht. Damit ist das letzte, sichtbare Grosssegment des Projekts erstellt.
Mehr als ein einzelnes Projekt
Der Kantonsbau ist Teil einer Reihe von Massnahmen gegen Hochwasser. Der Zürcher Baudirektor bezeichnet den Stollen als «Investition in die Zukunft». Gleichzeitig hat der Kanton weitere Gefahrenstellen identifiziert und plant zusätzliche Arbeiten an Gewässern ausserhalb der Sihl.
- Eulach in Winterthur: Schutzprojekte in Planung/Umsetzung;
- Altbach in Kloten: Entschärfung als weiteres kostenintensives Projekt;
- Trepsenbach in Dietikon: Derzeit läuft ein Vorprojekt.
Diese Aufzählung zeigt, dass die kantonalen Hochwasserschutzmassnahmen nicht auf die Stadt Zürich beschränkt sind, sondern mehrere Gemeinden im Kanton betreffen. Die Priorisierung folgt dem Gefährdungspotenzial und den erwarteten Schadenskosten.
Technik, Umfang und Zeitplan
Der Entlastungsstollen besteht aus mehreren Bauteilen; der in Thalwil erstellte Auslaufkanal ist das letzte grosse Element. Der Kanal ist knapp 90 Meter lang. Die Baustelle erforderte umfangreiche temporäre Abdichtungen und das Abpumpen von Millionen Litern Wasser, um die Baugrube trocken zu halten.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Projektkosten | 175 Mio. Fr. |
| Abgepumptes Volumen | 13 Mio. Liter |
| Auslaufkanal | 90 m |
| Bautiefe in Thalwil | bis 12 m |
| Geplanter Betriebsstart | Anfang 2027 |
| Schadenspotenzial ohne Massnahme | fast 7 Mrd. Fr. |
Die Arbeiten an der Auslaufstelle illustrieren die technischen Herausforderungen solcher Projekte: temporäre Abdichtungen im Seeboden, grossvolumiges Abpumpen und das sichere Einbauen des Kanals unter Wasserbedingungen.
Auswirkungen vor Ort und für die Bevölkerung
Für Passantinnen und Passanten an der Thalwiler Seepromenade bietet sich ein ungewohntes Bild: Statt Seeufer ist eine tiefe Baugrube sichtbar. Baustellenverkehr, Absperrungen und Lärm begleiten die Arbeiten. Langfristig soll das Projekt jedoch Sicherheit für die Stadt und Bahninfrastruktur schaffen.
Sieben Milliarden Franken Schadenspotenzial mögen abstrakt klingen, doch sie fassen mögliche Schäden an Gebäuden, Verkehrsinfrastruktur und wirtschaftlichen Verknüpfungen zusammen. Ein funktionierender Entlastungsstollen verringert das Risiko grosser Betriebsunterbrüche, insbesondere am Hauptbahnhof Zürich.
Parallel zu den Bauarbeiten informiert der Kanton über weitere Gefahrenstellen und geplante Massnahmen. Die Perspektive ist langfristig: Anpassung an veränderte Klimabedingungen erfordert fortlaufende Investitionen in die Infrastruktur.
Der Stollen ist ein konkretes Beispiel dafür, wie Kanton und Gemeinden Hochwasserschutz zusammen denken: lokale Eingriffe an kritischen Punkten, flankiert von planerischen Vorprojekten an weiteren Gewässern. Ab Anfang 2027 sollte das Risiko einer grossflächigen Sihl-Überflutung deutlich reduziert sein.