Ein sichtbares Zeichen für den Fortschritt beim Schutzprojekt gegen Sihl-Hochwasser: Am Ufer zwischen Langnau am Albis und Thalwil klafft derzeit eine abgesperrte, rund 12 Meter tiefe Baugrube. In dieser vorbereiteten Baugrube entsteht der konstruierte Auslaufkanal des Entlastungsstollens Sihl–Zürichsee, der künftig extreme Hochwasserspitzen der Sihl in den Zürichsee ableiten soll.
Letztes grosses Bauteil geht in Bau
Der Auslaufkanal wird acht Meter breit und sechs Meter hoch sein und sich knapp 90 Meter in den Zürichsee hinein erstrecken. Die Projektverantwortlichen haben die Baugrube vom Seewasser abgeschottet und in einem intensiven Pumpvorgang auffallend schnell entwässert: Innerhalb von drei Tagen und Nächten förderten Baumaschinen fast 13 Millionen Liter Wasser aus der Stahlkonstruktion — das entspricht in etwa dem Volumen von fünf Olympiaschwimmbecken.
In der leeren Baugrube wird nun der Betonkanal erstellt, der anschliessend an den unterirdischen Entlastungsstollen angeschlossen wird. Voraussichtlich anfangs 2027 soll das Bauwerk betriebsbereit sein und seine volle Schutzwirkung entfalten.
Was der Stollen bringt
- Leitfunktion: Ableitung extremer Spitzenabflüsse aus der Sihl direkt in den Zürichsee.
- Schutzwirkung: Verhinderung schwerer Überschwemmungen im unteren Sihltal und in der Innenstadt von Zürich.
- Risikoabbau: Reduktion von Schäden, die andernfalls «in die Milliarden» gehen könnten.
Die Anlage ist Teil einer gesamtheitlichen Hochwasserschutzstrategie für das Einzugsgebiet der Sihl. Der Entlastungsstollen entlastet bei Spitzeneintritten ins Flusssystem und ergänzt andere bauliche sowie planerische Massnahmen entlang des Flusses.
Technik, Logistik und lokale Auswirkungen
Die jetzt sichtbare, trockengelegte Baugrube ist eine technische Herausforderung. Um das Bauwerk in den See hinausragen zu lassen, wurde eine langgezogene Stahlkonstruktion errichtet, die temporär das Seewasser abgrenzte. Solche Konstruktionen erfordern dauerhafte Überwachungen, Dichtheitskontrollen und umfangreiche Pumpkapazitäten. Die Arbeiten haben lokale Auswirkungen:
- Schiff- und Uferverkehr: Temporäre Sperrungen oder Umleitungen am betroffenen Uferabschnitt sind möglich.
- Lärm und Baustellenverkehr: Anlieferungen von Beton, Material und Geräten führen zu erhöhtem Verkehrsaufkommen auf Zubringerstrassen.
- Naturschutz: Massnahmen zur Begrenzung von Eingriffen in die See- und Uferökologie sind Teil des Baustellenkonzepts.
Die Bauherrschaft hat angekündigt, die Arbeiten koordiniert durchzuführen und Störungen für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Erholungssuchende auf ein Minimum zu beschränken. Konkrete Verkehrsanordnungen und Sperrungen werden lokal ausgewiesen.
Finanzielle Dimension und Zeitplan
Das Projekt wird als Schutzelement mit hoher Priorität eingestuft, weil die vermiedenen Schäden im Ereignisfall sehr hoch ausfallen würden. Konkrete Gesamtkosten nennt der vorliegende Bericht nicht; es wird allgemein darauf verwiesen, dass potenzielle Hochwasserschäden in die Milliarden gehen können, sollte die Sihl ungehindert ausufern.
| Bauteil | Grösse / Länge |
|---|---|
| Auslaufkanal | 8 m breit, 6 m hoch, ~90 m in den See |
| Baugrube | ~12 m Tiefe, trockengelegt |
| Wasser abgepumpt | ~13 Mio. Liter (entspricht ~5 Schwimmbecken) |
| Geplanter Betriebsbeginn | Anfang 2027 |
Ausblick
Sobald der Auslaufkanal betriebsbereit ist, soll der Entlastungsstollen das untere Sihltal und die Innenstadt von Zürich wirksam vor extremen Hochwasserereignissen schützen. Für Bewohnerinnen und Bewohner, Gemeinden sowie Versicherte bedeutet das eine deutliche Senkung des Risikos von grossen Überschwemmungsschäden.
Die nun sichtbare „Lücke im Zürichsee“ ist mehr als ein Baukrater: Sie ist das sichtbare Zeichen für den Übergang von der Planungs- in die Schlussphase eines bedeutenden kantonalen Schutzprojekts. In den kommenden Monaten wird die Baustelle weiter verdichtet, mit sichtbaren Fortschritten am Betonkanal und anschliessenden Anschlussarbeiten unterhalb des Wasserspiegels.
Die kantonalen Verkehrs- und Umweltstellen sowie die betroffenen Gemeinden informieren über allfällige Einschränkungen und Sicherheitsmassnahmen jeweils auf ihren offiziellen Kanälen.