Winterthur weist weiterhin eine nahezu vollständige Auslastung des Wohnungsbestands aus: Anfang Juni standen 116 von insgesamt 58'797 Wohnungen leer, was einer Leerwohnungsziffer von 0,2 Prozent entspricht. Damit liegt die Stadt zwar leicht über dem Tiefstand von 2024 (0,14 Prozent), die Situation bleibt aber angespannt.
Weniger Neubau als Abbruch
Die Stadt meldet für das vergangene Jahr eine negative Differenz zwischen Neubau und Abbruch: 196 neue Wohnungen entstanden, während zeitgleich 284 Wohnungen abgebrochen wurden. Massgeblich verantwortlich dafür war der Rückbau von acht Wohnblöcken am Tegerlooweg in Oberwinterthur mit insgesamt 168 Wohnungen. Auf diesem Areal ist die neue Siedlung Eichwaldhof geplant, die rund 340 Wohnungen bieten soll.
- Leerwohnungsziffer Stadt Winterthur: 0,2 % (116 von 58'797 Wohnungen)
- Neubau 2025: 196 Wohnungen
- Abbrüche 2025: 284 Wohnungen
Regionale Einordnung
Die Lage in Winterthur ist im kantonalen Vergleich speziell: In der Region Winterthur lag die Leerwohnungsziffer laut Mitteilung bei 0,65 Prozent (Rückgang von 0,78 im Vorjahr), im übrigen Kanton bei 0,52 Prozent. Die Stadt Zürich weist mit 0,11 Prozent einen noch geringeren Leerstand auf.
«Mittelfristig zeichne sich aufgrund mehrerer grosser Bauprojekte eine leichte Entspannung ab», schreibt die Stadt.
Geplante Projekte sollen Entspannung bringen
Als Gegensteuer zur angespannten Lage nennt die Stadt mehrere Grossprojekte, die bis 2030 zusätzlichen Wohnraum schaffen sollen. Erwähnt werden unter anderem:
| Projekt | Geplante Wohnungen |
|---|---|
| Eichwaldhof (auf Tegerlooweg-Areal) | ~340 |
| Paulstrasse 12 (Umnutzung) | 85 |
| Depot Deutweg (Genossenschaftswohnungen) | 130 |
Ausserdem ist in der Mitteilung die Sanierung und Erweiterung der Wohnsiedlung am Tegerlooweg erwähnt, deren Arbeiten ab 2027 starten sollen. Solche Vorhaben gehen häufig mit Phasen von Abbruch, Ausbau und Neuvermietung einher, was kurzfristig den Leerstand verringern kann, langfristig aber neuen, nachhaltigen Wohnraum schafft.
Folgen für Mieterinnen und Mieter
Ein sehr tiefer Leerstand bedeutet in der Regel, dass Nachfrage grösser ist als Angebot. Das kann zu:
- erhöhtem Wettbewerbsdruck bei der Wohnungssuche,
- länger andauernden Suchzeiten oder
- vermehrten Anforderungen seitens Vermietenden (z. B. Bonitäts- oder Bürgschaftsnachweise)
führen. Die Stadt sieht in den angekündigten Neubau- und Umnutzungsprojekten einen Hebel, der mittelfristig für Entspannung sorgen könnte. Wie rasch sich dies materialisiert, hängt von Baubeginn, Baufortschritt und der tatsächlichen Anzahl erstmals oder wieder verfügbaren Wohnungen ab.
Für politische Akteure, Genossenschaften und Investoren bleibt die Herausforderung, ausreichend, bezahlbaren und nutzerorientierten Wohnraum bereitzustellen. Die ausgewiesenen Projekte — insbesondere die Genossenschaftswohnungen am Depot Deutweg — zielen darauf ab, genau diesen Bedarf zumindest teilweise zu adressieren.
Die Stadt wird die Entwicklung weiter beobachten und jährlich aktualisierte Daten zum Wohnungsbestand und Leerstand veröffentlichen. In der Zwischenzeit bleibt Winterthur eine Stadt mit sehr tiefem Wohnungsleerstand und einem klaren Bedarf an zusätzlichem Wohnraum.