Die Kantonspolizei Bern hat erstmals seit Jahren alle offenen Stellen geschlossen. Trotz dieser personellen Entspannung fordert die kantonale Sicherheitsdirektion eine zusätzliche Aufstockung des Korps: Das aktuelle Personal reiche nicht aus, um das steigende Einsatzvolumen und neue Aufgaben zu bewältigen, teilte die Direktion am Montag mit.
Belastung durch Bevölkerungswachstum und neue Aufgaben
Als eine der Hauptursachen für den Mehrbedarf nennt die Sicherheitsdirektion das anhaltende Bevölkerungswachstum im Kanton: Mit zunehmender Einwohnerzahl steige auch die Zahl der Einsätze, etwa bei Kundgebungen, Grossanlässen oder Sportveranstaltungen. Zudem kämen neue, zeitintensive Aufgaben hinzu. Explizit genannt wurden Cyberabwehr, verstärkte Präventionsarbeit an Schulen sowie die Drohnenabwehr. Diese Entwicklungen verlangten zusätzliches Personal und spezialisierte Kompetenzen.
Aufbauplan: Vier von zehn Etappen umgesetzt
Der Grosse Rat hatte 2019 beschlossen, den Personalbestand der Kantonspolizei über einen Zeitraum von zehn Jahren um insgesamt 360 Stellen zu erhöhen. Bislang seien vier von zehn Ausbauetappen realisiert worden. Mit der fünften Etappe werde 2027 die Halbzeit des Projekts erreicht, heisst es in der Mitteilung der Sicherheitsdirektion.
Die Regierung wird laut Direktion im Herbst einen Zwischenbericht zur Personalaufstockung vorlegen. Dieser Bericht soll Auskunft geben, wie sich die bisherigen Einstellungen auf Einsatzfähigkeit und Resilienz der Polizei ausgewirkt haben und wo konkret weiterer Bedarf bestehe.
Bern weist eine der tiefsten Polizeidichten aus
Im kantonalen und nationalen Vergleich liegt Bern weiterhin auf einem der hinteren Plätze: Gemäss der jüngsten Statistik der Konferenz der Kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) beschäftigt der Kanton Bern aktuell 188 Polizistinnen und Polizisten pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Zum Vergleich: Der Kanton Tessin weist mit rund 307 die höchste Polizeidichte auf; am unteren Ende liegt Appenzell Innerrhoden mit 186.
| Kanton | Polizistinnen/Polizisten pro 100'000 Einwohner |
|---|---|
| Tessin | 307 |
| Bern | 188 |
| Appenzell Innerrhoden | 186 |
Besondere organisatorische Rahmenbedingungen
Die Sicherheitsdirektion weist darauf hin, dass der Personalbedarf im Kanton Bern besonders hoch sei, weil es hier – anders als in mehreren anderen Kantonen – keine regionalen oder Gemeindepolizeien gebe. Die Kantonspolizei decke somit ein breites Einsatzfeld über das ganze Kantonsgebiet. Diese Zentralstruktur erhöhe die Anforderungen an das Korps und mache personelle Verstärkung dringlicher.
Welche Folgen hat die Unterdeckung praktisch?
Eine zu knappe Personaldecke wirkt sich auf verschiedene Ebenen aus: Reaktionszeiten können länger werden, verfügbare Kräfte an einem Standort fehlen bei gleichzeitigen Ereignissen, und spezialisierte Bereiche wie Cyberabwehr benötigen zeitintensive Ausbildungen, die Ressourcen binden. Die Direktion betont deshalb, dass zusätzliches Personal nicht nur quantitativ, sondern auch qualifiziert sein müsse.
Wie sollen zusätzliche Stellen finanziert werden?
Der Bericht des Regierungsrats, der im Herbst erwartet wird, dürfte auch Vorschläge zur Finanzierung enthalten. Der Grosse Rat hat den mehrjährigen Ausbauplan bereits beschlossen; offen ist jedoch, wie rasch weitere Etappen umgesetzt werden können und ob zusätzliche Mittel notwendig sind, um Spezialaufgaben und Ausbildungskapazitäten zu erhöhen.
- Aktueller Stand: Alle offenen Stellen sind derzeit besetzt.
- Längerfristige Planung: Ausbau um 360 Stellen bis 2029, vier von zehn Etappen erfüllt.
- Schlüsselthemen: Cyberabwehr, Prävention, Drohnenabwehr, Grossanlässe.
Die kantonale Debatte wird sich in den kommenden Monaten auf die Balance zwischen Personalausbau, Ausbildung und konkreten Bedarfen bei Spezialaufgaben konzentrieren. Für die Bevölkerung stellt sich die Frage, wie schnell und in welchem Umfang der gesetzte Ausbau die wahrnehmbare Sicherheit und Einsatzfähigkeit der Polizei verbessern wird. Der Zwischenbericht des Regierungsrats dürfte hier Klarheit bringen und die Grundlage für die weiteren parlamentarischen Entscheide bilden.