Die Jungfreisinnigen Baselland fordern in einem offenen Brief, dass alle öffentlichen Schulen im Kanton Basel-Landschaft mit Klimaanlagen ausgerüstet werden. Die Partei begründet dies mit der anhaltenden Hitze und verweist auf die Belastung für Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen in den letzten Sommerwochen. Die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion erteilt dem flächendeckenden Einbau vorerst jedoch eine Absage und setzt weiterhin auf Sonnenschutz und natürliche Lüftung.
Konflikt um Massnahmen gegen Hitzebelastung
Präsident Cyril Bleisch bezeichnete die bisher empfohlenen Massnahmen wie frühes Lüften oder das Ausweichen in kühle Räume als «Pflästerli-Politik» und fordert, dass der Regierungsrat den Einbau von Klimaanlagen an öffentlichen Schulen priorisiert. Zudem soll bis Ende Jahr ein konkretes Umsetzungskonzept vorgelegt werden, fordern die Jungfreisinnigen.
«Die Schweiz ist Weltmeisterin im Aufschieben», sagte Bleisch laut dem offenen Brief und forderte rasches Handeln.
Die Bau- und Umweltschutzdirektion hält dem entgegen, dass Sonnenschutz, richtiges Lüften und andere Massnahmen weiterhin die bevorzugte Strategie seien. Eine flächendeckende Installation von Klimaanlagen werde vorerst nicht unterstützt, teilte die Direktion auf Anfrage mit.
Praktische Folgen in einzelnen Gemeinden
Die Folgen der Hitzewellen waren in mehreren Gemeinden spürbar: In Therwil, Allschwil und Münchenstein passten einzelne Schulen die Unterrichtszeiten an und verschoben Teile des Unterrichts am Donnerstagnachmittag und Freitagnachmittag. Eltern erhalten laut Bericht der Basler Zeitung die Möglichkeit, zu entscheiden, ob ihr Kind die Hausaufgaben zu Hause oder in der Schule erledigt.
Eine Anwohnerin aus Allschwil schildert die Lage aus Sicht einer betroffenen Familie: Ihre beiden Söhne hätten inzwischen «hitzefrei» bekommen. Sie berichtet weiter, dass in den oberen Stockwerken der Primarschule teilweise Ventilatoren fehlen und die Temperaturen dort besonders belastend seien. Solche Einzelerfahrungen fliessen in die öffentliche Diskussion über geeignete kantonale Massnahmen ein.
Welche Optionen stehen zur Debatte?
Die aktuell diskutierten Ansätze lassen sich vereinfacht gegenüberstellen:
- Klimaanlagen: Direkte Kühlung der Räume, aber mit Anschaffungs-, Installations- und Energieaufwänden verbunden.
- Sonnenschutz: Jalousien, Markisen oder andere Abschirmungen, die passive Erwärmung reduzieren.
- Natürliche Lüftung: Frühes Lüften am Morgen und gezielte Durchlüftung in kühleren Stunden.
- Ausweichräume: Nutzung kühlerer Bereiche wie Keller für Unterricht oder Pause.
| Massnahme | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Klimaanlagen | Effektive Raumkühlung | Hohe Kosten, Energieverbrauch |
| Sonnenschutz | Geringere Erwärmung, relativ kostengünstig | Begrenzte Wirkung bei extremer Hitze |
| Natürliche Lüftung | Einfach umsetzbar, energiesparend | Wetterabhängig, zeitlich begrenzt wirksam |
Offener Zeitplan und Erwartungen
Die Jungfreisinnigen verlangen ein Umsetzungskonzept bis Ende Jahr. Die Bau- und Umweltschutzdirektion hat bisher keinen flächendeckenden Plan bestätigt und betont die Rückgriffe auf passive und organisatorische Massnahmen. Konkrete Details zu Budget, Zeitplan oder Priorisierung von besonders betroffenen Schulen liegen derzeit nicht vor.
Für Gemeinden und Schulgremien ergibt sich daraus eine Abwägung zwischen kurzfristig wirksamen, kostengünstigen Mitteln wie Sonnenschutz und Lüftungsplänen sowie längerfristigen Investitionen in technologische Lösungen. Elternvertretungen, Lehrpersonen und Schulleitungen dürften in den kommenden Wochen vermehrt in kantonale Gespräche eintreten, um lokal dringende Bedürfnisse zu adressieren.
Was Lehrpersonen und Eltern jetzt wissen müssen
- Empfehlungen wie frühes Lüften und Ausweichen in kühlere Räume bleiben derzeit gültig.
- Schulische Anpassungen an Unterrichtszeiten können lokal beschlossen werden.
- Eine verbindliche kantonale Vorgabe zum Einbau von Klimaanlagen liegt bislang nicht vor.
Der Forderung der Jungfreisinnigen steht damit das kantonale Prinzip gegenüber, zunächst auf passive und organisatorische Massnahmen zu setzen. Ob und in welchem Umfang der Kanton später auf aktive Klimatisierung zurückkommt, dürfte wesentlich von weiterem Druck aus der Schulpraxis und von finanziellen wie ökologischen Abwägungen abhängen.