Die anhaltende Trockenheit im Kanton Aargau bringt Honigbienen zunehmend in Bedrängnis. Viele heimische Pflanzen verblühen früher oder produzieren weniger Nektar, wodurch die Bienen bei der Nahrungssuche unter Stress geraten. Solche Effekte zeigen sich nicht nur in ländlichen Gegenden, sondern auch in städtischen Parks; erst kürzlich fiel in Birr auf, wie zahlreiche Bienen am Boden suchten und Blütenresten nachsetzten.
Was ist die Ursache des Verhaltens?
Die aktuell längeren Trockenphasen und wiederkehrenden Hitzeperioden führen dazu, dass Trachtzeiten – also Phasen mit ausreichendem Nektarangebot – kürzer oder lückenhafter werden. Dadurch lernen Bienen, auch ungewöhnliche Nahrungsquellen anzuzapfen und vermehrt nach Wasser zu suchen. Andreas König, Präsident des Verbands Aargauischer Bienenzüchter-Vereine, erklärt die Lage sachlich:
«Das beschriebene Verhalten der Bienen ist durchaus nachvollziehbar.»
Er betont, dass die Insekten in solchen Situationen primär auf Nahrungssuche seien und deshalb meist nicht aggressiv auf Menschen reagierten.
Welche Folgen hat das für die Praxis vor Ort?
Für die Bevölkerung ergeben sich zwei unmittelbare Herausforderungen: Einerseits steigt die Wahrscheinlichkeit, Bienen an ungewohnten Orten zu sehen – etwa an flachen Wasserstellen oder an zuckerhaltigen Pflanzensäften. Andererseits besteht die Gefahr, dass aus Unsicherheit oder Unkenntnis falsch reagiert wird: Beobachterinnen und Beobachter meldeten in sozialen Medien Fälle, in denen auf Bienen getreten wurde, was zusätzliche Empörung auslöste.
Wie kann die Bevölkerung konkret helfen?
Imker und Fachleute geben mehrere handfeste Empfehlungen, die jeder ohne grossen Aufwand umsetzen kann:
- Flache Wasserstellen bereitstellen: Ein Teller mit Sand oder kleine flache Schalen mit Wasser bieten den Bienen eine sichere Lande- und Trinkmöglichkeit.
- Einheimische, blühende Pflanzen aussäen oder pflanzen: Diese liefern länger und verlässlich Nektar als viele exotische Balkonpflanzen.
- Pflanzenschutzmittel einsparen: Weniger Einsatz von Pestiziden schützt Honig- und Wildbienen.
- Rücksicht im Umgang: Bienen nicht anpusten, nicht treten, nicht mit Gegenständen verscheuchen; respektvolles Verhalten vermindert Stress für Insekten und Menschen.
Was sollte man zu Wasserstellen beachten?
Wasserstellen sollen flach und mit Landehilfe (z. B. Sand, kleine Steine) ausgestattet sein, damit Bienen sicher trinken können, ohne zu ertrinken. Solche Angebote sind kurzfristig eine wichtige Hilfe, ersetzen aber nicht ein dauerhaft vielseitiges Nahrungsangebot durch blühende Flora.
Ökologische Bedeutung und langfristige Perspektive
Bienen übernehmen eine zentrale Rolle bei der Bestäubung vieler Kultur- und Wildpflanzen. Länger anhaltende Trachtlücken können nicht nur die Bienenvölker schwächen, sondern auf längere Sicht auch die regionale Pflanzenvielfalt und damit die Landwirtschaft beeinträchtigen. Imkerinnen und Imker beobachten derzeit, dass die Trachtlücken in diesem Sommer ausgeprägter sind als in durchschnittlichen Jahren.
Was die Gemeinden und Institutionen tun können
Obwohl die Verantwortung primär bei den Eigentümern von Flächen liegt, können Gemeinden durch Wahl der Begrünung öffentlicher Flächen, Verzichte auf kurzzeitige Totrasenpflege in sensiblen Perioden und Information der Bevölkerung unterstützend wirken. Schulen, Quartiervereine und Hausverwaltungen können mit kleinen Aktionen (gemeinsame Einsaataktionen, Informationsblätter, Aufstellen von Wasserschalen) schnell wirksame Unterstützung leisten.
| Problem | Praktische Massnahme |
|---|---|
| Wassermangel | Flache Wasserschalen mit Landehilfen aufstellen |
| Mangel an blühenden Pflanzen | Einheimische, mehrjährige Blumen fördern |
| Gefahr durch Pestizide | Alternativen nutzen, Spritzungen meiden |
Für viele Menschen ist das Gesumm ein willkommener Teil des Sommers. Das Bewusstsein für die Bedürfnisse der Bienen lässt sich mit wenig Aufwand stärken und kann lokal schnell positive Effekte zeigen. Wer im eigenen Garten oder auf dem Balkon aktiv wird, leistet einen direkten Beitrag für den Erhalt der Bestäuber und damit für die regionale Biodiversität.