Die Grosswohnsiedlung Telli in Aarau rückte am 24. Mai 1983 für kurze Zeit ins ganze Land hinein: Ein Team des Schweizer Fernsehens (SRF) betrat an diesem Tag die Siedlung und drehte eine Live-Sequenz für die Vorabendsendung «Karussell». Die Szene beleuchtet nicht nur einen publizistischen Moment, sondern gibt auch Einblick in die damalige Wahrnehmung und den Alltag in einer der eindrücklichsten Wohnanlagen der Schweiz.
Architektur und Alltagsleben im Mittelpunkt
Die Telli besteht aus 1250 Wohnungen, angeordnet in vier geknickten Scheibenhochhäusern. Die Anlage gilt als eine der markantesten Grossüberbauungen des Landes. Für die Fernsehsendung fuhr ein Sendewagen in die Tiefgarage, Kameraleute, Licht- und Tonleute begleiteten den Moderator bis in den sechsten Stock einer Wohnung, wo sie eine Familie besuchten.
- Datum des Besuchs: 24. Mai 1983
- Sendung: «Karussell» (SRF)
- Moderator: Kurt Aeschbacher (damals Teil des Teams)
Ein spontaner Hausbesuch im Fernsehen
Die gezeigte Rubrik hiess «Dörfed mer inecho?» und funktionierte nach einem einfachen Prinzip: Bewohner*innen signalisierten per Bettlaken oder Tischtuch aus dem Fenster, ob sie einem Besuch zustimmten. Eine Studiojury entschied dann, welche Haushalte in der Live-Sendung aufgeschaltet wurden. In der Telli geriet der zwölfjährige Patric Egger zum Zentrum der Kameras; er schwenkte eine gelbe Fahne vom Balkon und wurde wenige Minuten später im Studio-Geschehen des Abends präsentiert.
«Dörfed mer inecho?»
Die Aufzeichnung zeigt einen typischen Moment: Kinder, Lebensumstände in einer Grossüberbauung, Tiere und Hobbys wurden für die Fernsehzuschauer sichtbar. Patric sprach über die Schule, zeigte seine Kanarienvögel Chicco und Hansi und spielte auf der Hausorgel einen Countrysong. Aus heutiger Sicht sind solche Szenen wertvolle Zeitdokumente zur Wahrnehmung von Siedlungen in den 1980er-Jahren.
Wahrnehmung versus Alltag
Im Gespräch mit der Kamera beschrieb der Sechstklässler die Anlage nüchtern: Von aussen wirkten die Blöcke ‹gruusig›, die riesige Tiefgarage könne manchmal unheimlich erscheinen. Demgegenüber standen klare Vorteile aus seiner Sicht: die Wohnung, die autofreie Umgebung und die Nachbarschaft hatten für ihn hohen Stellenwert. Diese Ambivalenz – zwischen massiger Architektur und gelebtem Quartieralltag – bleibt ein zentrales Thema, wenn man Grosswohnsiedlungen der Nachkriegszeit beurteilt.
Der Fernsehbesuch machte die Telli sichtbar und trug dazu bei, die Diskussionen über städtisches Wohnen, Gemeinschaft und Lebensqualität zu befeuern. Solche Medienauftritte vermochten das Bild einer Siedlung in der Öffentlichkeit zu prägen, weil sie persönliche Geschichten und konkrete Alltagsszenen zeigten.
Kurzdaten zur Telli
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wohnungen | 1250 |
| Gebäudetyp | Vier geknickte Scheibenhochhäuser |
| Bekannter TV-Auftritt | 24. Mai 1983, SRF «Karussell» |
Die Erinnerung an den SRF-Besuch ist für Aarauerinnen und Aarauer mehr als eine Anekdote; sie ist ein Hinweis darauf, wie Medienpräsenz das Bild eines Quartiers mitprägen kann. Gleichzeitig zeigt die Szene, wie Bewohnerinnen und Bewohner einer Grossüberbauung ihren Alltag erleben: nicht nur als Baukörper, sondern als Lebensraum mit sozialen Beziehungen und persönlichen Geschichten.
Für die lokale Berichterstattung bleibt relevant, welche Spuren solche öffentlichen Auftritte in der kollektiven Erinnerung hinterlassen und wie sie die lokale Identität mitprägen. Die Telli ist heute weiterhin ein markanter Teil von Aarau – als Wohnort, als Beispiel für die Architekturgeschichte und als Ort vieler persönlicher Erinnerungen.