Zwischen 2022 und 2024 sind im Schnitt jährlich 29'815 Personen in den Kanton Aargau gezogen. Das geht aus einer Auswertung von Statistik Aargau hervor, die die Zusammensetzung der Zu- und Wegziehenden mit der länger ansässigen Wohnbevölkerung vergleicht. Die Zahlen geben Hinweise auf demografische Verschiebungen und die Struktur der Zugezogenen.
Herkunft der Zuzüge
Innerhalb der Schweiz kommen die meisten Zuziehenden aus dem Kanton Zürich. Demnach wanderten pro Jahr durchschnittlich 2'850 Personen aus Zürich in den Aargau. Bei den Zuwandernden aus dem Ausland steht Deutschland an erster Stelle mit rund 1'900 Zuzügen pro Jahr.
Gleichzeitig verlassen viele den Kanton
Demgegenüber verliessen im gleichen Zeitraum durchschnittlich 20'150 Personen jährlich den Kanton Aargau. Das ergibt eine Nettozunahme, die jedoch die hohe Dynamik innerhalb der Wohnbevölkerung verdeckt: Es findet ein starker Austausch statt, bei dem viele relativ junge und erwerbstätige Personen zuziehen, während ein Teil der länger Ansässigen wegzieht oder in andere Lebensphasen wechselt.
Alters- und Erwerbsstruktur: Zugezogene sind jünger und häufiger erwerbstätig
Die Auswertung zeigt markante Unterschiede zwischen der umziehenden und der länger ansässigen Bevölkerung:
- Etwa zwei Drittel der Umziehenden sind zwischen 25 und 44 Jahre alt.
- Der Anteil der Über-65-Jährigen unter den Umziehenden liegt bei rund 6 Prozent.
- Fast 80 Prozent der umziehenden Personen sind erwerbstätig, während bei der ständigen Wohnbevölkerung 62 Prozent erwerbstätig sind.
- Die Kategorie der Nichterwerbspersonen macht bei den Umziehenden nur 17 Prozent aus, bei der länger ansässigen Bevölkerung sind es 35 Prozent.
Die grösste Gruppe der Umziehenden ist somit jung und berufstätig. Das hat Folgen für Gemeinden, etwa bei der Nachfrage nach familiengerechten Wohnungen, Kinderbetreuung und Mobilitätsangeboten.
| Kenngrösse | Umziehende (jährlich, Durchschnitt) | Länger ansässige Wohnbevölkerung |
|---|---|---|
| Gesamt Zuzüge | 29'815 | — |
| Zuzüge aus Kanton Zürich | 2'850 | — |
| Zuzüge aus Deutschland | 1'900 | — |
| Wegzüge | 20'150 | — |
| Erwerbstätige | ~80 % | 62 % |
| Alter 25–44 | ~66 % | 31 % |
| Über 65 | ~6 % | ~23 % |
Bildung und Folgen für den Arbeitsmarkt
Fast 30 Prozent der Zu- und Wegziehenden verfügen über einen Universitäts- oder Hochschulabschluss, während bei der länger ansässigen Wohnbevölkerung nur rund 16 Prozent diese Qualifikation aufweisen. Diese Differenz kann für lokale Arbeitsmärkte und die Nachfrage nach spezialisierten Arbeitsplätzen relevant sein. Regionen mit einem hohen Anteil gut ausgebildeter Zugezogener sehen häufig eine steigende Nachfrage nach Dienstleistungen, kulturellen Angeboten und höher qualifizierten Stellen.
Methodik
Die Quelle der Zahlen sind Hochrechnungen aus der Stichprobe der Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik, wie Statistik Aargau in einem Newsletter erläutert. Die Zahlen geben ein Bild der Struktur der Zu- und Wegziehenden, nicht unbedingt exakte Zähldaten für jede einzelne Gemeinde.
Folgerungen für Gemeinden und Planer
Die Daten deuten darauf hin, dass der Aargau insbesondere für junge Berufstätige aus dem Raum Zürich attraktiv ist. Gemeinden müssen diese Entwicklung in Raumplanung, Wohnbaupolitik, Verkehrskonzepten und sozialen Angeboten berücksichtigen. Gleichzeitig zeigt die stärkere Anwesenheit älterer Personen in der länger ansässigen Bevölkerung, dass Angebote für Seniorinnen und Senioren weiterhin von Bedeutung bleiben.
Für Planer und Behörden stellt sich die Herausforderung, Infrastruktur und Dienstleistungen so zu gestalten, dass sie sowohl den Bedürfnissen der mobile berufstätigen Zuzügerinnen und Zuzüger als auch der älteren, länger ansässigen Einwohnerinnen und Einwohner gerecht werden.