Wettingen will sich stärker regional vernetzen und prüft den Beitritt zum Verein Wirtschaftsförderung Aargau Ost. Der Gemeinderat hat das Geschäft erneut auf die Traktandenliste gesetzt, nachdem der Gemeinderat den Beitritt im Mai abgelehnt hatte, weil man den Ausgang des Standortentscheids von Hitachi Energy abwarten wollte. Der Einwohnerrat wird am 3. September erneut über das Geschäft beraten.
Hintergrund: Reaktion auf Standortentscheidung
Der Entscheid von Hitachi Energy zugunsten von Otelfingen (ZH) hat in Wettingen die Frage befeuert, wie die Gemeinde künftig bei Ansiedlungen und Standortverhandlungen besser auftreten kann. Gemeindeammann Markus Haas (FDP) sagte an einer Pressekonferenz, der Entscheid habe gezeigt, «dass es nicht mehr einfach ist, Arbeitsplätze in unsere Region zu bringen».
«Der Hitachi-Entscheid hat gezeigt, dass es nicht mehr einfach ist, Arbeitsplätze in unsere Region zu bringen.»
Mit einem Beitritt würde Wettingen Teil eines regionalen Angebots werden, das Unternehmen bei Ansiedlungsfragen begleiten und betreuen soll. Ziel des Projekts ist die Schaffung einer professionellen Geschäftsstelle für die regionale Wirtschaftsförderung.
Organisation und Finanzierung
Geplant ist eine Geschäftsstelle mit einem Pensum von 80 bis 100 Prozent. Wettingen selbst betreibt bislang nur in sehr begrenztem Umfang Wirtschaftsförderung; diese Aufgabe übt gegenwärtig der Gemeindeammann in Personalunion aus. Im Unterschied dazu verfügt die Stadt Baden bereits über eine etablierte Wirtschaftsförderung mit zwei Mitarbeitenden.
Gemäss Gemeindeammann Haas soll die neue regionale Struktur Baden ergänzen, nicht ersetzen. Baden werde dem Verein zwar angehören, müsse aber keine Beiträge leisten, weil die Stadt bereits eine eigene Kontaktstelle unterhält. Diese würde bestehen bleiben und die regionale Geschäftsstelle ergänzen.
Teilnehmende Gemeinden
Seit dem Frühjahr hat sich die Zahl der interessierten Gemeinden erweitert. Ausgangs hatten sich Baden, Bergdietikon, Birmenstorf, Ennetbaden, Spreitenbach und Würenlingen verpflichtet. Neuerdings sind offenbar auch Gebenstorf, Untersiggenthal und Killwangen dazugekommen.
- Bisher zugesagt: Baden, Bergdietikon, Birmenstorf, Ennetbaden, Spreitenbach, Würenlingen
- Neu dazugekommen: Gebenstorf, Untersiggenthal, Killwangen
| Rolle | Gemeinde |
|---|---|
| Gründungs-/Mitgliedsgemeinden | Baden, Bergdietikon, Birmenstorf, Ennetbaden, Spreitenbach, Würenlingen, Gebenstorf, Untersiggenthal, Killwangen |
Argumente für Wettingen
Für den Gemeinderat ist ein Beitritt attraktiv, weil Wettingen mit rund 22'000 Einwohnerinnen und Einwohnern «Gewicht» in der Region bringe. Eine gemeinsame, professionell geführte Anlaufstelle könne bei Standortverhandlungen Vorteile schaffen, indem Informations- und Beratungsangebote gebündelt sowie Ressourcen effizienter genutzt würden.
Gegnerinnen und Gegner im Einwohnerrat hatten im Mai Bedenken geäussert; diese richteten sich unter anderem gegen Kosten und Sinnhaftigkeit eines Beitritts ohne klare, messbare Erfolgskriterien. Der Gemeinderat will nun die offenen Fragen erneut vorlegen und die politischen Diskussionen abwarten.
Praktische Folgen und Ausblick
Ein Beitritt Wettingens würde die regionalen Kräfte bündeln und könnte das Profil der Ostregion des Kantons Aargau gegenüber potenziellen Investoren stärken. Gleichzeitig bleibt offen, wie sich die Kosten- und Aufgabenverteilung im Verein gestalten wird und welche konkreten Leistungen die Geschäftsstelle erbringen soll.
Die Entscheidung des Einwohnerrats am 3. September wird zeigen, ob Wettingen den Kurs der verstärkten regionalen Zusammenarbeit mitgeht oder weiterhin eigene Wege in der Wirtschaftsförderung verfolgt. Für die Unternehmen in der Region könnte eine erfolgreiche Gründung des Vereins mittelfristig eine einfachere Anlaufstelle für Ansiedlungsfragen und Standortberatung bedeuten.
Für die Bevölkerung bleibt die Frage, wie lokale Steuergelder eingesetzt würden und ob ein gemeinsamer Ansatz tatsächlich mehr Arbeitsplätze in die Region bringt. Die Debatte im Einwohnerrat dürfte deshalb sowohl wirtschaftliche als auch haushaltstechnische Aspekte beleuchten.