Im Kanton Aargau mehren sich Fälle, bei denen Motorfahrende nach dem Tanken davonfahren, ohne für den Treibstoff zu bezahlen. Die Kantonspolizei verzeichnete bis Ende Juli rund 40 Anzeigen dieser Art – fast das Doppelte gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Parallel dazu stieg die Zahl der Treibstoffdiebstähle.
Polizei registriert markanten Anstieg
Frühere Erhebungen hatten das Phänomen als lokal begrenzt eingestuft, insbesondere an Autobahnraststätten. In den letzten Monaten jedoch zeigen die Zahlen eine andere Entwicklung: Bis Ende Juli weist die Kantonspolizei deutlich mehr Fälle von «Tanken und Wegfahren» aus als noch 2025.
Konkrete Zahlen der Behörde nennen rund 40 Fälle in der laufenden Berichtsperiode; im Vorjahr waren es knapp 20. Bei den Treibstoffdiebstählen wurden seit Jahresbeginn über 50 Delikte registriert, nach rund 40 im gleichen Zeitraum 2025. Die Polizei unterscheidet dabei zwischen dem direkten Davonfahren an Zapfsäulen und gezielten Entwendungen von Diesel aus geparkten Lastwagen oder Baustellentanks.
| Delikt | Bis Ende Juli 2026 | Bis Ende Juli 2025 |
|---|---|---|
| Nach dem Tanken davongefahren | ~40 Fälle | ~20 Fälle |
| Treibstoffdiebstähle | >50 Fälle | ~40 Fälle |
Ursachen: Polizei sieht Zusammenhang mit Spritpreisen
Die Kantonspolizei macht keine detaillierten Angaben zu einzelnen Fällen, verweist aber auf mögliche Ursachen. Eine Auswertung der Delikte lege nahe, dass die stark gestiegenen Treibstoffkosten zur Zunahme beigetragen haben könnten. Auch logistische Faktoren werden genannt: Wegen der anhaltenden Trockenheit ist der Rheinpegel niedrig, Frachtschiffe können weniger laden und der Transport von Treibstoff in die Schweiz verteuert sich dadurch.
«Die Auswertung deute darauf hin, dass diese zur Zunahme beigetragen haben könnten.»
Aktuelle Preise zeigen die Entwicklung: Laut TCS liegt der Durchschnittspreis für einen Liter Bleifrei 95 bei rund Fr. 1.94, ein Liter Diesel kostet im Schweizer Durchschnitt etwa Fr. 2.14. Solche Preisniveaus können Motivationen für Gelegenheitsdelikte erhöhen, analysieren Fahndungsexperten.
Konsequenzen für Tankstellenbetreiber und Kundinnen
Tankstellen stehen vor praktischen Herausforderungen. Betreiber berichten, dass präventive Massnahmen wie Kameras, Kassensysteme mit Abschrankungen, Personalpräsenz oder Barrieren beim Ausfahren vermehrt geprüft werden. Insbesondere Autobahnraststätten, die ohnehin anfälliger für anonyme Delikte sind, erhöhen die Wachsamkeit.
- Sicherheitsmassnahmen: Kameras, verbesserte Beleuchtung, Personal oder Abschrankungen können abschreckend wirken.
- Technische Lösungen: Zahlungssysteme vor dem Zapfen (Prepay), automatische Kennzeichenerfassung oder Schranken an Ausfahrten sind mögliche Optionen.
- Prävention: Aufklärungskampagnen und Kooperation zwischen Polizei und Betreibern stärken die Abschreckung.
Wie die Polizei vorgeht
Die Kantonspolizei untersucht die Vorfälle und wertet dabei Spurenauswertungen, Kamerabilder und Zeugenaussagen aus. Für grössere Fallserien sind auch die Staatsanwaltschaften eingebunden, beispielsweise wenn die Tatmuster auf organisierte Gruppen hinweisen. Bei Treibstoffdiebstählen aus Lastwagen oder Baufahrzeugen nimmt die Polizei auch technische Spurensicherung vor und arbeitet mit betroffenen Firmen zusammen.
Betroffene Tankstellen und Zeugen werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei zu melden und vorhandene Aufnahmen oder Beobachtungen zu sichern. Solche Hinweise sind oft entscheidend, um Täter zu identifizieren und weitere Delikte zu verhindern.
Regionale Bedeutung
Die Zunahme von Tankbetrug und Treibstoffdiebstahl hat unmittelbare Folgen: Für Betreiber bedeutet jeder einzelne Fall finanziellen Aufwand und steigende Sicherheitskosten; für die Allgemeinheit können steigende Preise auf Dauer mit höheren Betriebskosten einhergehen. Die Situation im Aargau steht dabei exemplarisch für eine breitere Entwicklung in der Nordwestschweiz.
Die Polizei betont, dass eine Kombination aus technischen Schutzmassnahmen, verstärkter Präsenz und Kooperation zwischen Behörden und Gewerbe am effektivsten ist, um das Problem in den Griff zu bekommen. Für Kundinnen und Kunden gilt: Wenn möglich, vor dem Tanken zahlen oder die Zahlung elektronisch bestätigen und im Zweifelsfall die Tankstelle informieren.