Der Kanton Aargau zieht erstmals eine umfassende lokale Zwischenbilanz zur nachhaltigen Entwicklung und macht die Ergebnisse mit einer Wanderausstellung öffentlich: Auf dem Unteren Bahnhofplatz in Baden ist derzeit der aktuelle Stand der 17 Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen zu sehen. Der Bericht, den der Regierungsrat freiwillig nach UNO-Vorgaben erstellt hat, soll Transparenz schaffen und einen internationalen Vergleich erlauben.
Erster kantonaler Voluntary Local Review
Der Aargauer Regierungsrat betont im Nachhaltigkeitsbericht sein Bekenntnis zur nachhaltigen Entwicklung und spricht von einem proaktiven Handeln, um die hohe Lebensqualität im Kanton zu erhalten. Damit ist der Aargau nach eigenen Angaben der erste Schweizer Kanton, der einen Voluntary Local Review (VLR) publiziert. Die Aufbereitung der Daten soll sowohl Fachleuten wie der Bevölkerung einen verständlichen Einstieg in die Lagebeurteilung erlauben.
«Der Aargauer Regierungsrat bekenne sich zur nachhaltigen Entwicklung und handle proaktiv, um die hohe Lebensqualität im Kanton zu erhalten.»
Klimaziel der Verwaltung: Netto-Null bis 2040
Für die kantonale Verwaltung nennt der Bericht das Ziel, die Treibhausemissionen bis 2040 auf Netto-Null zu bringen. Ein konkreter Massnahmenplan dafür liege bereits vor, heisst es. Damit positioniert sich der Kanton ambitionierter als das nationale Ziel, das in vielen Bereichen später erreicht werden soll.
Die Ausstellung in Baden informiert über diese Ziele und über laufende Projekte. Sie richtet sich an Gemeinden, Behörden, Wirtschaft und interessierte Bevölkerungsschichten und will den lokalen Diskurs über die Umsetzung von Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung befördern.
Stärken: Solide Verwaltung, gute Standortqualität
Der Bericht hebt mehrere Stärken des Kantons hervor: Der Aargau sei nicht verschuldet, die Verwaltung sei schlanker als der Schweizer Durchschnitt, und die Zahl schwerer Straftaten liege vergleichsweise tiefer. Diese Faktoren würden einen stabilen Rahmen für gesellschaftliches Zusammenleben und wirtschaftliche Entwicklung bilden.
Schwachstellen: Demokratische Partizipation und Freiwilligenengagement
Gleichzeitig kritisiert der Bericht Defizite im demokratischen Engagement: Die Stimmbeteiligung liege unter dem Schweizer Durchschnitt, und es werde zunehmend schwierig, Freiwillige für Exekutivämter in Gemeinden zu finden. Auch der Frauenanteil in politischen Ämtern sei tiefer als in vielen Kantonen. Diese Entwicklungen könnten langfristig die Gemeindeführung und die politische Repräsentation schwächen.
Mobilität und Wirtschaft: Pendlerstrom als Umweltproblem
Der Aargau sei ein ausgeprägter Wohnkanton, schreibt der Bericht: Viele Erwerbstätige pendelten in andere Kantone zur Arbeit. Dieser starke Pendlerstrom belaste die Umwelt. Zur Reduktion dieses Effekts will der Kanton Zuzug von Unternehmen fördern und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen attraktiver gestalten, um Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen und so den Pendlerexodus zu mindern.
- Wanderausstellung: Aktuell auf dem Unteren Bahnhofplatz in Baden.
- VLR: Erster freiwilliger UNO-Review eines Schweizer Kantons.
- Klimaziel Verwaltung: Netto-Null-Treibhausemissionen bis 2040.
Ausgewählte Indikatoren auf einen Blick
| Bereich | Status laut Bericht |
|---|---|
| Finanzen | Kein Kantonsverschuldung |
| Verwaltung | Schlanker als Schweizer Durchschnitt |
| Kriminalität | Weniger schwere Straftaten als anderswo |
| Demokratie | Stimmbeteiligung eher unterdurchschnittlich |
| Gleichstellung | Niedriger Frauenanteil in Politik |
| Mobilität | Hoher Pendleranteil, Umweltbelastung |
Was bedeutet das lokal?
Für Gemeinden im Aargau dürften die Erkenntnisse des Berichts konkreten Handlungsbedarf bedeuten: Mehr Arbeitsplätze vor Ort, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und Massnahmen zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements. Der Bericht liefert dafür Datengrundlagen, die Gemeinderäte, Standortförderungen und die Wirtschaft für ihre Planungen nutzen können.
Die Ausstellung bietet zudem einen niederschwelligen Zugang zu den Fakten und soll Diskussionen anstossen. Wer die Tafeln in Baden oder an den weiteren Stationen besucht, erhält eine Übersicht samt Vergleichsdaten und Ansatzpunkten für lokale Massnahmen.
Ausblick
Ob und wie rasch die gesetzten Ziele – insbesondere das Netto-Null-Ziel der Verwaltung – umgesetzt werden, hängt von konkreten Projekten und der Bereitschaft von Gemeinden und Wirtschaft ab, neue Wege zu gehen. Der freiwillige UNO-Review schafft die Voraussetzung, die Entwicklung regelmässig zu verfolgen und mit anderen Regionen zu vergleichen.
Die Wanderausstellung bleibt ein Angebot, das Thema Nachhaltigkeit in den Alltag zu holen und sowohl Verantwortliche wie Bevölkerung an der Bewertung von Fortschritten und Lücken zu beteiligen.