Die Gesundheitsausgaben in Österreich sind in der Periode 2015 bis 2024 deutlich stärker gestiegen als das nominale Bruttoinlandprodukt (BIP). Ein Bericht des Budgetdienstes des Parlaments zeigt, dass die Gesamtausgaben (ohne Langzeitpflege, inkl. Privatausgaben) von 2015 bis 2024 um 60 Prozent zulegten und 2024 52,1 Milliarden Euro erreichten. Unter Berücksichtigung eines ungefähren Wechselkurses entspricht dies rund 54,7 Milliarden Franken (umgerechnet, gerundet).
Öffentliche Ausgaben wachsen stärker als private
Die Zunahme der öffentlichen Gesundheitsausgaben war mit 64,9 Prozent über den neun Jahren stärker als jene der privaten Ausgaben (+46,3 Prozent). Für 2024 weist der Bericht nach dem von der OECD entwickelten Gesundheitskonten-System (SHA) für die rein öffentlichen Ausgaben (ohne Privatkosten und ohne Langzeitpflege) 39,5 Milliarden Euro aus. Diese stellten laut Bericht rund 15 Prozent der gesamten Staatsausgaben dar.
Der Budgetdienst hebt hervor, dass die Finanzierung des Gesundheitssystems durch komplexe Verflechtungen zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und der Sozialversicherung geprägt ist. Das führe insbesondere im Bereich der Krankenanstaltenfinanzierung zu «widersprüchlichen finanziellen Anreizen», so die Analyse, und könne Leistungsverschiebungen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung begünstigen.
Starke Zuwächse in einzelnen Leistungsbereichen
Die Zuwächse verteilten sich ungleich über Leistungsarten. Während Ausgaben für medizinische Güter um 42,9 Prozent zunahmen, verzeichnete die spitalsambulante Versorgung mit 143,5 Prozent den höchsten Anstieg. Insgesamt stiegen die Gesundheitsausgaben pro Kopf – unter Berücksichtigung des Bevölkerungswachstums – von 3 778 Euro (2015) auf 5 682 Euro (2024), ein Plus von 50,4 Prozent. Umgerechnet entsprechen dies circa 3 967 Franken respektive 5 966 Franken (gerundet).
| Kennzahl | 2015 | 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Gesamtausgaben (ohne Langzeitpflege) | 32,6 Mrd. Euro | 52,1 Mrd. Euro | +60,0 % |
| Öffentliche Ausgaben (ohne Langzeitpflege) | 39,5 Mrd. Euro | +64,9 % vs. 2015 | |
| Ausgaben pro Kopf | 3 778 Euro | 5 682 Euro | +50,4 % |
Der Bericht nennt zudem unterschiedliche Wachstumsmuster innerhalb des Gesundheitssektors, was auf strukturelle Veränderungen in der Leistungserbringung und Finanzierung hindeutet.
Folgen für Politik und Systemsteuerung
Die stärkeren Zuwächse bei öffentlichen Ausgaben verschärfen politische Diskussionen zur Nachhaltigkeit der Gesundheitsfinanzierung. Wenn der öffentliche Anteil an den Gesundheitsausgaben rascher wächst als das BIP, entstehen langfristig höhere Belastungen für Staatshaushalte und Sozialversicherung. Gleichzeitig können die angesprochenen «widersprüchlichen finanziellen Anreize» zu Fehlallokationen führen, etwa wenn Leistungen in kostenintensivere Versorgungsebenen verlagert werden.
Für Entscheidungsträger stellen sich damit mehrere Aufgaben:
- Die Finanzierungsarchitektur überprüfen, um Fehlanreize zu reduzieren und Transparenz zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung zu schaffen.
- Ambulante versus stationäre Versorgungsmodelle bewerten, gerade angesichts der starken Zunahme spitalsambulanter Leistungen.
- Effizienz- und Präventionsstrategien stärken, um Ausgabenwachstum nachhaltiger zu gestalten.
Der Bericht liefert keine einfachen Antworten, aber klare Hinweise auf Bereiche, in denen Steuerung und Koordination zwischen den Ebenen verbessert werden könnten. Vor dem Hintergrund steigender Kosten werden Fragen nach Priorisierung, Finanzierung und regionaler Verantwortung in den kommenden Jahren an Relevanz gewinnen.
Die Zahlen stammen aus der Auswertung des Budgetdienstes des Parlaments, basierend auf dem von der OECD entwickelten System of Health Accounts (SHA). Sie umfassen keine Langzeitpflege und berücksichtigen sowohl öffentliche als auch private Ausgaben.