Umwelt Zürich Zürich (ZH)

Entlastungsstollen Sihl‑Zürichsee: Hochwasserschutz steht wegen Trockenheit vor neuem Dilemma

Der Entlastungsstollen Sihl‑Zürichsee soll nächstes Jahr in Betrieb gehen und ist das grösste Hochwasserschutzbauwerk des Kantons. Wegen der anhaltenden Trockenheit gerät die Baustelle und die Abnahme in eine schwierige Lage — der Kanton betont dennoch, dass man sich auf beide Seiten des Klimawandels vorbereiten müsse.

Entlastungsstollen Sihl‑Zürichsee: Hochwasserschutz steht wegen Trockenheit vor neuem Dilemma
©Illustration KI Fabian Meier / we-news.com

Der Kanton Zürich bereitet sich auf künftige Extremereignisse vor: Mit dem Entlastungsstollen Sihl‑Zürichsee soll ein zentrales Hochwasserschutzbauwerk gegen Überflutungen an der Sihl entstehen. Gleichzeitig stellt die anhaltende Trockenheit die Arbeiten und die Inbetriebnahme vor neue Herausforderungen. Am Auslaufbauwerk in Thalwil, wo der Stollen in den Zürichsee mündet, zeigte sich die Baustelle zuletzt in einer ungewöhnlichen Lage: in einer trockengelegten Lücke, in der rund 90 Meter freigelegter Kanal zu sehen sind.

Technik und Lage vor Ort

Das Auslaufbauwerk des Stollens liegt bei Thalwil und ist in einer Grube freigelegt worden, die rund 90 Meter lang und etwa 10 Meter tief ist. Metallwände halten das Wasser zurück, in der Grube rinnt nur wenig Wasser. Die verantwortlichen Behörden und der zuständige Regierungsrat stellten das Projekt dort vor und betonten, dass man trotz der Trockenzeit an den Hochwasserschutzplänen festhalte.

Warum der Stollen gebaut wird

Der Kanton sieht sich mit zwei Seiten des Klimawandels konfrontiert: längere Trockenperioden einerseits, häufigere und heftigere Niederschläge andererseits. Gerade letzteres erhöht das Risiko von Überflutungen in urbanen Räumen. Die Sihl, oft als Zürichs «minderer Fluss» bezeichnet, gehört zu den Gewässern mit besonders hohem Hochwasserrisiko. Deshalb plant der Kanton mit dem Stollen eine Entlastung, die bei grossen Hochwassern Wasser in den Zürichsee ableitet und so Pegelspitzen in der Stadt reduziert.

«Schliesslich hat der Klimawandel zwei Seiten»

Diese Aussage von Regierungsrat Martin Neukom (Grüne) stellte die Motivation des Projekts klar: Nicht nur gegen Trockenheit, sondern auch gegen extreme Niederschläge müsse vorgebeugt werden. Der Stollen gilt als das grösste Hochwasserbauwerk im Kanton und soll im kommenden Jahr in Betrieb genommen werden, wenn die Arbeiten planmässig verlaufen.

Regionale Risiken im Blick

Der Kanton nennt mehrere Gewässer mit akuter Gefährdung durch Hochwasser. Neben der Sihl stehen insbesondere folgende Bäche und Flüsse im Fokus:

  • Eulach in Winterthur
  • Altbach in Kloten
  • Reppisch in Dietikon
  • Sihl in der Stadt Zürich und den angrenzenden Gemeinden

Der Entlastungsstollen für die Sihl ist dabei das bisher umfangreichste Einzelprojekt des Kantons zum Hochwasserschutz.

Trockenheit: Baustelle zwischen Notwendigkeit und praktischer Schwierigkeit

Die derzeitige Trockenlage hat zwei Effekte: Einerseits zeigt sie, dass akute Trockenheitsprobleme bestehen; andererseits erschwert sie die Abnahme von Bauwerken, die mit Wasser in Verbindung stehen. Am Auslauf in Thalwil war die Grube trockengelegt, Metallwände halten das Seewasser ab — in einem solchen Zustand müssen Bauverantwortliche zusätzliche Prüfungen und Abläufe einplanen, um die Funktionalität bei echten Hochwasserereignissen sicherzustellen.

Was das für die Gemeinden bedeutet

Für Anwohnerinnen und Anwohner in Zürich und den betroffenen Gemeinden bedeutet der Stollen im Idealfall weniger Risiko bei extremen Regenereignissen: Weniger Überflutungen von Uferbereichen, tieferer Pegel in kritischen Sihlabschnitten und damit geringere Schäden an Bebauung und Infrastruktur. Gleichzeitig bleibt die Frage offen, wie die Inbetriebnahme unter ungewöhnlichen hydrologischen Bedingungen organisatorisch abgewickelt wird.

Fakt Angabe
Länge Auslaufkanal 90 Meter
Tiefe der freigelegten Lücke 10 Meter
Geplante Inbetriebnahme Nächstes Jahr (Stand: Bericht)

Die Baustelle in Thalwil demonstriert symbolisch die Herausforderung: Man baut heute gegen künftige Überflutungen, während die aktuelle Phase von Trockenheit geprägt ist. Behördenbetreuer und Ingenieure müssen daher doppelt denken — für den Extremfall des Überflusses und für die Praxis der Baustelle im Mangel an Wasser.

Ausblick

Der Kanton hält am Projekt fest. Ob und wie schnell die letzten Abnahmen und Tests erfolgen können, bleibt abhängig von den hydrologischen Bedingungen und den technischen Prüfungen an Ort und Stelle. Klar ist: Der Entlastungsstollen Sihl‑Zürichsee wird künftig eine zentrale Rolle im Kantonsschutz gegen Hochwasser spielen und ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie sich die Region auf die «zwei Seiten» des Klimawandels einstellt.

Fabian Meier
Fabian KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Zürich – WE NEWS online

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