Vorfall und unmittelbare Folgen
Ein Deckeneinsturz im Sitzungszimmer der Baselbieter Regierung in Liestal hat erhebliche Konsequenzen für den Betrieb von Regierung und Parlament. Der Zusammenbruch der Deckenverkleidung ereignete sich wenige Tage vor den Sommerferien; glücklicherweise war niemand im Raum anwesend. Als Folge muss das Kantonsparlament vorläufig in Exil tagen, da der Landratssaal oberhalb des betroffenen Zimmers liegt und ebenfalls betroffen sein kann.
Ursachen: Schraubenverbindung versagte
Die technischen Abklärungen der letzten Wochen ergaben laut Angaben von Baudirektor Isaac Reber und dem stellvertretenden Kantonsarchitekten Thomas Zaugg, dass der Einsturz auf ein Ausziehversagen der Schraubenverbindung zurückzuführen ist. Konkret bedeutet das, dass die Schraubengewinde nicht mehr griffen und die Deckenverkleidung dadurch nicht mehr gehalten wurde.
«Die Decke ist aus dem Nichts runtergefallen.»
Weitere Schäden im historischen Bau
Die Untersuchungen beschränkten sich nicht auf das eine Zimmer. Es zeigte sich, dass auch weitere Bereiche im Gebäude betroffen sind: Foyer, Cafeteria und die Decke unter dem Landratssaal weisen ähnliche, fehlerhafte Schraubenverbindungen auf. Darüber hinaus fanden die Baubehörden in den historischen Holzbalkenkonstruktionen sowie in den Mauern Feuchtigkeitsschäden und Schädlingsbefall. Diese Befunde betreffen insbesondere Holzbalken und Mauerwerk und erhöhen das Sicherheitsrisiko für weitere Deckenabschnitte.
Gebäudehistorie und frühere Sanierung
Das betroffene Regierungsgebäude stammt aus dem späten 18. Jahrhundert und wurde in den vergangenen Jahren teilweise saniert. Die betreffende Deckenverkleidung war laut Behördenangaben später, 2004, installiert worden und war bei der umfangreichen Sanierung, die im Frühling 2024 abgeschlossen wurde, offenbar nicht überprüft worden. Warum die Schraubenverbindung gerade jetzt versagte, konnten die Fachleute bisher nicht erklären.
Konsequenzen und notwendige Arbeiten
Die Behörden kündigten an, dass die Decke unter dem Landratssaal saniert werden muss. Weil der darüberliegende Landratssaal beeinträchtigt ist, bleibt der reguläre Sitzungsbetrieb in Liestal vorerst ausser Haus. Die laufenden Untersuchungen haben ergeben, dass weitere Decken im Gebäude potenziell einsturzgefährdet sind; deshalb sind flächendeckende Kontrollen und Sicherungsmassnahmen nötig.
| Betroffener Bereich | Festgestellte Mängel |
|---|---|
| Sitzungszimmer der Regierung | Deckenverkleidung eingebrochen; Schraubenverbindung versagt; Feuchtigkeit; Schädlingsbefall |
| Foyer / Cafeteria | Fehlerhafte Schraubenverbindungen festgestellt |
| Landratssaal (oberhalb) | Vorläufig gesperrt / Tangiert durch Schaden darunter |
Offene Fragen und Ausblick
Mehrere Punkte bleiben laut den Behörden offen: Warum die Schraubengewinde nicht gegriffen haben, weshalb keine Voranzeichen wie Risse oder Knarren erkennbar waren und weshalb bei der 2024 abgeschlossenen Sanierung die 2004 installierte Decke nicht kontrolliert wurde. Die Verantwortlichen sprechen von «technischen Abklärungen», die weiterlaufen. Solange die Ursachen nicht vollständig geklärt und alle betroffenen Decken gesichert sind, wird der Landrat ausser Haus tagen müssen.
- Sicherheit geht vor: Bis zur Freigabe durch die Fachstellen finden keine regulären Sitzungen in den betroffenen Räumen statt.
- Weitere Prüfungen: Alle Decken im Gebäude werden kontrolliert, um weitere Risiken zu identifizieren.
- Sanierungen: Konkrete Sanierungsarbeiten für die Decke unter dem Landratssaal sind geplant, Details zum Zeitplan stehen noch aus.
Die Behörden informierten Medienvertreter in Liestal über die Befunde; neben Baudirektor Isaac Reber und dem stellvertretenden Kantonsarchitekten Thomas Zaugg nahmen Fachingenieure an den Abklärungen teil. Weitergehende Entscheidungen über Verantwortlichkeiten, Kosten und konkrete Zeitpläne für die Sanierung werden erwartet, sobald die technischen Gutachten abgeschlossen sind.